Wohnungslosenhilfeverband : „Kältetod wohnungsloser Menschen verhindern!“

Viele Obdachlose schlafen auch im Winter draußen. Foto: Mauricio Bustamante

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert die Kommunen zu „verstärkten Anstrengungen“ auf, um Kältetote im Winter zu verhindern. Sie kritisiert auch, dass Migranten teilweise der Zugang zu den Unterkünften verwehrt wird.

Anzeige

Insbesondere Menschen, die ganz ohne Unterkunft auf der Straße leben, seien unmittelbar vom Kältetod bedroht, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) in einer aktuellen Mitteilung. Seit 1991 seien mindestens 289 Wohnungslose in Deutschland an Unterkühlung verstorben. Die Kälte trage zudem auch häufig dazu bei, den Gesundheitszustand von erkrankten oder geschwächten wohnungslosen Menschen weiter zu verschlechtern, „bis hin zum Tod der Betroffenen“. Angesichts dieser Bilanz fordert die BAG W erneut wirksame Maßnahmen der Kommunen, um weitere Kältetote zu verhindern.

Stellungnahme zum Winternotprogramm
„Wir dürfen nicht riskieren, dass es auch nur einen Kältetoten gibt“
Wir sind besorgt: Laut Medienberichten plant die Sozialbehörde, gegen sogenannte „unberechtigte Nutzer“ des Winternotprogramms vorzugehen. Das kritisieren Diakonie, hoffnungsorte hamburg und Hinz&Kunzt in einer gemeinsamen Stellungnahme scharf.

Die Arbeitsgemeinschaft kritisiert auch, dass Wohnungslosen Migranten, „insbesondere aus Ost- und Südosteuropa“, teilweise gänzlich die Unterkünfte verwehrt werden. Das ist neuerdings auch in Hamburg so: Mit Verweis auf Unterkunftsmöglichkeiten in den Heimatländern werden Rumänen dazu gedrängt, das Winternotprogramm für Obdachlose zu verlassen. Weil sie in den Heimatländern eine Unterkunft hätten, bezeichnet die Sozialbehörde sie als „freiwillig Obdachlose“. Doch laut BAG W muss jede Kommune in Deutschland gemäß Ordnungsrecht „wohnungslose Menschen menschenwürdig unterbringen, unabhängig von Nationalität und Aufenthaltsstatus“.

Prognose: 200.000 neue Wohnungslose in vier Jahren

Laut einer Schätzung der Arbeitsgemeinschaft könnte die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland von etwa 335.000 im Jahr 2014 auf bis zu 536.000 im Jahr 2018 ansteigen. Dies wäre ein „dramatischer Zuwachs“ um 200.000, also 60 Prozent, innerhalb von nur vier Jahren. Die Schlußfolgerung der BAG W: „Es sind dringend verstärkte Anstrengungen nötig, um allen hilfebedürftigen wohnungslosen Menschen menschenwürdige Unterkünfte und ausreichenden Kälteschutz anbieten zu können.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

2 Kommentare zu “„Kältetod wohnungsloser Menschen verhindern!“

  1. betr. “ „Obdachlose bald ganztätig versorgt“ Bezug aus der MOPO vom 13.12,2016 Seite 15.

    Hier wird unsere Sozialsenatorin befragt, oder zitiert, man weiß es nicht so genau. Denn ein Foto allein macht noch keine Storry. Weiter hin wird in dieser Berichterstattung nicht da drauf eingegangen, das diese Freie und Hansestadt Hamburg, seit fast 23 Jahre Rechtsbruch begeht. Denn wir alle wissen, das diese Stadt da zu verpflichtet ist, sich um Schutzbefohlene zu kümmern, tut sie aber nach 9:00 Uhr nicht. In diesem Bericht kommt es nicht mal vor, das sie auf die 9:00 Uhr Regelung eingeht. Nun ist sich diese Behörde sicher, das nach ihre Prüfung (diese Anklage fallen gelassen wird), das würde bedeuteten, das sie ihren eigenen Rechtsbruch vom Tisch fallen läßt, der seit mehr als 23 Jahre besteht. Da frage ich mich, wie soll das denn gehen ?? Aber wie wir wissen, ist in der Politik und bei Behörden alles möglich. Eigendlich sollte diese Zeitung eine Gegendarstellung von mir bringen, tut sie aber nicht. Die Begründung: „Sie läßt sich nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat !! “ Da bei ist jedes Presseorgan rechtlich da zu verpflichtet, eine Gegendarstellung zu bringen. Nun schreibe ich hier nieder, was geschrieben werden muß.

    Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER – Autor & Dichter

  2. Ehrlichwerweise schreibt Jonas Füllner im Artikel zum „Unwort des Jahres“ über vermeintlich obdachlose, rumänische „Nutzer“ des Winternotprogramms: „das einzige was sie oftmals besitzen, ist eine kleine Wohnung oder ein baufälliges Häuschen.“ Will Hinz&Kunzt alle Menschen mit einem „baufälligen Häuschen“ aus Europa (warum nicht der ganzen Welt?) nach Hamburg einladen? Dann wäre es kein Wunder, wenn in Deutschland in Kürze tatsächlich MEHRERE MILLIONEN „Obdachlose“ leben. Warum auch nicht: Als Hamburger wissen wir ja, wie einfach es für normalverdienenede, arbeitende Menschen ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und Wohnungsbau ist ja auch so einfach (Naturschutz…) und billig…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.