Altona : Bezirk will Obdachlose vom Fischmarkt vertreiben

Am Fischmarkt haben Obdachlose Zelte aufgebaut. Jetzt sollen sie weg. Foto: JOF

Hinz&Künztler Thomas ist entsetzt: Der Obdachlose muss seine Platte am St. Pauli Fischmarkt räumen. Mitarbeiter vom Bezirk Altona haben ihm eine Frist bis Dienstag, den 21. August um 10 Uhr gesetzt.

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Seit März nächtigte der 48-Jährige zusammen mit vier, manchmal fünf anderen Obdachlosen gleich neben dem Wohnmobilstellplatz am Fischmarkt. „Probleme mit Anwohnern und Besuchern des Fischmarkts hatten wir nie“, sagt Holger. „Die mögen uns und wir bekommen manchmal sogar ein Fischbrötchen geschenkt.“

Doch seit etwa zwei Wochen kommen immer mehr Obdachlose auf die Platte von Holger und seinen Freunden. „Ich habe den Überblick verloren, aber es sind jetzt wohl 20 Leute“, sagt Holger. Dass jetzt plötzlich so viele Obdachlose dort leben, ist laut Bezirksamt Altona die Ursache für die Räumung. Es lägen Beschwerden vor und die hygienischen Zustände seien nicht mehr akzeptabel.

Im Zuge der Räumungsaufforderung habe man die Obdachlosen auf Angebote wie die Obdachlosenunterkunft Pik As verwiesen. Der Bezirkssprecher betont, dass sich die Räumung nicht gegen Obdachlose auf der anderen Seite der Flutschutzmauer richte. Gegenüber von Park Fiction leben einige wenige Obdachlose seit vielen Jahren. Mit dieser Gruppe gäbe es keinerlei Probleme, so der Sprecher.

Aber woher kommen plötzlich die vielen Obdachlosen am Fischmarkt?

Thomas sagt, dass man sie unter der Kersten-Miles-Brücke auf St. Pauli vertrieben hätte. Die große, trockene Fläche unter der Brücke ist traditionell ein Ort, an dem viele Obdachlose schlafen. Sie ist aber auch seit vielen Jahren ein Streitpunkt im Viertel: Vor sieben Jahren ließ der damalige Bezirksamtsleiter Markus Schreiber gar einen Zaun aufstellen, um die Obdachlosen zu vertreiben. Nach Protesten von Anwohnern und Einrichtungen aus der Wohnungslosenhilfe wurde der Zaun jedoch wieder abgebaut.

Früher haben unter der Kersten Miles Brücke stets Obdachlose gelebt. Seit einigen Wochen ist die Fläche jedoch frei. Foto: BELA

Trotz immer wieder auftretender Problemen mit Vermüllung hatte sich der Bezirk Mitte mit der Situation unter der Kersten-Miles-Brücke arrangiert. Der Bezirk hatte immer betont: Es gehe nicht darum, die Obdachlosen zu räumen, sondern Sperrmüll aufzuräumen. Doch seit einigen Wochen schlafen keine Obdachlose mehr an den Landungsbrücken auf St. Pauli.

Das Bezirksamt betont auf Nachfrage von Hinz&Kunzt, dass man die Obdachlosen nicht vertrieben habe. Über den Verbleib der Gruppe ist dem Bezirk allerdings nichts bekannt. Nach Hinz&Kunzt-Informationen sind mehrere von ihnen von der Ausländerbehörde zur Ausreise aufgefordert worden, weil ihnen das Freizügigkeitsrecht entzogen wurde. Andere sind offenbar weitergezogen. Und jetzt ist der Bezirk Altona für sie zuständig. Der wiederum reagiert mit Vertreibung.

Thomas ist genervt. Er will weiterziehen und guckt sich jetzt am Wochenende nach einem neuen Platz um, an dem er sein Zelt aufschlagen kann.

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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