St. Georg : Suppenkoch Volker Schmidt ist tot

Volker Schmidt verteilte mehrmals wöchentlich Essen an Bedürftige. Foto: JOF

Nach langer Krankheit ist der Gründer des Vereins „Hamburg is(s)t gut“ verstorben. Jahrelang hatte Volker Schmidt in St. Georg kostenloses Essen an Bedürftige ausgegeben. Sein Verein sammelt nun Spenden für eine Seebestattung.

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Die rote Gulaschkanone war sein Markenzeichen: Seit 2013 schenkte Volker Schmidt daraus in St. Georg Essen an Bedürftige aus. Am Sonntag ist der Mann mit dem Rauschebart nach schwerer Krankheit verstorben. Das gab der Verein „Hamburg is(s)t gut“ bekannt, den Schmidt gegründet hatte. „Bei mir bekommt jeder etwas, ohne zahlen zu müssen“, sagte Schmidt im Januar 2014, als ein Hinz&Kunzt-Reporter ihn bei der Essensausgabe am Kreuzweg besuchte. Zu seinen Gästen zählten an diesem Tag Obdachlose, Flüchtlinge, Wanderarbeiter und auch Angestellte, die wegen ihrem geringen Gehalts sich keinen Mittagstisch leisten können. Da machte Volker Schmidt keinen Unterschied.

Die Vorgeschichte erzählt ein Wegbegleiter in einem Text auf seinem Blog. „Ich wollte dort hingehen können, wo die Leute hungrig sind und ihnen helfen“, sagte Schmidt 2015 einer Reporterin der „Zeit„. Und das, obwohl er als Hartz-IV-Empfänger selbst nicht viel zum Leben hatte. Seine Idee einer mobilen Essensausgabe setzte er gegen Widerstände aus der Nachbarschaft und den Behörden durch. Das gelang ihm auch, weil er mit den Nachbarn gut konnte, sagte er der Zeit: „Ich wohne seit 14 Jahren an der Ecke. Ich kenne die Leute. Ich trinke hier oft selbst mein Bier. Ich weiß, wie man mit denen umgehen muss.“

Volker Schmidt bei Tide TV

Der Communitysender Tide TV hat 2014 einen Filmbeitrag über Volker Schmidt veröffentlicht:

Kostenloses Essen für Hunderte Bedürftige und das mehrmals pro Woche – das war nur mit Spenden möglich. Im Suppenküchen-Verein engagierte sich zuletzt ein Dutzend Helfer, die dazugehörige Facebook-Gruppe zählt mehr als 300 Mitglieder. Volker Schmidt selbst stand noch bis März persönlich am Herd, danach übernahmen andere das Kochen für ihn. Auch die Gulaschkanone ist inzwischen großen Töpfen gewichen. Nach Schmidts Tod soll es das Angebot weiter geben, mindestens einmal in der Woche wollen die Vereinsmitglieder Suppe in St. Georg ausgeben.

In seinen letzten Tagen war Schmidt nie alleine: Rund um die Uhr waren Freunde aus dem Verein bei ihm. Weil eine normale Bestattung nicht zum „Seemensch“ Schmidt gepasst hätte, wollen sie ihn nun auf dem Meer bestatten lassen. Auch dafür werden Spenden gesammelt: Auf das Konto DE24 2004 0000 0388 4244 00 bei der Commerzbank (Empfänger: Hamburg is(s)t gut e.V.) oder über PayPal an die Adresse hamburgisstgut@web.de.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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