Fleißig zum Erfolg

Ein Unternehmensberater gibt dem Müßiggang keine Zukunft

(aus Hinz&Kunzt 140/Oktober 2004)

Es ist Sonntag, ich stehe unter unserem Apfelbaum, als Rainer Willmanns (45) aus Leverkusen anruft. Er ist aus dem Urlaub zurück, und während seine 1400 E-Mails durchlaufen, hört er seinen Anrufbeantworter ab. Ich will ihn als Vorsitzenden des Deutschen Managerverbandes und selbstständigen Unternehmensberater zum Thema Zeit und Muße interviewen. Wir wollen wegen eines Termins im Lauf der Woche telefonieren. Aber es dauert, bis wir uns wieder erreichen. Wir mailen und sprechen uns die Anrufbeantworter voll. Mal erwische ich ihn mitten im Training von Führungskräften, mal auf der Autobahn. Einmal bereite ich selbst gerade hektisch das Abendessen zu. „Ich weiß, es geht um das Thema Müßiggang“, sagt er, wir lachen beide. Am Ende klappt es doch: am Freitagabend, während andere im Kino sitzen oder daheim auf dem Sofa.

Müßiggänger leben länger

Ob Faultier, Biene oder Schwein: Tiere lassen es geruhsam angehen

(aus Hinz&Kunzt 140/Oktober 2004)

Zuerst lugt ein behaarter Arm aus dem Kasten, der dicht unter der Decke des Geheges hängt. Ein zweiter Arm folgt, dann der Kopf. Bedächtig schält sich das Faultier aus seiner engen Schlafstatt.

Tun Sie etwa nichts?

Auf der Suche nach dem Müßiggang

(aus Hinz&Kunzt 140/Oktober 2004)

Wer ist ein Müßiggänger, und woran erkennt man ihn? Ist Müßiggang einfach nur Nichtstun? Was machen Menschen, die offensichtlich nichts machen? Wir haben uns auf die Suche gemacht: im türkischen Bad, auf der Straße, im Park.

Zu fünft im Zimmer

Ortstermin: eine Obdachlosen-Unterkunft in Glinde

(aus Hinz&Kunzt 140/Oktober 2004)

„Die junge Stadt im Grünen“, so wirbt Glinde für sich. Ein Städtchen im Osten Hamburgs, 16.000 Einwohner – und ein paar Menschen, die keine Wohnung haben. 13 von ihnen hat die Stadt in einer Villa einquartiert. Bis zu fünf Bewohner sind in einem Zimmer zusammengewürfelt – obwohl andere Räume leer stehen. Hinz & Kunzt war vor Ort.

„Ich verzeihe dem Bankräuber“

Der ungewöhnliche Schritt einer Hinz&Kunzt-Leserin

(aus Hinz&Kunzt 140/Oktober 2004)

Vier Banken überfiel Kevin Anthony M. – niemand kam ihm auf die Schliche. Zwei Jahre später stellte er sich freiwillig der Polizei. Das Landgericht verurteilt ihn zu dreieinhalb Jahren Haft. Die Geschichte des Bankräubers, der seine Tatenbereut, druckten wir in unserer Juli-Ausgabe. Daraufhin meldete sich Juliane K. in der Redaktion. Sie war eine der Kassiererinnen, die M. überfiel.

Kein Pardon

Hamburgs Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge muss zum Jahresende schließen

(aus Hinz&Kunzt 139/September 2004)

Dr. Sabine von der Lühr schießen Tränen in die Augen. „Ich bin 60. Ich kann den Job eh nicht mehr lange machen“, sagt die Psychologin von accept, der einzigen mit öffentlichen Mitteln geförderten Einrichtung in Hamburg, die traumatisierten Flüchtlingen, Kriegs- und Folteropfern sozial- und psychotherapeutische Hilfe bietet. Aber natürlich habe sie auf eine Nachfolgerin gehofft, sagt sie nach einer kurzen Pause. „Stattdessen muss ich den Klienten jetzt eiskalt mitteilen: Ab Dezember ist niemand mehr hier.“

Manya! – Musik und Männer

Ein Hamburger Dokumentarfilm über eine leidenschaftliche Frau feiert Premiere auf dem Filmfest

(aus Hinz&Kunzt 139/September 2004)

Das Filmfest Hamburg zeigt das unterhaltsame Porträt der über 90-jährigen Hamburgerin Manya Nolepa. Die ehemalige Revue-Akkordeonistin, Truppenbetreuerin und lebenslustige Dreifach-Witwe berichtet aus ihrem Leben – eine muntere und melancholische Rückschau auf das vergangene Jahrhundert. Silke Schütze und Armin Plöger haben Manya drei Jahre mit der Kamera begleitet.

Elektroschrott und Knackwurst

Industrie, ein paar Wohnungen und ein Imbiss – Beobachtungen auf der Peute

(aus Hinz&Kunzt 139/September 2004)

Sie winkt mit einem Geschirrhandtuch. Durch die offene Hintertür des kleinen Imbisscontainers grüßt Renate die Lastwagenfahrer, die auf der Peute vorbeifahren. „Das macht man hier so, ich wink’ hier keinen ran, das hab’ ich nicht nötig“, erklärt die 54-Jährige, die ihren Nachnamen nicht verraten will.

Saubere Sache

Wie ein Obdachloser Alkohol und Schulden in den Griff bekam – und jetzt ein Reinigungsunternehmen führt

(aus Hinz&Kunzt 139/September 2004)

Dienstag, 6.30 Uhr am Rathausmarkt. Hannes Hemmers (48) klappt die Leiter aus, greift zu Eimer und Leder. Heute sind wieder die Glasscheiben des Imbiss-Pavillons dran. Neben Hemmers putzt sein Sohn Michael (26). Auch er in Firmen-Montur: rote Hose und gelbes T-Shirt. Ein Familienunternehmen bei der Arbeit.

„Das P in den Augen“

Hartz IV: Abendblatt-Redakteurin Barbara Hardinghaus lebte einen Monat lang vom Arbeitslosengeld II

(aus Hinz&Kunzt 139/September 2004)

Hinz&Kunzt: Wie viel Geld stand Ihnen am Tag zur Verfügung?

Hardinghaus: Ich dachte anfangs, ich hätte zehn Euro. Aber beim zweiten Durchrechnen habe ich gemerkt, dass das gar nicht stimmt: Ich habe noch ein Auto und Telefon, danach hatte ich einen Tagessatz von etwas über sechs Euro, für Essen waren das noch 4,34 Euro. Mein Auto würde ich abschaffen, weil es mich 70 Euro im Monat kostet.