Auch in einer Großstadt wie Hamburg leben Wildtiere. Der Stadtjäger ist zur Stelle, wenn Mensch und Tier aufeinandertreffen.
Er atmet tief durch die Nase ein und sucht in der Luft nach ihrem Geruch. Er riecht feuchtes Laub, Regen, Tannennadeln, doch der würzige Geruch nach Maggi bleibt aus. „Gerade sind sie nicht hier“, sagt Sven Walther, 58. Mit „sie“ meint er die Rotte Wildschweine, die im Wald rund um das verlassene Haus lebt. Mal sind sie in Fünfer-, mal in Zehnergruppen unterwegs, doch ihre Zahl kann sich innerhalb eines Jahres verdreifachen und damit auch die Schäden, die sie anrichten. Vor der Terrasse haben sie tiefe Kuhlen gegraben, die sich mit Regenwasser füllen. An den Glasscheiben kleben Abdrücke ihrer Nasen.
Wenn Sven Walther hierherkommt, dann oft mit Gewehr über der Schulter. Er blickt sich um, horcht. Seine Hunde schnüffeln in Gebüschen und am Boden, aber keiner schlägt an. Ob die Wildschweine das Haus gerade meiden? Das letzte Mal, als er hier war, hatte er sie aufgeschreckt. Die ganze Rotte war den Hang runtergestürmt und weg. Wildschweine sind sehr schlau. Verlieren sie das Vertrauen in einen Ort, lassen sie sich wochenlang nicht blicken. Nur allmählich kehren sie zurück. Halten ihre Nasen in den Wind und schnuppern, ob es nach Mensch riecht. Wenn sie Walther begegnen, bleibt in der Regel eines von ihnen auf der Strecke. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie gerade nicht hier sind.
Seit fünf Jahren ist Sven Walther ehrenamtlicher Stadtjäger. Der Begriff...
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