Initiativen fordern Erhalt statt Abriss : Soziales Zentrum in den City-Hof?

Bald eine Nobelmeile? Bislang befindet sich in den Häusern des Cityhofs das Bezirksamt Mitte - und zwei Einrichtungen für Obdachlose. Foto: BELA

Sozialwohnungen und Raum für soziale Einrichtungen statt Abriss und Neubau: Hamburger Initiativen haben ihre Pläne für den City-Hof am Klosterwall vorgestellt. Sie wollen für den Erhalt der Gebäude kämpfen.

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Es kamen viel mehr Zuhörer als erwartet: Mehr als 120 Menschen haben sich am Dienstagabend in der Tagesaufenthaltsstätte Herz As im Münzviertel versammelt, um über soziale Stadtentwicklung rund um den Hauptbahnhof zu diskutieren. Eingeladen hatten sieben Initiativen, darunter das Gängeviertel, der Einwohnerverein St. Georg und der AStA der HafenCity Universität. Ihr Ziel: den abrissbedrohten City-Hof zu erhalten und darin soziale Einrichtungen und Sozialwohnungen für Wohnungslose und Flüchtlinge zu errichten.

Die Veranstaltung war der Auftakt für geplante Proteste gegen Abriss und Neubau des Gebäudeensembles am Hauptbahnhof. „Wir haben Zeit bis Ende Mai, um in dieser Stadt das Fass aufzumachen, den City-Hof zu erhalten“, sagte Michael Joho vom Einwohnerverein, der die Veranstaltung moderierte.

Unternehmen will den Gebäudekomplex eigentlich abreißen

Eigentlich ist der Abriss der Häuser bereits beschlossene Sache. Nach langer Debatte stimmte die Bürgerschaft mit den Stimmen von SPD und Grünen im vergangenen Frühjahr für einen Verkauf der denkmalgeschützten Häuser an das Unternehmen Aug. Prien. Da ein Erhalt der Häuser „wirtschaftlich nicht darstellbar“ sei, sollen sie abgerissen werden.

„Es gibt keine Beteiligungsmöglichkeit mehr.“– Magnus-Sebastian Kutz

Ein Architektenwettbewerb mit Entwürfen für eine Neubebauung läuft bereits, im Frühsommer soll das Ergebnis feststehen. Weitere Entwürfe könnten nicht mehr eingereicht werden, sagte Baubehördensprecher Magnus-Sebastian Kutz zu Hinz&Kunzt: „Es gibt keine Beteiligungsmöglichkeit mehr.“

Die Initiativen wollen nun erreichen, dass das bisherige Verfahren ausgesetzt und im Sommer erneut ergebnisoffen über das Areal diskutiert wird – schließlich ist der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben. „Wir wollen von den Verantwortlichen wissen, wieso sie diese Chance für eine soziale Stadtentwicklung vergeben“, sagte Marco Alexander Hosemann, Vorstand im Verein City-Hof.

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Schwierige Suche nach Räumen am Hauptbahnhof

In der Innenstadt ist der Bedarf an Räumen für soziale Einrichtungen groß. Die Suche danach im Umfeld des Hauptbahnhofs sei schwierig, beklagten im Herz As Vertreter mehrerer Einrichtungen.

Dem Straßenkinderprojekt Kids zum Beispiel waren zum Oktober die Räume im Biberhaus am Hachmannplatz gekündigt worden. Neue Räumlichkeiten sind bis heute nicht gefunden: „Wir haben rundherum gesucht und nichts gefunden“, berichtete Kids-Leiter Burkhard Czarnitzki auf der Veranstaltung.

Seitdem müssen die Sozialarbeiter in Bürocontainern arbeiten. Die sozialen Einrichtungen in Bahnhofsnähe stünden in Konkurrenz zu „Upperclassläden und Wettbüros“, sagte Czarnitzki. Den Cityhof für soziale Zwecke zu nutzen, sei deswegen „eine verdammt gute Idee“.

„Es ist Zeit für ein soziales Leuchtturmprojekt am Hauptbahnhof.“– Stephan Karrenbauer

Hinz&Kunzt begrüßt die Pläne

Auch Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer begrüßte im Herz As die Pläne der Initiativen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass ein weiterer Teil der Innenstadt zu einer Nobelmeile wird“, sagte er. Eine solche Entwicklung hätte die Verdrängung von Armen zur Folge. „Es ist die Zeit gekommen, ein soziales Leuchtturmprojekt am Hauptbahnhof zu schaffen.“

In wenigen Wochen planen die Initiativen ein Aktionstreffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Moderator Joho gab sich entschlossen: „Es muss auf eine große Auseinandersetzung mit der Stadt hinauslaufen.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

2 Kommentare zu “Soziales Zentrum in den City-Hof?

  1. Eigendlich ist jede Idee eine gute Idee !! Aber gute Ideen lassen sich nicht immer umsetzen, das ist unser aller Problem, in einer Sozialenstadtteilentwicklung !! So wie zu lesen war, sollen diese Gebäude ja eigendlich mit Aspest verseucht sein !! Das sich keine Sanierungen lohnen, kann wohl hier jeder nach voll ziehen !! Weiter hin paßt diese Idee nicht mit der Aussage von Herrn Falko Droßmann zusammen. Denn nicht nur er will die City obdachlosenfrei, so wie sämtliche Unterstützungen, Versammlungen von Wohnungslosen unterbinden. bevor man hier um Gebäude veilscht, sollte mann erst ein mal an die Zukunft der Wohnungs – so wie Obdachlosen arbeiten. Ob bei den Schantflecken dieser Hochhäuser etwas zu retten gibt, möchte ich bezweifeln !! Weiter hin fragt sich, wie weit der Investor ein Intresse hat, auch ein drittel seiner Investionen für etwas Soziales aus zu geben ?? Da drüber sollte man mal verhandeln, bevor man um eine alte Infrastucktur kämpft, die wahrscheinlich nicht zu retten ist !! Mann sollte sich hier mal auf das wesendliche konzentrieren, statt sich an etwas zu verausgaben, was wahrscheinlich schon beschlossene Sache ist. Abriss ist immer noch billiger als sanieren, das wissen wir schon mehr als 20 Jahre . Das größte Beispiel ist die sagen um wogene Sprengung das Millernhochhauses !! Wo sind eigendlich dort die Sozialenerungenschaften ??

    Kampf ist immer gut, aber man sollte dort kämpfen, wo man auch Erfolge erwarten kann !!

    In diesem Sinn,
    Erich Heeder – Stadtteilkünstkler – Sitz in verschiedenen Sozialen
    Entwicklungsräume der Stadt Hamburg

  2. @Erich Heider: Nicht alles, was zu lesen war und ist, stimmt auch !! Gerne kann ich Dir das Asbestgutachten zum City-Hof zukommen lassen !! Dass eine Sanierung möglich ist und sich auch lohnt, beweist allein die Tatsache, dass sich bei der Ausschreibung des City-Hofs sechs Investoren mit einem Angebot für die Sanierung des Bauwerks beworben hatten !! Wir kämpfen um diese Gebäude gerade weil wir auch an der Zukunft der Wohnungslosen und Hamburger*innen mit geringen Einkommen arbeiten. Dass Du den City-Hof als Schandfleck bezeichnest und bezweifelst, dass es bei den Hochhäusern noch etwas zu retten gibt, stimmt mich nachdenklich. So solltest Du doch wissen, dass es bei der Schönheit wie bei der Kunst ist: ihre Bewertung ist subjektiv, sie liegt im Auge der Betrachter*innen. Dazu möchte ich anmerken, dass der City-Hof einmal anders ausgesehen hat und wieder aussehen kann. Und überlass bitte uns – um was wir kämpfen. Der Abriss des Gängeviertels in der Neustadt war schon beschlossene Sache, die Abrissbagger standen im Grunde schon vor der Tür. Und was ist passiert? Der City-Hof befindet sich noch immer in städtischer Hand – es wurde weder ein Kaufvertrag unterschrieben noch liegen den zuständigen Behörden Abriss- und Bauantrag vor !!

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