Künstler Rüdiger Knott : Spuren sichern für Hinz&Kunzt

Rüdiger Knott neben seinem Werk „Gesperrt“. Foto: Henning Alberti, Montage: BELA

Wir begeben uns auf Schatzsuche mit dem Künstler Rüdiger Knott, dessen Werke wir noch bis zum 23. Januar in den Räumen von Hinz&Kunzt ausstellen.

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Zugegeben: Wir sind Fans. Insofern war die Einladung von Rüdiger Knott, Werke für eine Ausstellung direkt mit ihm vor Ort auszusuchen, wie das Angebot zu einer Schatzsuche. Sein Atelier ist vollgestopft und vollgehängt mit Collagen, Materialbildern, Installationen, Fundstücken und Treibgut. Alles neu geordnet und zusammengesetzt.

Der 73-Jährige ist nicht nur Künstler, sondern seit Jahren Mitglied im Hinz&Kunzt-Beirat. Wichtig war ihm dabei, bestimmte Projekte in der Redaktion zu unterstützen. Deshalb berät er uns nicht nur, sondern organisiert seit Jahren Ausstellungen mit seinen Bildern zu unseren Gunsten. Premiere: Zum ersten Mal werden seine Bilder in unseren Räumen präsentiert.

Bis 2004 war Rüdiger Knott selbst Journalist. Erst bei der Deutschen Presseagentur dpa im Rheinland, später beim NDR, jahrelang war er Programmchef bei NDR 90,3. Aber schon in den 1970er-Jahren hatte er ein Schlüsselerlebnis. Er lernte einen Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen, Joseph Beuys. Ging zu dessen Vorlesungen, wurde süchtig nach Kunst. Aber erst 1998 wurde er vom Beobachter der Kunstszene zu einem, der selbst mitmachte. Er wurde ein moderner Schatzsucher: Seine Collagen und Materialbilder gestaltet er aus Schrott, Holzresten, Wrackstücken, Plastikmüll und allerlei Verrostetem.

Die Vernissage im Verkaufsraum von Hinz&Kunzt besuchte Rüdiger Knott zusammen mit seiner Frau Kristine Jansen. Foto: Jonas Füllner

„Wie verrückt“ sammelt er. Am liebsten in Wassernähe. „Man könnte mich auch einen Kunst-Messie nennen“, kokettiert er manchmal. Seine Materialien findet er im Hamburger Hafen oder auf seinen Reisen.

Rüdiger Knott bei Hinz&Kunzt

Die Bilder von Rüdiger Knott sind noch bis zum 23. Januar in den Räumen von Hinz&Kunzt in der Altstädter Twiete 1–5 zu sehen, Mo–Fr, 10–13.30 Uhr, 15–18 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt ist frei, der Erlös aus dem Verkauf der Bilder wird an Hinz&Kunzt gespendet. www.knottkunst.de

„Cap Trafalgar“ heißt ein Werk, das wir sofort einpacken. Ein Malerbrett, gefunden in Spanien am Strand, mit einem verrosteten Schild drauf, das „Durchgang verboten“ anzeigt, sowie eine ­alte Anode. Soweit die sachliche Beschreibung. Aber die Collage aus diesen drei profanen Teilen ergibt etwas Viertes, etwas Rätselhaftes. So geht es uns mit vielen seiner Materialbilder und Objekte. In einem alten Hummer­käfig lagern irgendwelche Kugeln. Man assoziiert vielleicht Kartoffeln, Armut und den Hunger in der Nachkriegszeit. Dabei sind es Posidonias. Der starke Wind hat das Neptungras zu Kugeln geformt. Das Wissen da­rum verrückt wieder das fertige Bild im Kopf.

Oder „Krieger“, ein anderes Objekt: Der Speer ist eine rot-weiß gestreifte Pegellatte, das Schild ist ein Stück Dachhaut aus Walzblei. Solche Stücke verwendet Knott gerne. „Das Material haben die Dachdecker zusammengenietet und gelötet, und dabei sind wundervolle Formen entstanden. Das würde ich ja gar nicht hinkriegen.“ Aber die Bleidächer sind auch schon Vergangenheit, sie sind zu schwer und zu teuer. Knott kennt aber ein paar Dachdecker, von denen er Stücke abkaufen konnte.

„Durch alle Welt“ heißt dieses Kunstwerk, das Rüdiger Knott in diesem Jahr fertiggestellt hat. Foto: Henning Alberti

Vielleicht ist es auch das, was den Reiz von Rüdiger Knotts Werken ausmacht. Dass mit allen Fundstücken so viel Vergangenes erzählt wird und so viel gelebtes Leben.

„Fragil“ heißt eines seiner Bilder, das er uns ans Herz legt. Er nimmt das Holzstück mit dem verwitterten Schild in die Hand. „Da ist was Unvorhergesehenes passiert, und etwas ganz anderes ist draus geworden.“ Aber was war, was sollte sein? Wir betrachten gemeinsam die Collage. Es ist viel Farbe abgeblättert. Genau deshalb kann man viel mehr erkennen als nur eine glatte Oberfläche – wieder einmal.

Über den Autor
Birgit Müller
Birgit Müller hat 1993 Hinz&Kunzt mitgegründet. Seit 1995 ist sie Chefredakteurin.

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