Trotz Mietpreisbremse : Mieten steigen in Hamburg um fünf Prozent

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (Bildmitte) stellte im Rathaus am 5. Dezember den neuen Mietenspiegel vor. Foto: JOF

Die Mietpreise sind in Hamburg in den vergangenen zwei Jahren erneut stark gestiegen. Laut Mietenspiegel liegt die Durchschnittsmiete inzwischen bei knapp 8,50 Euro pro Quadratmeter.

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Im Unterschied zur Erhebung 2015 sind die Mieten in Hamburg um weitere 5,2 Prozent gestiegen. Die bloße Prozentzahl mag auf den ersten Blick wenig beeindrucken. Deutlicher wird die Dimension des Anstiegs, wenn man die Entwicklung des Verbraucherpreisindex als Vergleich heranzieht. So stiegen die Preise für Lebensmittel, Bekleidung oder auch Telefonverträge im gleichen Zeitraum durchschnittlich um lediglich 1,7 Prozent.

Dramatisch sind die Auswirkungen der steigenden Mietpreise vor allem im günstigen Preissegment. In Hamburg gibt es nur noch gut 80.000 Sozialwohnungen. Viele Geringverdiener und Hilfeempfänger leben daher in anderen, noch günstigen Wohnungen. Doch das Angebot wird immer knapper. 2015 kostete jede dritte Wohnung nicht mehr als 6,50 Euro pro Quadratmeter. Jetzt liegen nur noch 22,7 Prozent der Wohnungen in diesem Preissegment.

„Die hohen Mieten machen es nicht nur Geringverdienern, sondern auch Mieterhaushalten mit durchschnittlichem Einkommen besonders schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden“, bemängelt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Leider habe die Wohnungsbauoffensive nicht zur Entspannung des Wohnungsmarkts geführt.

Vielmehr lässt sich seit Ende der 2000er Jahre ein rasanter Preisanstieg beobachten. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Mieten um fast zwei Euro gestiegen. Das sind mehr als 30 Prozent“, kritisiert Sylvia Sonnemann von Mieter helfen Mietern (MHM). Um den rasanten Anstieg der Mieten zu drosseln, hatte der Senat auf Bundesebene 2015 extra die neue Mietpreisbremse auf den Weg gebracht. Doch zahlreiche Ausnahmen führen dazu, dass die Bremse ihre Wirkung verfehlt.

Die Sprecher beider Mietervereine fordern deswegen den Senat auf, sich auf Bundesebene für eine Verschärfung der Mietpreisbremse einzusetzen und mit Hilfe des Wirtschaftsstrafgesetzes eine Handhabe gegen Mietpreisüberhöhung einzuführen.

Hohe Mieten machen es nicht nur Geringverdienern, sondern auch Mieterhaushalten mit durchschnittlichem Einkommen besonders schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden– Siegmund Chychla, Mieterverein zu Hamburg

Zahnlos blieb die 2015 eingeführte Mietpreisbremse vor allem bei Nachkriegsbauten. Hier stiegen die Preise teilweise um mehr als zehn Prozent an. Aber auch moderate Steigerungen haben für den einzelnen Mieter massive Auswirkungen. Lag die Miete für eine 50 Quadratmeter große Wohnung in einem gut gelegenen Schumacher-Bau aus den 1920er zuletzt bei etwa 470 Euro netto kalt, so droht dem Mieter jetzt eine Mieterhöhung von knapp 70 Euro pro Monat.

Ein Ende der Preisspirale ist weiterhin nicht in Sicht. Erneut flossen in den Mietenspiegel keine alten Bestandsmieten, sondern nur Mieten ein, die in den vergangenen vier Jahren erhöht wurden, kritisiert Sylvia Sonnemann: „Die Konstruktion des Mietenspiegels ist ein gesetzlich verordneter Preistreiber, den die noch aktive Bundesregierung zu ändern versprach.“

Kurz vor Weihnachten sind die drohenden Mieterhöhungen für die Hamburger eine bittere Nachricht. Die MHM-Sprecherin Sonnemann aber fordert die Betroffenen dazu auf, sich trotzdem zu wehren. Die Erfahrung aus der langjährigen Beratung zeige, dass ein Drittel der Mieterhöhungen sich abwehren lasse, weil Vermieter falsche Forderungen stellen.

 

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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