Praktische Papst-Hilfe : Sauber! Friseur für Obdachlose am Petersplatz

An einer der beliebtesten Touristenattraktionen Roms tut sich Ungewöhnliches: Unter den Kolonnaden am Petersplatz können Obdachlose jetzt nicht nur duschen – sie bekommen auch einen kostenlosen Haarschnitt. Möglich macht es eine Initiative von Papst Franziskus. Und in Australien kümmern sich zwei junge Studenten um die dreckige Kleidung von Obdachlosen: Sie sind mit dem ersten mobilen Waschsalon in Brisbane unterwegs.

Unter den Kolonnaden am Petersplatz gibt es seit Montag eine neue Attraktion – jedoch nicht für Touristen, sondern für die Obdachlosen der italienischen Hauptstadt: Papst Franziskus hat – gewissermaßen direkt vor seiner Haustür – einen kleinen Friseursalon für Obdachlose eingerichtet. Hier gibt es fortan ein Mal die Woche einen kostenlosen Haarschnitt von ehrenamtlich arbeitenden Schülern der römischen Friseur-Akademie, berichtet tagesschau.de: „Es gibt viele Obdachlose hier in der Gegend. Uns gefällt diese Initiative“, sagt deren Präsident Michele Quaglieri.

Ein Obdachloser küsst ein Foto von Papst Franziskus. Foto: Claudio Peri (picture alliance/dpa)
Ein Obdachloser küsst ein Foto von Papst Franziskus. Foto: Claudio Peri (picture alliance/dpa)

Bereits in der Woche zuvor waren drei Duschen für Obdachlose fertiggestellt wurden. Dies hatte der Almosenpfleger des Papstes, der polnische Erzbischof Konrad Krajewski veranlasst, nachdem ein obdachloser Mann seine Einladung in ein Restaurant abgelehnt habe, weil er sich wegen seines ungepflegten Aussehens und Geruchs schäme, so Radio Vatikan. Nun erhalten die Obdachlosen direkt am Petersplatz einen Hygienebeutel mit frischer Unterwäsche, Handtuch, Duschgel und Deo. Das durch Spenden des Vatikans finanzierte Angebot erfreue sich bei der Zielgruppe großer Beliebtheit, so das Hamburger Abendblatt: „Es ist wunderbar, hier arbeiten Menschen mit Herz“, so eine Obdachlose.

Aber nicht alle Römer freuen sich: Kritiker bemängeln, dass durch die sanitären Anlage „das Werk des Kolonnaden-Architekten“ gestört werde. Andere fürchten, dass sich zu den Obdachlosen, die bisher schon am Petersplatz Platte machen, weitere gesellen könnten. Die Kritik kontert der Vatikan jedoch gelassen: „Wir Christen sollten das akzeptieren“, ließ ein Vatikan-Sprecher verlautbaren.

Australien: Frische Unterstützung für Obdachlose

Um dreckige Hosen, Shirts und andere Kleidungsstücke von Obdachlosen kümmert sich eine Initiative im australischen Brisbane: Orange Sky Laundry ist der erste rollende Waschsalon des Landes.

Lucas Patchett und Nicholas Marchesi haben einen Sprinte rzum mobilen Waschsalon für Obdachlose umgerüstet. (Foto: INSP/Orange Sky Laundry.)
Lucas Patchett und Nicholas Marchesi haben einen Sprinter zum mobilen Waschsalon für Obdachlose umgerüstet. (Foto: INSP/Orange Sky Laundry.)

„Wir fanden großartig, was für Arbeit die mobilen Essensausgaben leisten, aber stellten fest, dass der Hygieneaspekt bislang noch nicht so beachtet wurde“, sagt Lucas Patchett (20), der das Projekt gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Studienkollegen Nicholas Marchesi im Sommer 2014 ins Leben rief. Der spendenfinanzierte, quietschorangene Sprinter, in dessen Laderaum sich zwei Waschmaschine und zwei Trockner befinden, fährt nun an fünf Tagen die Woche seine Runde. Halt macht er zumeist an etablierten Essensausgabestellen. Während die Obdachlosen essen, kann nebenbei ihre Wäsche durchlaufen.

Die Initiatoren haben festgestellt, dass es um mehr geht als um dreckige Wäsche: „Wenn man erst einmal die Klamotten in die Maschine geworfen hat, hat man 45 Minuten Zeit. Die Leute bleiben in dieser Zeit da und wir können mit ihnen sprechen. Dabei kriegen wir mit, was es für Probleme gibt und können sie an geeignete Stellen weiterleiten.“ Bis Jahresende wollen Lucas und Nicholas ihren Dienst im ganzen Land anbieten.

Text: Simone Deckner, Laura Smith/INSP
Fotos: Claudio Peri (picture allicance/dpa), Orange Sky Laundry

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