Kaltmieten gestiegen : Mietenspiegel 2015 vorgestellt

Mieter zahlen schon wieder mehr: Laut neuem Mietenspiegel sind die Preise um durchschnittlich 6,1 Prozent gestiegen. Mietervereine fordern deshalb mindestens 3000 Sozialwohnungen jährlich. Die Stadtentwicklungssenatorin setzt weiter auf Mietpreisbremse und Wohnungsbau.

Dorothee Stapelfeldt LPK
Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt spricht von einer „dynamischen Entwicklung“ des Hamburger Wohnungsmarkts.

Die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt sind erneut gestiegen. Im Durchschnitt zahlten die Hamburger laut Mietenspiegel 8,02 Euro pro Quadratmeter netto kalt. Mit durchschnittlich 6,1 Prozent Erhöhung sind die Mietpreise seit April 2013 noch stärker angestiegen als in den zwei Jahren zuvor. Damals zeigte der Mietenspiegel noch einen Durchschnittsmietpreis von 7,56 Euro pro Quadratmeter an.

Am Mittwoch stellte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) den Mietenspiegel 2015 im Rathaus vor. „Die Entwicklung des Mietenspiegels zeigt, dass der Hamburger Wohnungsmarkt weiterhin dynamisch ist“, sagte sie. „Wir stehen daher vor der Herausforderung, auch zukünftig für mehr bezahlbaren Wohnraum in Hamburg zu sorgen.“

Der Mieterverein zu Hamburg schlägt Alarm angesichts der neuen Zahlen. „Der beängstigende Mietenanstieg bedeutet, dass nicht nur Haushalte mit niedrigeren Einkommen, sondern auch Normalhaushalte in Hamburg immer größere Schwierigkeiten haben, ihre Mieten zu zahlen“, kritisiert der Vorsitzende Siegmund Chychla. Dem Mieterverein zufolge reicht das Wohnungsbauprogramm des Senats bei Weitem nicht aus. Er fordert mindestens 8000 neue Wohnungen pro Jahr, mindestens 3000 davon sollten Sozialwohnungen sein.

Nach Ansicht von Dorothee Stapelfeld hat der Senat schon ausreichende Maßnahmen ergriffen. Die Senatorin setzt auf die Wirkung der Mietpreisbremse, die seit Juli 2015 in ganz Hamburg gilt. Sie sieht vor, dass bei Neuvermietungen die Preise den Mietenspiegel nicht mehr als zehn Prozent übersteigen.

Beim Wohnungsneubau hält die Senatorin an den bisherigen Zielen fest. Demnach sollen jedes Jahr mindestens 6000 bis 7000 Wohnungen fertig werden. Etwa ein Drittel davon sollen Sozialwohnungen werden. Hinzu kommen Neubauten, in denen zunächst Flüchtlinge wohnen sollen. Später werden diese Wohnungen allen Hamburgern zur Verfügung stehen, verspricht die Senatorin.

Ob zusätzliche Wohnungen automatisch niedrigere Mietpreise nach sich ziehen, ist jedoch fraglich. Wohnungen, die 2011 oder später gebaut wurden, kosten laut aktuellem Mietspiegel zwischen 11,60 Euro und 14,42 Euro netto kalt. Der Mietpreis pro Quadratmeter ist also überdurchschnittlich hoch in den Neubauten, die unter Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) fertig wurden.

Altbauten besonders betroffen

Rund drei Viertel aller Hamburger wohnen zur Miete. Steigende Mieten treffen besonders diejenigen, die in sogenannten normalen Wohnlagen leben – in den guten Wohnlagen sind die Mietpreise deutlich geringer angewachsen. Die höchsten Steigerungen verzeichnen die Statistiker für Mieter, deren Wohnungen zwischen 1919 und 1948 gebaut wurden: In diesem Segment wurden durchschnittlich 11,2 Prozent mehr Miete fällig als noch vor zwei Jahren. Um rund 1,3 Prozent günstiger dagegen wurden Wohnungen der Baualtersklasse 1968 bis 1977.

Der Mietenspiegel erfasst alle Wohnungen in Hamburg, für die der Mietpreis innerhalb der vergangenen vier Jahre erhöht oder neu vereinbart wurde. Alle zwei Jahre wird der Mietenspiegel neu ermittelt. Er dient als Richtwert bei der Festsetzung neuer Mietpreise, aber auch zur Kontrolle von Forderungen der Vermieter.

Auf der neuen Internetseite www.mietenspiegel.hamburg.de gibt die Stadt einen Überblick über die Wohnlagen in Hamburg. Hier können Mieter auch anhand von Wohnungsdaten die ortsübliche Vergleichsmiete selbst ermitteln.

Text: Annabel Trautwein
Fotos: Rainer Sturm/ pixelio.de, Annabel Trautwein

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