Unterkünfte : Wie Hamburg versucht, Geflüchtete vor Corona zu schützen

Sollten Angehörige von Risikogruppen aus den Zentralen Erstaufnahmen, wie hier in der Kaltenkirchener Straße, evakuiert werden? Foto: BELA

Risikogruppen aus den Sammelunterkünften evakuieren – das fordert der Hamburger Flüchtlingsrat von der Stadt. Was tun die Behörden, um Geflüchtete vor einer Infektion zu schützen?

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Der Hamburger Flüchtlingsrat schlägt Alarm: In einem öffentlichen Appell fordert die Initiative Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in dieser Woche auf, Angehörige von Risikogruppen wegen der Corona-Pandemie aus den Zentralen Erstaufnahmen zu evakuieren. „Den Geflüchteten müssen sofort Wohnungen zugeteilt und die notwenige Unterstützung zu ihrem Schutz muss gewährleistet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Sie seien in den Einrichtungen „in erheblicher, unverantwortlicher Weise“ gefährdet.

Wir haben bei der Stadt nachgefragt, welche Maßnahmen sie zum Schutz der Geflüchteten vor dem Coronavirus getroffen haben. Das zuständige Einwohnerzentralamt erklärte gegenüber Hinz&Kunzt, dass alle in Hamburg ankommenden Geflüchteten verdachtsunabhängig auf eine Corona-Infektion getestet würden. Unabhängig vom Testergebnis werden sie dann zunächst für 14 Tage in Mehrbettzimmern in einer Unterkunft am Neuen Höltigbaum untergebracht – positiv Getestete in einem gesonderten Bereich. Bislang bewegt sich ihre Zahl laut Einwohnerzentralamt „im unteren zweistelligen Bereich.“ Wer nach zwei Wochen negativ getestet wird, würde dann in das sogenannte Ankunftszentrum verlegt. Eine Ausnahme gilt für Geflüchtete, die zu einer Risikogruppe gehören: Sie würden in andere Einrichtungen der Zentralen Erstaufnahme (ZEA) verlegt.

„Maßnahmen zur Verringerung der Infektionsgefahr“

In diesen Sammelunterkünften dürfen Ältere und Vorerkrankte zum Schutz vor Corona derzeit „das Essen in ihrem Zimmer zu sich nehmen, um Kontakte gering zu halten“, erklärte eine Sprecherin des Betreibers fördern und wohnen (f&w). Außerdem seien in den ZEAs weitere Maßnahmen „zur Verringerung der Infektionsgefahr“ getroffen worden. In den Kantinen dürfte sich etwa nur noch eine begrenzte Anzahl Personen aufhalten, „so dass Plätze zwischen Personen frei bleiben können.“ Nach Möglichkeit würden auch die Mehrbettzimmer lockerer belegt.

In den Zentralen Erstaufnahmen warten die Geflüchteten auf die Bearbeitung ihres Asylantrages. Momentan sind dort 844 Menschen untergebracht. Anschließend werden sie in sogenannte Folgeunterkünfte verteilt – ebenfalls oft Sammelunterkünfte mit Mehrbettzimmern, in denen auch Wohnungslose untergebracht werden. Hier lebende Angehörige einer Risikogruppe werden laut f&w entweder in abgeschlossenem Wohnraum oder in einer von zwei Einrichtung mit insgesamt 160 Plätzen untergebracht. „In abgeschlossenem Wohnraum können die Betreffenden wie in einer Mietwohnung ihr Risiko selbst gering halten“, erklärt die Sprecherin. „An den Standorten für besonders vulnerable Personen haben wir das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes eingeführt und Besuche stark eingeschränkt.“

Dem Flüchtlingsrat gehen solche Maßnahmen nicht weit genug. Neben der sofortigen Evakuierung von Risikogruppen fordert die Initiative weitere Schritte, um die „Unterbringung aller Geflüchteten gerade in den ZEAs zu entzerren.“ Derweil war die Situation von Geflüchteten auch in der gestrigen Bürgerschaftssitzung Thema: Die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft hat den Senat aufgefordert, Geflüchtete besser zu schützen.

In einem Antrag fordert die Fraktion, das Ankunftszentrum „zu  schließen  oder  allenfalls  bis  zu  einer  dezentralen  Unterbringung  als  Durchlaufstation für wenige Tage mit entzerrter Belegung zu nutzen.“ Außerdem solle die Belegung in Erstaufnahmen und Folgeunterkünften deutlich ausgedünnt, und die Menschen dezentral untergebracht werden. Der Antrag wurde in den neu eingesetzten Sonderausschuss „Bewältigung der Corona-Krise“ verwiesen und wird dort weiter bearbeitet.

 

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit September 2019 Volontär in der Hinz&Kunzt-Redaktion.

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