Bundestagswahl : Nur Linke und Grüne bekennen Farbe

Spitzendkandidaten Dietmar Bartsch (Linke) und Cem Özdemir (Grüne) antworteten Hinz&Kunzt - die anderen Parteien hatten „keine Zeit“. Fotos: DBT/Anke Haar, Harry Weber.

Was sagen Angela Merkel, Martin Schulz und Co. über Bettler, Flüchtlinge und Wutbürger? Wir haben die Spitzenkandidaten gebeten, acht Satzanfänge zu beenden. Enttäuschend: Nur Linke und Grüne antworteten uns.

Anzeige

Obwohl die Hinz&Kunzt-Anfrage bereits im Juni rausging und wir mehrmals nachfragten, haben am Ende nur Grüne und Linke Farbe bekannt. CDU, SPD und AfD teilten mit, ihre Spitzenkandidaten könnten „aus Zeitgründen“ nicht antworten, die FDP reagierte nicht einmal auf wiederholte Anfragen – auch ein Statement.

Cem Özdemir (Grüne) und Dietmar Bartsch (Linke) haben die Sätze von Hinz&Kunzt so beendet:

Wenn ich einem Bettler auf der Straße begegne, …

Özdemir: … denke ich an die großen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Verkäufern eines Straßenmagazins kaufe ich meist eine Zeitung ab, aber nur, wenn sie offizielle Verkäufer sind.

Bartsch: … schäme ich mich für die Politiker, die das in einem solch reichen Land zulassen.

Menschen, die in einem Bahnhof Pfandflaschen sammeln, sollten …

Özdemir: … darauf nicht angewiesen sein. Da läuft was falsch in unserer Gesellschaft.

Bartsch: … das nicht nötig haben.

Wer Lebensmittel aus Müllcontainern fischt, …

Özdemir: … kann das machen, wenn er Lebensmittel retten will. Aus Not sollte das niemand machen müssen.

Bartsch: … darf dafür nicht noch bestraft werden.

Beim Anblick eines leerstehenden Wohnhauses denke ich, …

Özdemir: … Eigentum verpflichtet.

Bartsch: … dass Spekulation mit Wohnraum verboten werden muss.

Flüchtlinge verändern unser Land, weil …

Özdemir: … Integrationsbemühungen für alle Seiten anstrengend sind – aber äußerst lohnend.

Bartsch: … es damit bunter, spannender und internationaler wird.

Muslime in Deutschland sollten …

Özdemir: … nicht in einen Topf geworfen werden und gerade deshalb die Extremisten offensiv bekämpfen, die sich auf die Religion berufen.

Bartsch: … ihre Religion friedlich und ohne Vorurteile ausüben können.

Wutbürger haben guten Grund, …

Özdemir: …alles kritisch zu hinterfragen. Solange man vernünftig darüber diskutieren kann und bereit ist, auch die Argumente des Anderen ehrlich zu überdenken, ist dagegen überhaupt nichts zu sagen.

Bartsch: … auf sich selbst und ihren egoistischen Hass wütend zu sein.

Für mich ist die Hamburger Elbphilharmonie…

Özdemir: … interessant und in der Entstehungsgeschichte bedenklich zugleich.

Bartsch: … ein Beleg für die Überheblichkeit und Abgehobenheit einiger Politiker.

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

2 Kommentare zu “Nur Linke und Grüne bekennen Farbe

  1. Erst ein mal muß man hier H&K loben, das sie diese Fragen gestellt haben. Weiter hin sind die Antworten sehr intressant, weil gut gewählt. Da aber diese zwei Parteivertreter nicht repräsentativ sind, werden diese Antworten genau so verpuffen, wie all die anderen nicht geantwortet haben. Wie soll man da zu einem Demokratieverständnis kommen, wenn sich 3 Parteien vor Fragen drücken.

    Aber ich kenn das ja auch schon seit 24 Jahre, denn ich habe zu vielen in der Bürgerschaft oder aus der Bundespolitik guten Kontakt. Aber leider bringt er uns alle nicht weiter. Denn eine Rückmeldung, egal von wem, ist eben nur eine Rückmeldung ohne Wirkung !! Denn alle Politiker-innen wollen sichn selbst etwas beweißen, weil jeder seine eigene Meinung hat, aber wo kommt da der Bürger oder die Bürgerin drin vor ??

    Erst ein mal käpfen sie für sich selbst, da mit sie da hin kommen, wo sie gerne hin wollen, nämlich in den Bundestag. Klar ist aber auch, das die jenigen vor Ort bleiben, weil es vor Ort genung zu tun gibt. All die Jenigen, die in der politisch Minderheit sind, können nicht das bewirken, was die regierende Partei oder ihr Bündnispartner erreichen können. Klar ist das es Parteien gibt, die gute politische Konzepte vorstellen können, aber an der politischen Mehrheit scheitern. Ob man da mit einem Volk helfen kann, möchte ich doch bezweifel, denn dies bringt uns gesellschaftlich nicht weiter.

    In diesem Sinn,
    Erich Heeder – Stadtteilkünstler – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

  2. Zum größten Teil „Wischiwaschi“. Politiker einer Partei, die schon länger unter der Käseglocke mitregieren, hätten längst etwas tun können anstelle von Worthülsen, meine Herren. Politiker die Armut dulden, die zum Flaschensammeln, zum Essen aus Mülltonnen unter Bestrafung und Obdachlosigkeit zwingt, während ihre Politiker sich die Taschen automatisch füllen, ist keine Solidargemeinschaft, sie sind eine Schande für die ganze Gesellschaft, denn es ist eine bigotte Gesellschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.