Bahnhofsmission

Notpflegeangebot für Obdachlose stark nachgefragt

Das gläserne Gebäude der Hamburger Bahnhofsmission unter bewölktem Himmel.
Das gläserne Gebäude der Hamburger Bahnhofsmission unter bewölktem Himmel.
Seit 2023 wird die Hamburger Bahnhofsmission durch ein Notpflegeangebot ergänzt. Foto: LG

Seit drei Jahren bekommen Obdachlose eine pflegerische Notfallversorgung in der Bahnhofsmission. Wie es für das Projekt weitergeht, ist noch offen.

„Das Notpflegeangebot in der Hamburger Bahnhofsmission schließt eine Lücke im Hamburger Hilfesystem“, sagte Axel Mangat vom Träger „Hoffnungsorte“ am Mittwoch zum Ende der dreijährigen Pilotphase des Projekts. Die Zahlen geben ihm recht: Mehr als 1000 Menschen haben das Angebot seit Beginn im Jahr 2023 insgesamt mehr als 5000 Mal genutzt. Zu den Leistungen gehören Wunderversorgungen, Ungezieferbehandlungen und eine barrierefreie Dusche und Sitzbadewanne.

Das Projekt richtet sich an Menschen, die mit gesundheitlichen Einschränkungen auf der Straße leben, und explizit auch an ältere Obdachlose. Viele von ihnen hätten keine Krankenversicherung oder würden etwa wegen schlechter Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem nicht von bestehenden Hilfsangeboten erreicht, so Mangat. Das Notpflegeangebot setze bewusst niedrigschwellig an und sei ohne Termin, barrierearm und ohne Versicherungsschutz nutzbar.

Eine Lücke bestehe allerdings weiterhin im Anschluss an die Notversorgung, sagt Pflegefachkraft Kathrin Macke, die das Angebot leitet: „Viele sind nicht krank genug fürs Krankenhaus, aber zu krank für die Straße. Wir können die akute Not zwar lindern, müssen die Menschen aber immer wieder ohne Perspektive entlassen.“ Axel Mangat fordert deshalb spezialisierte Pflegeeinrichtungen für obdachlose Menschen in Hamburg.

Wie es für das Angebot weitergeht, ist offen. Die ersten drei Jahre wurden in erster Linie durch Gelder der Deutschen Fernsehlotterie und einen eigens gegründeten Förderverein ermöglicht. Bis Jahresende wird das Projekt mithilfe des Hamburger Spendenparlaments weiterfinanziert. Parallel laufen Gespräche mit der Sozialbehörde über eine Verstetigung des Angebots. „Die Rückmeldungen sind positiv“, sagt Mangat.

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Ausgabe 399

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Autor:in
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Seit 2021 Redakteur und stellv. CvD. Vorher Volontariat bei Hinz&Kunzt und Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig.

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