Zum 25. Todestag des NSU-Opfers Süleyman Taşköprü wollte die Hamburgische Bürgerschaft ein zentrales Gedenken ausrichten lassen – doch das fällt aus. Was die Familie sich stattdessen wünscht.
Eigentlich wollten die demokratischen Fraktionen in der Hamburgischen Bürgerschaft eine Trauerfeier anlässlich des 25. Todestags des Kaufmanns Süleyman Taşköprü ermöglichen, der am 27. Juni 2001 vom rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) erschossen wurde. Im März hatten sie einem Verein per Beschluss „für die Planung und anteilige Durchführung einer zentralen Gedenkveranstaltung“ 15.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Nach Informationen von Hinz&Kunzt findet diese Veranstaltung aber nicht statt: „Es war eine nett gemeinte Geste, aber als die Politik es ohne Rücksprache an die Presse gegeben hat, haben wir uns als Familie instrumentalisiert gefühlt“, sagt der Neffe des Mordopfers, Okan Taşköprü, im Interview in der Juni-Ausgabe von Hinz&Kunzt zu den Hintergründen. Pikant: Die Veranstaltung hätte laut Beschluss „unter Berücksichtigung der Wünsche der Familie Taşköprü durchgeführt werden“ sollen.

Die Bürgerschaftskanzlei bestätigt auf Nachfrage, dass es keine solche Veranstaltung geben wird. Eine zentrale Gedenkfeier sei mit dem Antrag aber auch „nicht zwingend intendiert“ gewesen, heißt es gegenüber Hinz&Kunzt. Der mit der Durchführung beauftragte Verein würde stattdessen „Workshops und Austausche mit dem Ziel des gegenseitigen Lernens und Verstehens zwischen Betroffenen und Institutionen“ ausrichten.
Okan Taşköprü will stattdessen in Gedenken an seinen Onkel Essen an obdachlose Menschen ausgeben. „Es gibt in der Türkei den Brauch, dass man im Namen des Verstorbenen Essen verteilt“, sagt er im Hinz&Kunzt-Interview „Für mich ist das unabhängig vom Brauch eine schöne Geste: Das Gefühl von Geben gibt mir mehr als eine Trauerfeier.“
Die Essensausgaben finden am 27. Juni bei der „Bully Suppenküche“ auf St. Pauli und am 28. Juni im „Sonnenschein Café“ in Altona statt. Alle seien eingeladen, die Familie dabei zu unterstützen, sagt Taşköprü. Die Familie wünsche sich zudem, dass am Todestag auch Menschen anderswo in Erinnerung an Süleyman Taşköprü Essen verteilen würden: „Es spielt keine Rolle, ob es viel oder wenig ist, es ist die Geste, die für uns zählt.“
