Die Sozialbehörde wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, die Zahl gestorbener Obdachloser klein zu rechnen. Und hält trotzdem Daten zu Todesfällen neuerdings unter Verschluss.
Hält die Sozialbehörde in Hamburg die Zahl toter Obdachloser „künstlich niedrig“? Diesen im NDR formulierten Vorwurf wies Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) im Hamburg Journal am Dienstagabend deutlich zurück. Die „neue“ Zählweise ihrer Behörde basiere viel mehr „erstmals auf belastbaren Zahlen“. Früher habe man aus unterschiedlichen Quellen und teils unter Zeitdruck erstellte Daten veröffentlicht, die unvollständig gewesen seien.
Was sich darüber hinaus wesentlich verändert hat, ist die Auskunftsbereitschaft der Behörden. Bis zum Anfang 2026 hat sie Daten über Todeszeitpunkte, Sterbeorte, Alter und Geschlecht der Verstorbenen und teilweise auch Angaben dazu, unter welchen Umständen die Menschen starben, auf Nachfrage veröffentlicht. Gegenüber Hinz&Kunzt hält die Behörde diese Angaben jetzt unter Verschluss – mit dem Verweis auf den Datenschutz.
Noch Anfang Februar 2026 hatte die Polizei Hinz&Kunzt mitgeteilt, dass allein im Januar mindestens 18 Wohnungslose in Hamburg starben. Von diesen 18 Todesfällen tauchen in der jetzt vorliegenden Bilanz der Sozialbehörde nur noch 5 Fälle auf. Alle anderen starben bei Bekannten, bei denen sie vorübergehend schliefen, im städtischen Winternotprogramm oder sie wurden „zunächst lebend auf der Straße aufgefunden“ und starben später im Krankenhaus, teilt die Behörde mit.
Hat sich die Erhebung wirklich verändert?
Laut Behörde erfasst das Institut für Rechtsmedizin die Todesfälle von Obdachlosen seit diesem Jahr „systematisch“, während bis ins Frühjahr 2026 lediglich eine „nicht abschließend qualitätsgesicherte Auswertung des sogenannten Leichen-Eingangsbuchs“ durchgeführt worden sei. Für 2024 und 2025 hatten die Mitarbeiter:innen am Universitätsklinikum mit ihrer alten Zählweise 57 tote Obdachlose gezählt. In den ersten neun Monaten diesen Jahres liegt die Zahl bei 19 Toten. Es bleibt also dabei: Pro Monat sterben in Hamburg im Schnitt mindestens zwei Obdachlose ohne Begleitung und Hilfe auf Hamburgs Straßen.
Unklar ist allerdings jetzt, wie viele weitere obdach- oder wohnungslose Menschen in Krankenhäusern in diesem Zeitraum gestorben sind. Diese Zahlen wurden in den vergangenen Jahren nur infolge parlamentarischer Anfragen der Linksfraktion öffentlich.

