Mücke mit Gefühl

Als Veronika Rotfuß beim Hinz&Kunzt-Schreibwettbewerb den 2. Platz erreichte, erkannte der Carlsen Verlag ihr Talent. Jetzt erscheint ihr erster Roman

(aus Hinz&Kunzt 186/August 2008)

Hinz&Kunzt hat Veronika Rotfuß Glück gebracht: Die junge Autorin gewann den zweiten Platz in unserem Schreibwettbewerb 2006. Dadurch wurde auch der Carlsen Verlag auf die 28-Jährige und ihre Protagonistin Mücke aufmerksam.

Trostpflaster für den Flaschensortierer

650 Euro Abfindung bekommt Recep Günaydin nach einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht. Dumpinglöhne sind aber weiter möglich

(aus Hinz&Kunzt 186/August 2008)

298,41 Euro Brutto-Monatslohn: So wenig bekam der Flaschensortierer Recep Günaydin im April für seinen Vollzeitjob (siehe H&K 185). Vor dem Hamburger Arbeitsgericht gab es nun einen Vergleich: 650 Euro werden dem Familienvater als Abfindung nachgezahlt. Erschreckend: Nach diesem Urteil kann man in Hamburg weiterhin Dumpinglöhne zahlen.

„Der Bunker hat mir das Leben gerettet“

Viele würden das Ungetüm von Wilhelmsburg lieber heute als morgen dem Erdboden gleichmachen. Eine nicht: Rose Radtke

(aus Hinz&Kunzt 186/August 2008)

Zum Ende hin darf sie mit Schuhen ins Bett. Deckt sich zu, versucht ein wenig Schlaf zu finden, bis zum nächsten Voralarm. Ertönt der, springt sie auf, ist schneller drüben beim Hochbunker als ihre Mutter mit den zwei Geschwistern. Immer mit dabei ist der kleine Rucksack mit den wichtigsten Papieren, mit ein wenig Wäsche. Auch im Bunker weiß sie genau, wo sie hin muss: Jede Familie hat ihren festen Platz auf einer der langen Holzbänke in einem der großen, selbstverständlich fensterlosen Säle. Als der Krieg endlich aus ist, ist Rose Radtke gerade mal fünf Jahre alt.

„Der hungernde Laie spielt einfach besser“

Geld hatte er keins. Dafür aber jede Menge Elan. Henna Peschels Film „Madboy“ ist einer von 140 Beiträgen, die beim diesjährigen Hamburger Filmfest zu sehen sind – wie auch „Versailles“ aus Frankreich

(aus Hinz&Kunzt 187/September 2008)

Die telefonische Verabredung mit „Madboy“-Regisseur Henna Peschel verläuft ein wenig seltsam: Er wolle sich nur mit einer Maske fotografieren lassen, sagt der 41-Jährige, seine unbekannten Schauspieler und die Geschichte sollten im Mittelpunkt stehen. Geschehen ist das Gegenteil: Der unbekannte Regisseur steht nun im Mittelpunkt. Aber die Idee mit der Maske ist nicht schlecht, damit sorgt er für Gesprächsstoff und sieht aus wie George Clooney. Seltsam ist er beim Treffen nicht: ein munterer Gesprächspartner voller Elan und Anekdoten.

„Es hat mich gepackt, herzblutmäßig“

Extra-3-Moderator und Autor Tobias Schlegl im Interview

(aus Hinz&Kunzt 187/September 2008)

Mit 17 war Tobias Schlegl der jüngste Moderator beim Musiksender Viva, dann wurde der Punk-Fan Moderator beim Satiremagazin Extra 3 und Mitglied im Rat für Nachhaltigkeit, der die Bundesregierung berät. Jetzt will der 30-Jährige seine Generation dafür begeistern, kritisch zu konsumieren oder wenigstens ein schlechtes Gewissen zu haben. Birgit Müller (Text) hat ihn getroffen und festgestellt: Siezen geht gar nicht.

Brandneue Musik im Doppelpack

Die Vorfreude auf den 15. Geburtstag von Hinz&Kunzt wächst. Schon wegen der vielen tollen Geschenke wie eine CD mit Duetten von Hamburger Künstlern

(aus Hinz&Kunzt 187/September 2008)

Über eine CD zum Geburtstag freut sich jeder. Aber wer bekommt eine, auf der Musiker sich extra zu Duetten zusammentun? Groß war die Freude, als die Musikfirma edelkultur ihr Geschenk zu unserem 15. Geburtstag ankündigte. Damit die Duette besonders toll werden, lautete die Auflage: nur unveröffentlichte Songs. 20 Hamburger Künstlerinnen und Künstler waren bereit, gemeinsam einen Song einzuspielen. Zum Auftakt stellen wir ihnen Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen vor.

Voll mein Stil!

Von wegen grüne Mode ist nur was für Alternative und Modemuffel. In Bio-Baumwolle und Öko-Mode machten sich unsere fünf Laien-Models richtig gut

(aus Hinz&Kunzt 188/Oktober 2008, Das Modeheft)

Soll noch einer sagen, Männer seien Modemuffel. Unsere vier männlichen Models haben stundenlang Hosen, T-Shirts und Pullover ausgesucht, anprobiert und sich dann auch noch fotografieren lassen. Schade ist nur, dass den meisten herzlich egal ist, ob die Mode grün oder fair ist.

Die Experten-Kommission

Fachleute erklären, was sich seit der Gründung von Hinz&Kunzt beim Thema Obdachlosigkeit getan hat und noch tun muss

(aus Hinz&Kunzt 189/November2008)

Die Marathon-Spender

30 Spender unterstützen Hinz&Kunzt seit dem Start. Drei von ihnen erzählen, was sie mit dem Projekt verbindet

(aus Hinz&Kunzt 189/November2008)

„Auch mein Hund war einmal obdachlos“, sagt Heike Uster, als sie zu Hinz&Kunzt in die Altstädter Twiete kommt. Nelly, eine kleine Promenadenmischung, wackelt munter hinterher. Früher lebte sie herrenlos im Mittelmeerraum. Jetzt kommt Nelly immer mit, wenn Heike Uster unterwegs ist.

Die Schläge, die Angst, die Drogen

Claudia ist 41 Jahre alt und hat seit 14 Jahren keine eigene Wohnung.

(aus Hinz&Kunzt 189/November2008)

Die drei Geschwister stehen dicht gedrängt. Claudia ist die Älteste von ihnen, sie muss ihre Brüder beschützen. Dabei ist sie selbst noch nicht einmal sechs Jahre alt. Der kleine Carlos kann noch nicht laufen, Claudia hält seine kleinen Hände in ihren. Das Geschrei und das Gepolter versuchen die drei zu ignorieren. Es ist immer laut, wenn die Eltern streiten. Aber heute ist irgendetwas anders. Die Mutter schreit jetzt gar nicht mehr. Sie liegt am Boden, der Vater rittlings auf ihr, und er drückt auf ihren Hals. Dass die Mutter da so liegt, macht den Geschwistern Angst. Sie fangen an zu weinen. Als ihr Vater das Zimmer verlässt, laufen sie zu ihrer regungslosen Mutter, stoßen sie an und rufen sie.