Billbrook : Zwei tote Wohnungslose im Männerwohnheim gefunden

Die Wohnunterkunft am Billbrookdeich. Foto: Ruega

In einer Unterkunft für wohnungslose Männer in Hamburg-Billbrook sind am Mittwochmorgen die Leichen zweier Bewohner gefunden worden. Woran sie gestorben sind, ist noch unklar.

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Eigentlich wollte der Hausmeister die Heizung warten und öffnete daher mit einem Zweitschlüssel die Tür. Um kurz nach 8 Uhr am Mittwochmorgen fand er dann in einem Zimmer in der Wohnunterkunft am Billbrookdeich die Leichen zweier toter Wohnungsloser. Einer lag im Bett, der andere saß daneben. So schildert es die Hamburger Polizei.

Auf einen genauen Todeszeitpunkt wollen sich die Ermittler noch nicht festlegen, aber offenbar sind die beiden 58-Jährigen nicht gleichzeitig verstorben. Einer sei wohl bereits länger tot als der andere, sagte Polizeisprecherin Heike Uhde gegenüber Hinz&Kunzt. „Wir sprechen da von Tagen, nicht von Wochen oder Monaten.“ Der Mann sei erst vor Kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden. Es gebe derzeit keine Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid, sagte die Sprecherin.

„Der Mann sagte am Freitag, es gehe ihm gut.“– Susanne Schwendtke, fördern & wohnen

Noch am Freitag habe ein Mitarbeiter der Unterkunft einen der Bewohner an seiner Zimmertür angetroffen, sagte die Sprecherin des Betreibers fördern&wohnen, Susanne Schwendtke: „Der Mann sagte am Freitag, es gehe ihm gut.“ Regelmäßig würden Sozialarbeiter sich nach dem Befinden der Bewohner erkundigen, erklärte Schwendtke. „Dies geschieht im Rahmen eines wöchentlichen Rundgangs, bei dem an die Zimmertüren geklopft und mit den Bewohnern gesprochen wird.“ Ein Bewohner der Unterkunft bestätigte dies gegenüber Hinz&Kunzt.

Woran und wann genau die beiden Männer gestorben sind, könnte eine Obduktion klären. Allerdings müsste die Staatsanwaltschaft noch der Empfehlung der Polizei zustimmen, eine solche durchzuführen.

„Vorzeigeunterkunft“ mit 124 Bewohnern

In der Unterkunft leben 124 alleinstehende wohnungslose Männer, teilweise bereits seit vielen Jahren. Als Hinz&Kunzt die Einrichtung 2011 besuchte, sprachen wir von einer „Vorzeigeunterkunft“.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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