Kapitalismus-Kritik : Ziel: Gutes Leben für alle

Wir brauchen Alternativen zum gängigen Wirtschaftssystem – das sagt nicht nur Papst Franziskus, sondern auch die Initiative Gemeinwohl-Ökonomie Hamburg. Am 3. Februar soll darüber mit den wirtschaftspolitischen Sprechern der Parteien diskutiert werden.

„In der Wurzel ungerecht“ - Papst Franziskus über den Kapitalismus.
„In der Wurzel ungerecht“ – Papst Franziskus über den Kapitalismus. Über Alternativen diskutieren Parteivertreter bei einer Veranstaltung der Initiative Gemeinwohl-Ökonomie.

„Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht“. Papst Franziskus hat es gesagt – in seinem viel beachteten Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“.

Darin prangert der Papst das geltende Wirtschaftssystem an. Der Kapitalismus sei „in der Wurzel ungerecht.” Der Mensch werde heutzutage nur noch als Konsument gesehen. Eine neue Tyrannei des „vergötterten Marktes“ herrsche. Franziskus’ Kritik gipfelt in der Aussage: „Diese Wirtschaft tötet.“

Genau so lautet auch der Titel einer Veranstaltung, zu der die Initiative Gemeinwohl-Ökonomie Hamburg, die Katholische Akademie und das Umwelthaus am Schüberg einladen: „Diese Wirtschaft tötet (Papst Franziskus) – Wie können Alternativen für Hamburg aussehen?“

„Wir wollen Parteienvertretern kurz vor der Bürgerschaftswahl auf den Zahn fühlen“, sagt Veranstalterin Sabine Siehl, „inwiefern können sie sich alternative Wirtschaftsformen für Hamburg vorstellen, wo steht es im Parteiprogramm?“

Konkret geht es etwa um die Frage, ob Unternehmen, die gemeinwohlorientiert wirtschaften, steuerlich entlastet werden können. Vorschlag: Ihre Orientierung am Gemeinwohl sollen Unternehmen mit einer so genannte Gemeinwohlbilanz darstellen. In Hamburg haben dies schon einige Firmen auf freiwilliger Basis getan, etwa die Verbraucher- und Agrarberatung Ökomarkt Hamburg, die Personalvermittlung Personaldock und die Spielscheune der Geschichten.

Sabine Siehl nennt zudem das Stichwort öffentliche Vergabepraxis. „Uns interessiert auch, wie die Parteien dazu stehen, bei öffentlichen Aufträgen gemeinwohlorientierte Firmen vorzuziehen?“ Hier erhofft man sich „mehr als Lippenbekenntnisse zu fairen Arbeitsbedingungen“, so Siehl.

Es diskutieren:
Ewald Aukes, FDP
Norbert Hackbusch, DIE LINKE
Hansjörg Schmidt, SPD
Hjalmar Stemmann, CDU
St. Anjes Tjarks, GRÜNE
Moderation: Esther Schweizer, Rednertribün

3. Februar, 19 Uhr, Katholische Akademie Hamburg, Herrengraben 4, Eintritt frei

Mehr Infos: Eckpunkte der Gemeinwohl-Ökonomie

Text: Simone Deckner
Foto: action press/Marcus Golejewski

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