Statistik

Negativ-Rekord bei Wohnungsbau in Hamburg

Eine Baustelle mit vielen Kränen.
Eine Baustelle mit vielen Kränen.
In Bramfeld realisiert die städtische SAGA derzeit den Bau von 540 Wohnungen. Foto: Jonas Fabricius-Füllner

Nur 5975 neue Wohnungen in 2025 – weniger Wohnungen als im vergangenen Jahr wurden in Hamburg zuletzt vor 13 Jahren fertiggestellt. Trotzdem blickt die Stadtentwicklungsbehörde positiv in die Zukunft.

Seit drei Jahren stockt der Wohnungsneubau in Hamburg. Im Schnitt wurden in diesen Jahren etwa 3000 neue Wohnungen pro Jahr weniger fertiggestellt als in den fünf Jahren zuvor. Deswegen schlägt der Mieterverein zu Hamburg jetzt Alarm: „Die aktuellen Neubauzahlen reichen bei weitem nicht aus, um den großen Bedarf an Wohnraum in Hamburg zu decken, von bezahlbarem Wohnraum ganz zu schweigen“, sagt deren Vorsitzender Rolf Bosse zu neuen Zahlen des Statistikamts Nord.

Zwar wurde fast jede dritte Neubauwohnung öffentlich gefördert, wird also günstiger vermietet. Allerdings hätten etwa 643.000 Hamburger Haushalte aktuell Anspruch auf eine Sozialwohnung. Dem gegenüber stünden inzwischen keine 78.000 Sozialwohnungen mehr, sagt Bosse: „Die aktuellen Neubauzahlen zeigen, dass Hamburg beim Wohnungsbau umdenken muss. Mithilfe der Regeln des Marktes lässt sich der Bedarf jedenfalls nicht decken.“

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen weist die Kritik deutlich zurück. „Die aktuellen Fertigstellungszahlen sind kein Ausdruck fehlender Nachfrage, sondern die erwarteten Spätauswirkungen einer massiven Bau- und Immobilienkrise mit explodierenden Kosten, hohen Zinsen und schwierigen Finanzierungsbedingungen“, sagt Senatorin Karen Pein. Man habe auf die Entwicklung reagiert und mit dem sogenannten Hamburg-Standard und beschleunigten Verfahren Maßnahmen zur Marktbelebung geschaffen. „Die deutlich steigenden Genehmigungszahlen zeigen, dass diese Strategie wirkt“, sagt Pein.

Laut Behörde wurde in den ersten vier Monaten diesen Jahres bereits der Bau von 2.344 neue Wohnungen genehmigt – nahezu eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem zeigt sich die Wohnungswirtschaft noch nicht zufrieden: „Wir brauchen schnellere Baugenehmigungsverfahren, mehr geeignete Grundstücke, tatsächlich verfügbare Baumaterialien, weniger Standards, effiziente öffentliche Förderung, mehr Grundstücksverkäufe und weniger Verpachtung“, fordert Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Der Sprecher der kommunalen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften wünschen sich zudem mehr Spielraum für künftige Mieterhöhungen: „Überlegungen, die Kappungsgrenze oder die Modernisierungsumlage zu senken, sollten sofort wieder in den Schubladen verschwinden“, fordert Breitner.

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Ausgabe 399

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Autor:in
Jonas Fabricius-Füllner
Jonas Fabricius-Füllner

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