Armut :
Dating auf der Straße

Ein Smartphone würde Achim zum Daten nie benutzen. Foto: Mauricio Bustamante.
Hinz&Kunzt Randnotizen

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Wie lernt man Menschen kennen und lieben, wenn man auf der Straße oder in Armut lebt? Hinz&Kunzt-Verkäufer:innen berichten von ihren Erfahrungen.

Kim ist arm und verkauft Hinz&Kunzt – und macht da­raus beim Dating keinen Hehl: „Das ist ein Teil von mir“, sagt Kim, der*die sich als nicht-binär identifiziert und mit dem männlichen und weiblichen Pronomen angesprochen werden möchte. „Wenn die Leute oberflächlich reagieren, weiß ich: Alles klar, dann kann ich auch in Zukunft nicht mit denen zusammenkommen.“ Hinge, Tinder, Bumble, Lavoo – Kim hat schon eine ganze Reihe Dating-Apps durchprobiert. „Aber es ist jedes Mal ein Graus. Ich brauche tiefer­gehende Gespräche. Aber dann kommt da teilweise einfach eine Antwort mit ein oder zwei Sätzen und kein Input.“

Und gibt es auch ablehnende Reaktionen darauf, dass Kim das Straßenmagazin verkauft? Die meisten würden mit ihrer Haltung erst mal hinter dem Berg halten. Doch wenn Kim das Gefühl hat, dass Chatpartner:innen oberflächlich reagieren, ist klar: „Wenn du meine derzeitige Lebenssituation nicht akzeptierst, brauche ich meine Zeit nicht investieren. Da bin ich knallhart.“ Auch wegen solcher Oberflächlichkeiten zieht Kim das Kennenlernen im echten Leben vor. „Ich flirte auch mal während des Magazinverkaufs, und auch da sind schon Dates zustande gekommen. Der Vorteil, wenn ich ­Menschen direkt am Verkaufsplatz anspreche: Da wissen alle von vornhinein Bescheid.“


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Artikel aus der Ausgabe:

Dating für Arme

Alle daten heutzutage mit Apps – was bedeutet das für Menschen mit wenig Geld? Dating-Apps sind „ein fucking Business-Case“, warnt die Sozialpsychologin Johanna Degen im Interview. Außerdem: ein Treffen mit Schlagerstar Kerstin Ott und die spannende Suche nach den Autor:innen eines gefälschten Umberto-Eco-Buchs.

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Autor:in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.
Annette Woywode
Chefin vom Dienst und stellvertretende Chefredakteurin
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit 2019 bei Hinz&Kunzt. Zunächst als Volontär, seit September 2021 als Redakteur.

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