Bettler am Hauptbahnhof : „Diese Menschen brauchen Perspektiven“

Reisende klagen, dass die sogar auf den Bahnsteigen von Bettlern bedrängt und zum Hinz&Kunzt-Kauf gedrängt werden. Foto: actionpress / imagebroker.com

Mit Lautsprecherdurchsagen warnt die Deutsche Bahn aktuell am Hauptbahnhof Reisende vor aggressiven Bettelgruppen, die ohne Hinz&Kunzt-Ausweis das Magazin verkaufen. Hinz&Kunzt setzt sich dafür ein, dass auch diese Menschen Hilfe erhalten.

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Seit mehreren Monaten bieten Bettler am Hauptbahnhof Hinz&Kunzt ohne Verkaufsausweis an, händigen teilweise Kunden trotz Zahlung kein Magazin aus, oder beleidigen diese, wenn sie kein Magazin kaufen. „Bahn, Polizei und wir bekommen das Problem nicht in den Griff“, räumt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer ein. Der Imageschaden für Hinz&Kunzt sei groß. „Es handelt sich dabei aber um kein Problem der Bahn oder Polizei, sondern vielmehr um ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

Eine Untersuchung der Sozialbehörde zeigt, dass die Zahl osteuropäischer Obdachloser in Hamburg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Die Bettler vom Hauptbahnhof stammen beispielsweise aus Rumänien. Sie kamen wahrscheinlich wie mehr als 80 Prozent aller rumänischen Obdachlosen mit der Hoffnung auf Arbeit nach Hamburg. Doch die Suche scheiterte und die Menschen landeten als Bettler auf der Straße. Ohne Arbeit haben sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

In eigener Sache
Verkäufer ohne Hinz&Kunzt-Ausweis verschärfen Konkurrenzdruck
Seit einigen Monaten verkaufen viele Menschen unser Magazin, die keinen Verkaufsausweis haben. Sie halten sich nicht an Regeln und sind aufdringlich. Offizielle Verkäufer leiden unter der Konkurrenz.

Hinz&Kunzt kann den Bettlern vom Hauptbahnhof aktuell keine Hilfestellung bieten. Bereits jetzt stammen rund 120 unserer etwa 500 Verkäufer aus Rumänien und Bulgarien. Sie haben ganz andere Probleme als unsere „klassischen“ Verkäufer: Viele sprechen fast kein Deutsch, sodass wir uns nur schwer mit ihnen über ihre Probleme und unsere Arbeitsweise verständigen können. Die Bettler sofort aufzunehmen, würde unser Projekt überfordern.

„Die große Aufgabe der nächsten Jahre besteht darin, diesen Menschen zu helfen und Perspektiven zu bieten“, sagt Karrenbauer. Auch Hinz&Kunzt kenne keine Patentlösung. „Aber wir brauchen weitere niedrigschwellige Angebote wie Hinz&Kunzt, als Alternative zum Betteln, um in der Stadt überleben zu können.“

„Wir brauchen weitere niedrigschwellige Angebote als Alternative zum Betteln.“– Stephan Karrenbauer, Hinz&Kunzt

In einem zweiten Schritt sollte dann erreicht werden, die Menschen wieder in reguläre Beschäftigungsverhältnisse zu integrieren. Hinz&Kunzt in den vergangenen Jahren zwei solcher Projekte initiiert: „Spende dein Pfand“ am Flughafen und die „Brotretter“ in Lohbrügge. Darüber hinaus beschäftigt Hinz&Kunzt weitere Osteuropäer direkt im Projekt.

„Das sind erfolgreiche Projekte, aber natürlich viel zu wenige, um allen zu helfen“, sagt Karrenbauer. „Deswegen werden weitere derartige Projekte in Hamburg dringend benötigt, die eine Perspektive auf Wohnen und Arbeiten bieten.“

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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