Ermittlungen eingestellt : Überfall auf Obdachlose bleibt ungesühnt

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen drei Mitarbeiter der Bahn-Sicherheit eingestellt. Ihnen war vorgeworfen worden, im vergangenen Sommer Hinz&Künztler Manole überfallen zu haben. 

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Manole zeigt sein zerstörtes Zelt.

Die Schläger, die im vergangenen Sommer Hinz&Künztler Manole und seinen Cousin in ihrem Zelt überfallen und verprügelt sowie ihr Zelt zerstört haben, kommen ungestraft davon. Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung eingestellt. „Die Tat konnte den Beschuldigten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Weitere Ermittlungen gibt es nicht.

Was war passiert? Manole und sein Cousin lebten im Juli 2015 in einem Zelt nahe einer Bahn-Anlage im Hamburger Westen. Dort sind sie, so erzählten sie es uns und der Polizei, nachts überfallen, mit Pfefferspray angegriffen und mit Stahlkappenschuhen gegen den Kopf getreten worden. Ihr Zelt wurde mit einem Messer zerstört. Die Täter, da waren die beiden sich sicher: zwei Männer und eine Frau in Uniformen der Deutschen Bahn. Zeugenaussagen stützten ihre Schilderung.

Monatelang hat erst die Bundespolizei und dann die Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt. Welche Bahn-Mitarbeiter in dieser Nacht im fraglichen Bereich im Einsatz waren, war schnell klar. Die Ermittler der Polizei luden sie zur Befragung vor, später eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen sie. „Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich relativ viel Mühe gemacht“, sagt Staatsanwältin Frombach rückblickend. Es seien zahlreiche Zeugen vernommen und ihnen Lichtbilder von den Beschuldigten vorgelegt worden. Die Rede ist von einer „sehr gründlichen Beweiswürdigung“ seitens der Staatsanwaltschaft.

Bahn-Mitarbeiter streiten die Tat ab

Dabei hätten sich allerdings mehrere Unstimmigkeiten ergeben: Die Beschreibungen der Täter hätten teilweise nicht gepasst, sagt Frombach. Und bei der Lichtbildvorlage hätten nicht alle Beschuldigten identifiziert werden können. Außerdem streiten die drei Bahn-Sicherheitsleute die Tat nach wie vor ab. „Die Staatsanwältin ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht reicht“, sagt Frombach. Eine Gerichtsverhandlung wird es nicht geben, die Ermittlungsakte liegt bereits im Archiv.

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Mehrere Zelte wurden am Tatort mit Messern zerstört.

Den Überfall hat es trotzdem gegeben – und es gibt sogar weitere Tatverdächtige. Zur Tatzeit hätten sich drei Unbekannte in der Nähe des Tatorts aufgehalten, die als Täter in Frage kommen, sagt Frombach. Auf sie passe Manoles Beschreibung. Allerdings seien ihre Namen nicht bekannt. „Deswegen können wir gegen sie nicht ermitteln.“

Text: Benjamin Laufer
Fotos: Mauricio Bustamante, Benjamin Laufer

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