Hilfsprojekt für Obdachlose : Happy Birthday, Gabenzaun!

Jede Menge Spenden für Obdachlose am Hauptbahnhof. Foto: Hamburger Gabenzaun

Vor einem Jahr verteilten Ehrenamtliche das erste Mal Spenden am „Gabenzaun“: Was als spontanes Hilfsprojekt für Obdachlose begann, ist inzwischen zu einem festen Anlaufpunkt am Hauptbahnhof geworden. 

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Die Erfolgsgeschichte des Hamburger Gabenzauns begann mit einer schlechten Nachricht. Die Bahn hatte im im Dezember 2016 auf einer Mauer am Hauptbahnhof Metallzacken angebracht, um Trinker zu vertreiben. Darüber regten sich Verena Möckel und ihre Freunde so auf, dass sie zur Tat schritten.

„Wir wollten dann was für Obdachlose an einem Zaun machen, nicht gegen sie“, sagt Möckel. Die Freunde begannen, Spenden für Obdachlose in Tüten an einen Zaun am Bahnhof zu hängen und über Zettel Passanten dazu aufzufordern, es ihnen gleich zu tun. „Ganz klammheimlich“, sagt Möckel.

Die Zacken musste die Bahn nach einem Hinz&Kunzt-Bericht wieder abbauen, aber der Gabenzaun blieb. Und er wurde zu einer kleinen Attraktion: Tausende Menschen bekundeten ihren Zuspruch bei Facebook, viele Medien berichteten. „Das war uns fast einen Tick zu viel“, sagt Möckel. „Eigentlich wollten wir das anonym machen, aber irgendwann ging das nicht mehr.“

Spenden aus dem In- und Ausland

Die Initiatoren wurden mit Spenden für die Obdachlosen überhäuft. Sogar mit der Post kommen zum Beispiel Kleidungsstücke, Hygieneartikel oder Hundefutter: „Aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland“, berichtet Möckel, die zusammen mit Mitgründerin Sarah Lena Goos den Gabenzaun verwaltet. Und viele Obdachlose, die Möckel „Zaungäste“ nennt, nehmen die Gaben dankend an: „Wir haben es geschafft, dass sie Vertrauen zu uns haben.“

Welche Dinge man an den Zaun hängen kann und wie sie verpackt sein sollten, schildern die Initiatorinnen auf ihrer Facebook-Seite. Bei den inzwischen fast 11.000 Fans auf der Plattform versuchen sie, Vorurteile über Obdachlose abzubauen. „Das klappt auch ganz gut“, sagt Möckel.

Umzugshilfe vom Bezirksamtsleiter

Ursprünglich war der Gabenzaun nur für den vergangenen Winter gedacht, doch nach einem Jahr gibt es ihn immer noch. Ein paar Meter musste er wegen Umbaumaßnahmen umziehen, der neue Standort bei den Taxen am Heidi-Kabel-Platz hat dafür sogar den Segen von Bezirksamtsleiter Falko Droßmann. Inzwischen ist an jedem Wochentag nachmittags jemand aus dem inzwischen zwölfköpfigen Team mit heißen Getränken vor Ort und hat ein offenes Ohr für die zahlreichen „Zaungäste“. „Uns ist es wichtig, dass wir immer da sind“, sagt Möckel.

Am Montagnachmittag feiert der Gabenzaun einjährigen Geburtstag – mit Snacks und Getränken. Eingeladen sind alle Interessierten. „Uns ist aber vor allem wichtig, dass die Zaungäste kommen“, sagt Verena Möckel. Denn ihretwegen machen die Ehrenamtlichen das alles schließlich. Hinz&Kunzt wünscht Happy Birthday!

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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