Kalender 2027

Zu Besuch bei Kochprofis

Wollen dazulernen: die Mitglieder der Hinz&Kunzt-Kochgruppe Silvia, Jens, Gabor, Markus und Kai. Foto: Dmitrij Leltschuk

Die Hinz&Kunzt-Kochgruppe hat im „Gasthaus zur Post“ mit Spitzenköchen in der Küche gestanden. In unserem Jahreskalender für 2027 sind saisonale Rezepte zum Nachkochen und Fotos des Ausflugs verewigt.

Jetzt so mit dem Löffel die Kerne rausschaben“: Herbert Kramer nimmt eine halbierte Gurke aus dem Eimer vor ihm und demonstriert den vier Hinz&Künztler:innen, die ihm gespannt über die Schulter schauen, wie der Profi Gemüse verarbeitet. „So mach ich’s auch immer!“, ruft Silvia*, greift nach einem Löffel und macht sich ans Werk. Zufrieden tritt Kramer zur Seite und schaut sich im Garten seines „Gasthaus zur Post“ um. Der 74-Jährige ist in dem großen Fachwerkbau vor ihm aufgewachsen. Seit rund 300 Jahren gibt es die Gaststätte im Alten Land. Herbert Kramer führte sie 50 Jahre lang als Fischrestaurant, heute leitet sein Sohn Jan Frithjof „Fiete“ den Familienbetrieb.

Der zeigt auf einen der Kirschbäume im Garten. „Ein Stammgast erzählt mir immer, dass ich früher oft da oben drinsaß“, sagt der 40-Jährige. Mittlerweile wohnt die Familie nicht mehr im Gasthaus. Als Jan Frithjof den Betrieb vor sieben Jahren übernahm, baute er das Haus zu Ferienwohnungen um. Auch einen Einzelhandel mit Schorle, Schnaps und Fischkonserven hat der Betriebswirt eröffnet. Statt als Koch sieht er sich eher als „Mädchen für alles“ und kümmert sich um die Zahlen.

„120 Kilo Scholle machen wir heute.“

Senior-Chef Herbert Kramer

Köche, Küchenhilfen und Hinz&Künztler:innen laufen umher, wechseln immer wieder die Arbeitsplätze zwischen einer Küche im unteren und im oberen Teil des Gebäudes. Geschnippelt wird heute draußen am Teich. Unter den Kirschbäumen herrscht buntes Treiben. Zu den Raucherpausen treffen sie sich an den Tischen im Garten, die bald von den Gästen zum Mittagsgeschäft besetzt sein werden.

„Jetzt aber Pfoten waschen!“, ruft Hinz&Kunzt-Hausmeister und Kochgruppenmitglied Markus in die Runde und drückt seine Kippe im Aschenbecher aus. „Wie Ralf uns das beigebracht hat!“ Hinz&Künztler Ralf liegt krank zu Hause im Bett. „Jungs, guckt mal halbwegs hübsch!“, ruft Silvia und fotografiert ihre Kollegen. Ralf wird im Gruppenchat über jedes Ereignis des Tages auf dem Laufenden gehalten.

Seit mehr als vier Jahren trifft sich ein fester Kern von fünf bis zehn Hinz&Künztler:innen einmal im Monat gemeinsam am Herd. An jedem ersten MagazinVerkaufstag bereiten sie eine warme Mahlzeit für die rund 500 Verkäufer:innen zu. Fünf Mitglieder der Kochgruppe sind heute dabei.

„Fisch ist super!“, ruft Markus, während er Herbert Kramer in den hinteren Teil der Küche folgt. „Ich hatte immer Respekt, wie man den richtig macht. Jetzt kann ich’s endlich lernen.“ Koch Herbert Kramer und Markus bleiben vor mehreren gestapelten Kisten voller Fische stehen. „120 Kilo Scholle machen wir heute“, sagt Kramer senior. Erst müsse die Lieferung aber geprüft werden. Er nimmt einen Fisch in die Hand und zeigt auf die Augen. „Die müssen klar sein.“ Dann zieht er die Kiemen auseinander. „Die müssen rot sein, dann ist er frisch.“ Er hält die geöffneten Kiemen in die Runde. „Frisch“, stellt die fest. „Jo, besser geiht dat nich“, sagt Kramer und beginnt die Schollen zu häuten.

Einige Hinz&Künztler bleiben bei ihm, beginnen anschließend mit dem Ausnehmen der Fische. Gabor und Silvia gehen nach oben und helfen den anderen Köchen des Gasthauses. Gabor brät Rote-Bete-Chips. Um zu testen, ob ihm sein Werk gelingt, steckt er sich einen Chip in den Mund. „Wow, mega lecker!“, ruft er. „Schade, ich dachte, das wäre Salami“, sagt Silvia, als sie ebenfalls probiert. „Ich muss mal Pause machen“, sagt sie und grinst. „Ich habe hier aber alles im Griff.“ Sie stellt sich demonstrativ hinter Gabor, um ihm genau auf die Finger zu schauen. Ihr Kollege rollt lachend die Augen. „Aber seid froh, dass ihr mich habt, sonst wird’s ja langweilig in der Kochgruppe“, sagt sie.

„Leute, die machen Apfelsaft in den Gurkensalat!“, ruft Markus von unten. Silvia läuft runter in die andere Küche und probiert. Wenig später probieren ihn alle, denn endlich ist es so weit: Die Hinz&Künztler:innen sitzen am gedeckten langen Tisch unter den Kirschbäumen. Ein Stuhl bleibt frei. „Der wäre für Kai“, sagt Gabor. Für einen Moment herrscht Stille. Kai gehörte lange zur Kochgruppe. Im Sommer starb er mit nur 51 Jahren. Markus hebt sein Glas. „Auf Kai!“ „Auf Kai!“, schallt es durch den Garten.

Der Kellner serviert ihnen ihr selbst zubereitetes Festmahl: Brat- und Salzkartoffeln, Salat, Schollen und für die, die keinen Fisch essen, Schnitzel.

Jens ist vor allem vom Gurkensalat begeistert. „Den muss ich unbedingt mal für meine WG machen“, sagt er. Seit einigen Monaten wohnt der ehemals Obdachlose in einer Wohngemeinschaft im Hinz&Kunzt-Haus. „Den könnten wir auch mal für alle Verkäufer machen“, schlägt Gabor vor. Dann ist unter den Kirschbäumen erst mal nur noch das Klappern der Bestecke und zufriedenes Kauen zu hören.

Autor:in
Luca Wiggers
Luca Wiggers
Seit 2025 Redakteurin. Hat vorher Deutsch und Englisch studiert und ihr Volontariat bei Hinz&Kunzt gemacht.

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