Neuer Mietenspiegel : Mieten in Hamburg steigen „extrem“ und „dramatisch“

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Foto: JOF

Die Mieten sind in Hamburg seit 2019 so stark gestiegen wie lange nicht mehr. Mietervereine sind über den neuen Mietenspiegel entsetzt und fordern mehr Engagement des Senats.

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Bauen, bauen, bauen genügt offenbar nicht, um den Anstieg der Mieten in Hamburg zu bremsen. Das zeigt der neue Mietenspiegel: Um 7,3 Prozent sind die Mieten demnach seit der letzten Erhebung im Jahr 2019 gestiegen. So stark wie seit 20 Jahren nicht mehr, beklagt der Mieterverein zu Hamburg: „Der extrem starke Mietenanstieg muss für den Senat ein Signal sein, dass die bisherigen Bemühungen, den Wohnungsmarkt in Hamburg zu stabilisieren, offenbar nicht gefruchtet haben“, sagt sein Geschäftsführer Rolf Bosse.

Im Durchschnitt lag die Nettokaltmiete am 1. April 2021 bei 9,29 Euro pro Quadratmeter und damit um 63 Cent über dem Wert von 2019. In guter Wohnlage liegt der Schnitt bei Neubauten sogar bei mehr als 17 Euro. Berücksichtigt wurden dabei alle Neuvermietungen der vergangenen sechs Jahre.

Hamburgs Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) gibt sich angesichts dieser Zahlen zerknirscht: „Der Anstieg der durchschnittlichen Nettokaltmiete mahnt uns, nicht nachzulassen in unseren Anstrengungen, den Mietenmarkt mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu entlasten“, sagt sie. Der im Vergleich besonders starke Anstieg sei insbesondere vielen Neuvermietungen und Modernisierungen geschuldet, heißt es in einer Analyse aus ihrer Behörde. Entscheidender Faktor bleibe der weiterhin hohe Nachfragedruck auf dem angespannten Wohnungsmarkt.

Mieterhöhungen überprüfen

Der Mieterverein bietet auf seiner Homepage einen Online-Check an, mit dem Mieter eine Mieterhöhung überprüfen lassen können. Eine telefonische Kurzberatung bietet Mieter helfen Mietern auch für Nichtmitglieder  unter der Telefonnummer 040-43139430 an (täglich 9-13 Uhr, Montag bis Donnerstag 14-16 Uhr).

Um die Entwicklung zu stoppen, fordert der Mieterverein vom Senat unter anderem mehr Sozialwohnungen zu bauen und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen weiter zu erschweren. Auf Bundesebene solle sich Hamburg unter anderem für eine Verschärfung der Mietpreisbremse aussprechen.

Auch der Verein „Mieter helfen Mietern“ urteilt angesichts des „dramatischen“ Anstiegs, der Senat habe bei seiner Mietenpolitik versagt und befürchtet zahlreiche Mieterhöhungen zum Jahreswechsel, weil Vermieter:innen sich auf den neuen Mietenspiegel berufen könnten. In dem Fall könne sich eine Beratung lohnen: Nach der Erfahrung des Vereins sei nur ein Drittel aller Mieterhöhungen rechtens. Der Hamburger Mieterverein bietet dafür auch einen Online-Check an.

Autor:in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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