Feuer in Wilhelmsburg : Obdachloser verliert sein „Zuhause“

Vom Schlafplatz des Obdachlosen ist nur noch Schutt und Asche übrig. Foto: ATW

In Wilhelmsburg ist zum Jahresende der Schlafplatz eines Obdachlosen abgebrannt. Die Polizei vermutet, dass fahrlässiger Umgang mit Feuerwerkskörpern die Brandursache sein könnte und sucht Zeugen.

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Verbrannte Kleider, zerstörtes Baumaterial, verkohlte Lebensmittel: Das ist alles, was das Feuer von dem notdürftigem Zuhause übrig gelassen hat. Die breite Plane, die der Obdachlose über sein Lager gespannt hatte, ist völlig geschmolzen. Zwischen dem Schutt liegen die Reste von Brettspielen, Zeitschriften, sogar ein paar selbstgebaute Kunstobjekte sind dabei. Der Bewohner der Platte hat eine kreative Ader.

Der Schlafplatz des Obdachlosen am Veringkanal im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg war vor einem Jahr in einem Musikvideo der Band Feine Sahne Fischfilet zu sehen. Zum Song „Zuhause“ erklären darin verschiedene Menschen, was der Begriff für sie bedeutet. „Möglichst trocken halt“, sagt der Obdachlose vom Veringkanal.

Als er am Morgen des 29. Dezember zu seiner Platte kam, fand er nur noch Schutt vor. So hat er es der Polizei am selben Nachmittag nach deren Angaben berichtet. „Wer hat das gemacht?“, will ein Passant aus dem Stadtteil wissen, als er an der Brandstelle vorbeikommt. „Ich kann das nicht verstehen.“ Der Mann kannte den Bewohner vom Sehen, wie viele in Wilhelmsburg.

Entstand der Brand durch Feuerwerkskörper?

Die Frage nach der Brandursache muss nun die Polizei klären. Die findet nach eigenen Angaben bei einer Inaugenscheinnahme keine Hinweise auf Brandbeschleuniger. Die Brandermittler vermuten, dass das Feuer durch den fahrlässigen Umgang mit Feuerwerkskörpern entstanden sein könnte. Sie suchen nun mögliche Zeugen, die etwas beobachtet haben.

Und sie suchen den Obdachlosen, dessen Platte durch das Feuer zerstört wurde, denn ihn haben sie vor Ort nicht angetroffen. Wo er untergekommen ist, ist auch Hinz&Kunzt nicht bekannt. Nachbarn aus dem Stadtteil machten sich auf die Suche nach ihm, um ihn mit Decke und Zelt zu versorgen. Ob sie ihn gefunden haben, wissen wir nicht.

Über die Autoren
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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