Olegs letzte Chance

Grimme-Preisträger Michael Richter drehte einen Film über Jungs in einem geschlossenen Heim. In Hinz&Kunzt berichtet er von seinen Erfahrungen vor Ort

(aus Hinz&Kunzt 175/September 2007)

Oleg daddelt am Tischkicker. Es ist Sonntagnachmittag und die Langeweile ist mit Händen zu greifen. Seine Pupillen verraten mir, dass er irgendwie wieder an Drogen gekommen sein muss. Gras oder Pillen, wahrscheinlich. Dabei herrscht im Martinistift strenges Drogenverbot. Oleg ist erst 13, aber er hat schon viele Jahre in Heimen verbracht. Erst in Sibirien, der Heimat seiner Eltern, später in Deutschland. Seine Großmutter hat ihn mit sechs Jahren nach Deutschland geholt, zusammen mit seiner Schwester. In die Schule ist er kaum gegangen, mit neun hat er angefangen, Drogen zu nehmen. Er war immer mit Älteren zusammen, da war das normal.

Prinzip Hoffnung

Neu-Steilshoop braucht mehr als ein bisschen Grünpflege – Begegnung mit engagierten Bürgern, großen Vermietern und dem „Schloss der Mysterien“

(aus Hinz&Kunzt 175/September 2007)

Die Gesandten des Senats kommen mit Tapeziertischen, Häusern aus Papier und bunten Notizkärtchen. Auf den Tischen befestigen sie eine Karte, sie zeigt den Anwohnern ihr Quartier. Wer mag, kann eines der vorgefalteten Papierhäuschen nehmen und es auf den Stadtteilplan kleben. So sollen die Menschen ein Gefühl bekommen dafür, wo und wie sie leben und was sie sich wünschen für ihre Umgebung. „Planning for real“ nennt sich das Verfahren, und glaubt man seinen Verfechtern, bringt es mancherorts sogar Bürgermeister mit Straßenkids ins Gespräch.

Zuckerbrot und Peitsche

Housing Improvement District: Wie die Stadt Immobilienbesitzer dazu bringen will, mehr fürs Quartier zu tun

(aus Hinz&Kunzt 175/September 2007)

Ungezügelt sprießende Büsche, herumfliegende Plastiktüten: So etwas soll es nach dem Willen von Stadt und Wohnungsgesellschaften in Neu-Steilshoop bald nicht mehr geben. Das Zauberwort heißt „Housing Improvement District“. Dahinter verbirgt sich die Idee, mit Hilfe eines Gesetzes Grundeigentümer zu bewegen, etwas fürs Quartier zu tun

Beim Filmen der Zwiebel

Die Journalistin Sigrun Matthiesen über ihre Dreharbeiten mit Günter Grass und die Aufregung über die SS-Mitgliedschaft des Schriftstellers

(aus Hinz&Kunzt 176/Oktober 2007)

Knapp zwei Jahre begleiteten die Journalistinnen Sigrun Matthiesen und Nadja Frenz den Schriftsteller Günter Grass mit der Kamera. In dieser Zeit erschien seine Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ – mit dem anfangs übersehenen Hinweis, dass Grass in der Waffen-SS war. Für Hinz&Kunzt beschreibt Sigrun Matthiesen ihre Begegnung mit dem Literatur-Nobelpreisträger.

Bett unter der Brücke

Gemeinsam sind wir stärker: Nach diesem Motto haben sich zwölf Obdachlose auf Platte zusammengetan. Einige gehen sogar arbeiten.

(aus Hinz&Kunzt 176/Oktober 2007)

Eine Brücke irgendwo in Hamburg: Nacht für Nacht schlafen hier zwölf Menschen im Freien. Gegen die Probleme auf der Straße halten sie als Gruppe zusammen. Manche haben sogar einen festen Job, doch eine Wohnung finden sie nicht. Hinz&Kunzt hat die Gruppe auf ihrer Platte besucht, deren Ort geheim bleiben muss, um die Obdachlosen zu schützen.

„Wir haben die Welt bewegt“

Der Initiator der Zeltstadt von Paris, Augustin Legrand, über seinen politischen Erfolg, das Leben auf der Straße und das einklagbare Recht auf eine Wohnung

(aus Hinz&Kunzt 170/April 2007)

Kurz vor Weihnachten 2006 bauten der Schauspieler Augustin Legrand (31) und seine Brüder Jean-Baptiste (30) und Joseph (21) mitten in Paris 200 rote Iglu-Zelte auf – als Notunterkunft für Obdachlose. So machten sie das Leid der französischen Wohnungslosen sichtbar. Die Kampagne wurde zum Medienereignis. Inzwischen beschloss die Nationalversammlung, ein einklagbares Recht auf Wohnraum einzuführen. Damit haben die „Kinder von Don Quijote“ erreicht, was allen sozialen Initiativen Frankreichs seit Jahrzehnten unmöglich schien. Hinz&Kunzt hat Legrand nach den Gründen des Erfolgs gefragt.

Der Vietnamkrieg, Thu und ich

40 Jahre Hilfswerk terre des hommes: Ursula Never hat die Anfänge erlebt – als „kleine deutsche Mama“ eines vietnamesischen Jungen in Hamburg

(aus Hinz&Kunzt 177/November 2007)

Ursula Never war damals Studentin. Es reichte ihr nicht, nur auf die Straße zu gehen. Sie wollte helfen. Wo doch allabendlich die Bilder aus dem Krieg in Vietnam über den Fernsehschirm flimmerten und der Schrecken und das Elend dort vorstellbar wurden.

Badetag im Pik As

Wellness statt Entlausung: In Hamburgs größter Notunterkunft für Obdachlose weht ein neuer Wind

(aus Hinz&Kunzt 178/Dezember 2007)

Blütenweiß wölbt sich der Schaum. Seifenbläschen zerplatzen auf nackter Haut. Es duftet nach Lavendel. So viel Schaum ist sonst nicht. Den gibt’s extra fürs Foto, wegen der Scham. Wenn Hollywood seine Badenden unter Schaumbergen verbirgt, höchstens mal ein bisschen nassglänzende Haut im Gegenlicht filmt, dann soll auch Torsten Pingel etwas Sichtschutz genießen.

Der 30-Tonner-Diesel

Hoch gestiegen, tief gefallen: Wie Sänger Gunter Gabriel mit einer „Wohnzimmer“-Tour seine Schulden abarbeitet

(aus Hinz&Kunzt 178/Dezember 2007)

Eine Stimme wie die Landstraße. Keine deutsche B-Irgendwas, sondern eine Landstraße, auf der sich Staub in Schlaglöchern sammelt. Und auf heißem Teer kleben bleibt. Tiefer Zug aus der Malboro, dann schaufelt Gunter Gabriel Kaffeepulver mit einem Esslöffel in eine Kanne.

„Einsamkeit macht krank“

Wie der Fotograf G.M.B. Akash aus Bangladesh Armut in Deutschland erlebt

(aus Hinz&Kunzt 176/Oktober 2007)

Der Fotograf G.M.B. Akash macht mit seinen Bildern auf Missstände aufmerksam. Weil er des­wegen in seiner Heimat Bangladesch Probleme bekam, lebt er derzeit auf Einladung der Stiftung für politisch Verfolgte in Hamburg. Auch hier fotografiert er Menschen in Situationen, die er für unzumut­bar hält. Zum internationalen Weltarmutstag am 17. Oktober zeigt Hinz&Kunzt Arbeiten des 30-Jährigen zum Thema Armut in Deutschland.