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Trotz Winternotprogramm

Obdachlose stirbt vorm Rathaus

18. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Nachrichten

Das nasskalte Wetter setzt besonders denen zu, die auf der Straße schlafen. Im Dezember ist eine Obdachlose am Rathausmarkt gestorben. In das Winternotprogramms wollte sie nicht gehen. Sie ist nicht die einzige: Zahlreiche Obdachlose meiden die Massenunterkünfte.

burstah

Nasskalt: Die verstorbene Obdachlose hat am Großen Burstah Platte gemacht.

Am Morgen des 17. Dezembers findet ein Passant eine leblose Obdachlose in einem Hauseingang gegenüber des Hamburger Rathauses. Um 8.38 Uhr geht der Anruf in der Notrufzentrale ein. Doch die herbeigerufenen Einsatzkräfte können nur noch den Tod der 55-Jährigen feststellen. Hinweise auf ein Fremdverschulden hat die Polizei bislang nicht. E. war schwer Alkoholkrank. Die nasskalten Nächte im Freien taten nun vermutlich ihr übriges.

Wir kannten sie nicht persönlich, aber ihren Lebenspartner. Seit vier Jahren leben die beiden zusammen in Hamburg auf der Straße, erzählt er uns. Im Winter ist das besonders hart. Deswegen gibt es das Winternotprogramm, das Obdachlose während der kalten Jahreszeit wenigstens nachts beherbergen soll. Die beiden haben versucht, einen der wenigen Wohncontainer für Paare zu bekommen, den die Kirchengemeinden bereitstellen. Leider ohne Erfolg.

In die städtischen Massenunterkünfte wollten sie nicht. 500 Obdachlose bringt die Sozialbehörde in ehemaligen Klassenzimmern zweier früherer Schulen unter. Dort kommt es immer wieder zu Streitereien, Privatsphäre gibt es quasi keine. Hunde dürfen die Obdachlosen auch nicht mitbringen. Erst am Montag eröffnet die Behörde 100 neue Schlafplätze in Wohncontainern. Als die Temperaturen Anfang Dezember unter den Gefrierpunkt sanken, waren die bestehenden Unterkünfte voll ausgelastet, so dass extra Betten aufgestellt werden mussten.

Viele schreckt das ab. Deswegen schlafen auch bei dem schlechten Wetter gerade noch zahlreiche Obdachlose auf Hamburgs Straßen. In der Innenstadt sollen es bis zu 50 sein, in der ganzen Stadt ein vielfaches mehr. Genaue zahlen gibt es nicht, aber den Mitternachtsbus der Diakonie suchen jede Nacht etwa 100 Obdachlose auf.

Text und Foto: Benjamin Laufer

9 Kommentare
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  1. Wie kann ich Menschen, die jede Nacht bei mir um die Ecke draußen schlafen, am besten helfen? Sie sprechen nicht gut Deutsch…

  2. Eine Möglichkeit ist, die Straßensozialarbeiter der zuständigen Beratungsstelle zu informieren. Eine Liste gibt es hier: http://www.hamburg.de/obdachlosigkeit/127990/soziale-beratungsstellen/

    Grundsätzlich raten wir: Hinsehen statt Wegsehen! Falls die Obdachlosen sich hilfesuchend an Sie wenden, hören Sie zu und helfen Sie. Und wenn Sie einen medizinischen Notfall vermuten, zögern Sie nicht und rufen einen Krankenwagen.

  3. Wenden Sie sich an Kamile, sie rief das Projekt „ein Rucksack voll Hoffnung“ für Hamburg auf den Plan – das Projekt ist auch bei Facebook zu finden.

  4. Dies ist eine große Schande für Hamburg . Dies ist ein großes Politisch Problem .Ich habe einige Politiker der Linken angeschrieben . Leider hat sich da nichts getan .Es werden nicht einmal Statistiken wie viele Obdachlose es in Hamburg gibt ,und wieveile schon verstorben sind , seitens der Politik beantwortet.

    Obdachlosigkeit gilt zu verhindern und nicht zu reduzieren. Obdachlosigkeit dürfte in Deutschland garnicht stattfinden .

    Da die Verwaltungsbehörden aber ihrer Beratungspflicht nicht nachkommen ,auch teilweise wenn beraten wird ,falsch beraten , passiert diese Dilämmer . Es wird gezielt gehofft ,das der Betroffene seine Rechte nicht kennt und wahrnimmt ,damit diese Gelder eingespart wird. Es geht nur noch darum das der Hamburger Senat spart ,auf Teufel komm raus.
    Das weitere Problem ist ,das die Hamburger Politik masslos überfordert ist und nicht mit den Bürger in Dialog tretet um diese Probleme zu vermeiden .

  5. Solche Meldungen werden wir noch öfter hören, leider. Jeder Mensch in dieser Gesellschaft hat ein Anrecht AUF DIE SOLIDARITÄT der Gesellschaft. Ein menschenwürdiges Existenzminimum ist der Grundsatz dieser Gesellschaft und so auch im Grundgesetz verankert. Doch die Politik hat diese Gesellschaft gespalten, entsolidarisiert und zur Hetzjagt auf die Schwächsten dieser Gesellschaft aufgerufen. Eine Gesellschaft, die nicht willens ist das letzte bischen Solidarität mit den Schwachen aufzubringen, sollte sich selbst dringent nach ihrer Existenzberechtigung fragen.

  6. Das ewige Leid in dieser Stadt, ist ein politisches Jammertal !! Denn es heißt ja: „Das in dieser Stadt keiner erfrieren muß“ !! Da kann ich nur sagen: „Gut gebrüllt Löwe“, mehr steckt da auch nicht hinter !! Wenn eine politische Gesellschaft nichts für die jenigen tut, für die man einiges tun muß, dann ist das so, wie es ist !! Aber ich (wir) nehmen es ja so hin, wie es es !! Politik labert schon seit 20 Jahre, und nichts passiert, so wie wir uns das gerne vorstellen !! Wir als gesellschaft haben ja auch keine Ahnung, von dem was politiscvh so gemacht wird. Da bei sind wir selbst „wohnungslos“ gewesen, und haben so unsere Erfahrungen, aber die will ja keiner hören !! Es ist echt zum heulen, was hier so abläuft, aber das hilft uns politisch keinen Schritt weiter !! Es gibt Politiker, die reden mit uns, es gibt Senatoren, die tun etwas für uns, weil wir mit ihnen geredet haben !! Aber es gibt welche, die setzen sich nicht mal mit uns an einen Tisch, ob wohl wir das gerne möchten !! So kann man gesellschaftlich nichts verbessern, und das geht gar nicht !!
    In diesem Sinn, Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

  7. Wie kann man von den Menschen, die eh nichts mehr haben, verlangen, ihre Tiere wegzugeben?? Wie haben sich diese Leute das ausgedacht? Sollen die Obdachlosen ihre Tiere über die kalte Jahreszeit ins Tierheim abgeben? Hier fehlt Weitsicht, und es fehlt ganz deutlich Herz. Wie kann es sein, daß man zu wenig Schlafplätze zur Verfügung stellt?? Ich finde es absolut kaltschnäuzig, die Obdachlosen um freie Plätze kämpfen zu lassen und dann schulterzuckend Menschen wegschicken. Den Menschen wird ihre Würde genommen, die angeblich unantastbar ist.

  8. Mein Brief an den Landespastor Dirk Ahrens:

    Erst ein mal bin ich sehr sprachlos,
    wir (ich) haben (habe) viel für uns gemacht, ich habe viel getan,
    aber all diese soziale Arbeit hat keine Hachhaltigkeit !! Was hier
    in den lezten Jahren in der Stadt abläuft, ist schon zum heulen !!
    Jedes mal bekomme ich seelische Herzschmerzen, wenn ich so
    etwas mit bekomme !! Aber Politik arbeitet ja nicht mit uns, sondern
    gegen uns, und dies ist unser Problem !! Wir müssen endlich verstehen,
    das Politik nicht für uns da ist, sondern wir müssen es endlich hin bekommen,
    das wir ohne Politik stärker sind, als die Politik selbst !! Mir ist bewußt, das
    wir ohne Politik auch nicht alles hin bekommen, aber wir müssen langsam
    begreifen, das wir unsere eigene Steuergelder benutzen können, um das zu
    bekommen, was uns weiter bringt !! Das hamburger Spendenparlament ist
    und bleibt für mich das größte Vorbild da für, das es funktionieren kann !!
    Ich weiß schon weshalb ich Gründungsmitglied gewesen bin !! Das dies hier
    so nicht mehr weiter gehen kann, da für kämpfe ich seit es HINZ&KUNZT gibt,
    aber wir kommen keinen Schritt weiter bis zur Linie !! Alle Kirchen dieser Stadt,
    müssen ihre Kräfte bündeln, umnd mal mit uns überlegen, was man besser
    machen sollte als die Politik !!
    Sollte dies so geschehen, dann würde ich mich sehr freuen, denn wir sollten
    unsere Mitmenschen mal zeigen, das mehr zu sehen ist, als ein kleines Licht
    am Horizont !!

  9. […] bereits Mitte Dezember eine obdachlose Frau in Hamburg auf der Straße gestorben ist (Hinz&Kunzt berichtete), gibt es nun schon wieder einen Fall – dieses Mal in Norderstedt. Am Sonnabend entdeckte eine […]

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