Nachdem die Sozialbehörde dem sozialen Träger „Verikom“ Mittel gestrichen hat, beantragt dieser Insolvenz. Gewaltschutzprojekten droht das Aus. Die Verantwortung dafür weist die Behörde von sich.
Die Schließung der Hamburger Integrationszentren wird für den sozialen Träger „Verikom“ zur existenzbedrohenden Gefahr. Nachdem die Sozialbehörde ihm und fünf weiteren Trägern kurzfristig zum Jahresende Gelder gestrichen hatte, hat Verikom Insolvenz beantragt. „Wir haben Mietverträge und Mitarbeitende, deren Verträge weiterlaufen. Eine Refinanzierung dieser Kosten wurde für 2027 nicht zugesichert“, sagt Geschäftsführerin Sangeta Faager gegenüber Hinz&Kunzt. Deswegen droht nun die Zahlungsunfähigkeit, Dutzende Beschäftigte bangen um ihren Job.
Damit steht auch die Zukunft weiterer Verikom-Angebote auf der Kippe, etwa Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt oder Zwangsverheiratung. Auch ein Projekt für Geflüchtete, die in Unterkünften sexualisierte Gewalt erleben, betreibt Verikom. „Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, welche Projekte zum Beispiel des Gewaltschutzes oder der Arbeitsmarktorientierung für Migrantinnen und Geflüchtete gerettet werden können und welche nicht“, sagt Geschäftsführerin Faager.
„Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, welche Projekte gerettet werden können und welche nicht.“– Geschäftsführerin Sangeta Faager
SPD-nahe Stiftung erhält den Zuschlag
In Altona, Wilhelmsburg, Mitte, Billstedt und Horn betreibt Verikom sogenannte Integrationszentren, in denen unter anderem Deutschkurse und Sozialberatung angeboten werden. Den bisherigen Trägern der insgesamt zwölf Zentren – neben Verikom sind das Diakonie, Caritas, Internationaler Bund und der Verein „Interkulturelle Begegnungsstätte“ (IKB) – hatte die Sozialbehörde vor wenigen Wochen die Mittel dafür entzogen. Auch der IKB hatte anschließend von einer existenziellen Gefährdung gesprochen.
Zwar hatten die erfahrenen Träger sich mit einem gemeinsamen Konzept im Frühjahr auf die neue Ausschreibung beworben, den Zuschlag aber überraschend nicht erhalten. Stattdessen erhielt die SPD-nahe „Stiftung politische Bildung“ den Auftrag, die Migrationsberatung künftig dezentraler zu organisieren und mehr aufsuchende Beratung in städtischen Unterkünften anzubieten. Ihr Konzept hat sich laut Behörde „mit deutlichem Vorsprung“ bei der Ausschreibung durchgesetzt. SPD und Grüne hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Integrationszentren „weiterhin bedarfsorientiert [zu] stärken“.
Behörde will Gewaltschutzprojekte erhalten
Die Verantwortung für die Verikom-Insolvenz weist die Behörde von Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) von sich. Die Träger seien bereits im Mai über die anstehenden Veränderungen informiert worden, erklärt eine Sprecherin auf Hinz&Kunzt-Nachfrage: „Das Einleiten entsprechender Maßnahmen war den Trägern demzufolge bereits ab Mai möglich.“ Verikom entgegnet, zu diesem Zeitpunkt hätten die bestehenden Strukturen noch nicht aufgelöst werden können. Gewissheit über das Ende der Förderung gab es schließlich erst im Oktober. Auch seien deswegen Kündigungen arbeitsrechtlich noch nicht möglich gewesen.
Immerhin erkennt die Sozialbehörde die Bedeutung der Gewaltschutzprojekte unter dem Verikom-Dach an. Sie würden seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag leisten, sagte die Behördensprecherin: „Es besteht deshalb ein erhebliches Interesse daran, die Angebote aufrechtzuhalten.“ Gespräche mit der Behörde darüber hat es laut Verikom allerdings noch nicht gegeben.

