Flüchtlinge in der Stadt : Mittendrin statt außen vor

Nicht im abgelegenen Industriegebiet, nicht nahe einer Autobahnabfahrt: In zentraler Lage in Altona-Nord sollen 80 Flüchtlinge ab Herbst unterkommen. Das sehen die Pläne der Sozialbehörde für das Moritz-Liepmann-Haus in der Alsenstraße vor. 

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Ab September/Oktober 2015 sollen im Moritz-Liepmann-Haus 80 Flüchtlinge unterkommen.

Jetzt wurden die Planungen für das Moritz-Liepmann-Haus bei einer öffentlichen Anhörung vorgestellt. Die Unterkunft liegt mitten in Altona – nicht wie viele andere öffentliche Unterkünfte in abgelegenen Gewerbegebieten (wie etwa der Berzeliusstraße). Und: nicht mehrere hundert Menschen sollen hier auf engstem Raum leben, sondern 80.

Nach dem Umbau soll das zweigeschössige, 200 Quadratmeter große Haus, das früher für die Re-Integration von Häftlingen in die Gesellschaft genutzt wurde, vor allem Platz für Flüchtlingsfamilien bieten. Angestrebt werde „ein Anteil von nicht mehr als 30 Prozent Alleinstehenden“, sagt Martin Leo, Geschäftsbereichsleiter Wohnen beim Betreiber fördern und wohnen (f&w). Genauere Pläne lägen zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht vor. Auch ob und wenn ja, wie viele Wohnungslose zusammen mit den Flüchtlingen dort untergebracht werden, sei noch nicht entschieden. „Das muss passen“, so Leo. Klar sei: Flüchtlinge und Obdachlosen dürften bei der Suche nach Unterkünften nicht „gegeneinander ausgespielt werden.“

Die 80 Personen sollen sich auf insgesamt 37 Zimmer verteilen – bei einer Belegung von zwei bis maximal vier Personen. Küchen, Duschen, Wasch- und Sozialräume teilen sich die Bewohner. Im Garten soll eine Spielmöglichkeit für Kinder eingerichtet werden. Fördern und wohnen wird vor Ort einen Mitarbeiter einsetzen, der Ansprechpartner für die 80 Bewohner ist. Zu wenig, kritisierte der Linken-Abgeordnete Horst Schneider.

Die rund 35 Zuhörer beschäftigte vor allem eine Frage: Wie kann man sich ehrenamtlich engagieren und die Flüchtlinge beim Einleben in der Nachbarschaft unterstützen? Bezirksamtsleiterin Liane Melzer verwies auf „die vielen engagierten Beratungseinrichtungen im Stadtteil“. So liegt etwa der Bürgertreff Altona-Nord direkt gegenüber. Hier macht ein Mal pro Woche die rollende Kleiderkammer Wilhelmsburg Halt. Auch das Frauenberatungszentrum FLAKS ist nur wenige Minuten entfernt. Ein Vertreter des Umsonst-Ladens in der Stresemannstraße wies darauf hin, dass sich die neuen Bewohner auch dort mit Dingen des täglichen Bedarfs ausstatten könnten. Die Verantwortlichen auf dem Podium freuten sich über das Engagement. Für f&w verwies Martin Leo auf die Koordinationsstelle für Ehrenamtliche, bei der sich Interessierte melden können.

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Öffentliche Anhörung zu neuen Unterkunft in der Aula der Theodor-Haubach-Schule. Rund 35 Nachbarn kamen.

Doch gerade die Koordination der vielen Freiwilligen kostet Geld. Ein positives Signal hierzu kommt unterdessen aus Harburg: Bund und Stadt fördern die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit dort mit über 100.000 Euro. „Durch die finanziellen Ressourcen erhalten die Initiativen die Möglichkeit, eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung des Bezirksamts.

Ein Ansatz, der auch in Altona und anderswo Schule machen sollte. Die Voraussetzungen hierfür sind gut. Bei der Anhörung wurde keine einzige kritische Stimme laut. „Wir begrüßen das Haus“, so einer der anwesenden Anwohner.

Text und Fotos: SIM

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