BAG W : „Der Kältetod von Wohnungslosen muss verhindert werden!“

In diesem Winter sind bereits zwei Obdachlose durch Kälte gestorben, bei zwei weiteren ist ein Kältetod nicht ausgeschlossen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) fordert Unterkünfte für alle Obdachlosen.

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Den ersten Kältetoten des Winters registrierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) bereits am 6. November in Hannover. Eine Passantin fand beim Spazierengehen in einem Waldstück die Leiche eines 60-jährigen Obdachlosen aus Polen. Bei einer anschließenden Obduktion fanden die Ermittler „diverse Hinweise auf Erfrieren“.

Am 13. Dezember fand in Schwerin ein Passant einen 52-jährigen Obdachlosen, der tot in einer Kleingartenanlage lag. Er hatte sich seine Kleidung ausgezogen – ein typisches Symptom einer Erfrierung, das als „Kälteidiotie“ bekannt ist. Laut Staatsanwaltschaft spricht „einiges“ für die Vermutung, dass der Deutsche erfroren ist. Eine Obduktion sei allerdings nicht erfolgt.

In einem weiteren Todesfall war zunächst davon ausgegangen worden, die Ursache könne Erfrieren sein. In Freiburg fanden Passanten am 20. November einen leblosen Obdachlosen unter einer Brücke, der noch am selben Nachmittag im Krankenhaus verstarb. Lokalmedien hatten zunächst berichtet, der 51-Jährige Slowake sei „stark unterkühlt“. Laut Staatsanwaltschaft Freiburg ergab die Obduktion allerdings „keine Hinweise auf Unterkühlung“. Offiziell starb der Mann an einem Herzinfarkt.

Wieso starb Olaf S. auf der Parkbank?
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In zwei weiteren Fällen ist nach Angaben der BAG W Kälte als Todesursache möglich. Der Verband fordert, den Kältetod von Wohnungslosen zu verhindern. „Niemand soll unfreiwillig auf der Straße leben müssen“, sagt Werena Rosenke, Sprecherin der BAG W. „Aufgrund der steigenden Zahl wohnungsloser Menschen auf der Straße befürchten wir, dass die Unterbringungskapazitäten in vielen Kommunen nicht ausreichend sind. Wir befürchten auch, dass ausländische Hilfesuchende von den Kommunen zurückgewiesen werden. Dies wäre allerdings rechtswidrig“, sagt Rosenke. Sie fordert: „Der Kältetod von wohnungslosen Menschen muss verhindert werden!“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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