Werbespot für Hinz&Kunzt

Kleines großes Kino

Die Filmemacher Manuel Mack (links) und Peter Drittenpreis unterstützen Hinz&Kunzt. Foto: Mauricio Bustamante
Die Filmemacher Manuel Mack (links) und Peter Drittenpreis unterstützen Hinz&Kunzt. Foto: Mauricio Bustamante
Die Filmemacher Manuel Mack (links) und Peter Drittenpreis unterstützen Hinz&Kunzt. Foto: Mauricio Bustamante

Leinwand frei für Hinz&Kunzt: Die Hamburger Filmprofis Manuel Mack und Peter Drittenpreis haben einen berührenden „Werbespot“ gedreht – mit Hinz&Künztler Jan als Hauptdarsteller.

Der große Saal des Zeise-Kinos in Ottensen ist am Abend des 4. Dezembers bis auf den letzten Platz gefüllt. Beim vorletzten Werbespot vor dem Hauptfilm flimmern plötzlich elegische Hamburg-Bilder über die Leinwand – Landungsbrücken, Alster, Cafés, Juweliere, Jenischpark, die Stadt im Regen. Eine warme, weiche Männerstimme aus dem Off sagt dazu Sätze wie: „Hamburg ist ein Sehnsuchtsort für mich“ oder „Im Leben verändert sich alles, immer“. Erst nach 45 Sekunden kommt das Gesicht dazu: Es ist Hinz&Kunzt-Urgestein Jan Sjoerds, 79 – einer, wie der Abspann verrät, „von 500 Verkäufer:innen, der durch den Magazinverkauf nach Krisenzeiten wieder Fuß gefasst hat“.

66 Sekunden kleines und doch so großes Kino.

Eine Woche später in einer Altbauwohnung an der Ottenser Hauptstraße. Eingeladen auf einen starken schwarzen Filterkaffee – „unser Dauergetränk während der Dreharbeiten“ – haben Manuel Mack, 54, und Peter Drittenpreis, 55. Die beiden Kameramänner, seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Film- und Werbegeschäft zu Hause, hatten im Frühjahr 2025 Lust auf eine gute Tat. Nun sind die Freunde die Macher des ersten Kinospots für Hinz&Kunzt seit mehr als acht Jahren. Ein Geschenk der beiden an, wie Mack es nennt, „eine Hamburger Institution“.

Hinter der guten Minute Herzenskino steckt ein Vierteljahr Arbeit mit einigen sehr intensiven Tagen. Verschiedene Konzepte haben die beiden erarbeitet und verworfen, schließlich einen Protagonisten gefunden, an dem entlang der Spot erzählt wird: Hinz&Künztler Jan, der einst in Bremen unter dem berühmten Regisseur Rainer Werner Fassbinder Theater spielte.

Freunde

In dieser Reihe stellen wir jeden Monat Menschen vor, die sich für Hinz&Kunzt engagieren – und was sie dazu bewegt. Alle Artikel der Reihe.

Lange sprachen die Filmemacher mit Jan über sein Leben, filterten daraus wichtige Sätze und Botschaften und begaben sich dann auf die Suche nach passenden, aber positiv inspirierenden Bildern. Denn die starke Aussage des Spots soll sein: Reicht man Menschen in schwierigen Lebenslagen eine helfende Hand, können sie im besten Fall das eigene Schicksal besser annehmen und es sogar schaffen, sich daraus zu befreien – damit auch sie an dem Schönen um sich herum partizipieren können. Protagonist Jan sei für diese Botschaft geradezu ideal gewesen: „Mit seiner starken Lebenserfahrung sieht Jan Hamburg jetzt beinahe schon wieder mit Kinderaugen“, sagt Mack: „Seine Märchenerzählerstimme ist großartig, und in ihm ist trotz einiger Schicksalsschläge immer noch so viel Lebensfreude, manchmal fast Euphorie.“

Zu sehen ist der Spot derzeit in vielen Hamburger Programmkinos, die gerne mit kostenfreier Ausstrahlung helfen – ebenso wie zuvor bei Ton- und Bildveredelung in der Schlussproduktion einige berufliche Freunde der beiden Macher gratis mit Hand anlegten. Für die war das Ganze unterm Strich „zwar deutlich mehr Arbeit, als wir vorher dachten“, aber: „Es hat sich total gelohnt“, sagt Drittenpreis. Der nun selbst „noch nie so viel im Kino war wie in den letzten drei Monaten“ und sich „immer wieder aufs Neue freut, wenn wir Jan da wiedersehen“.

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Ausgabe 396

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Autor:in
Jochen Harberg
Jochen Harberg