Neue Flüchtlingsunterkünfte : „Mehr als ein Zelt bieten“

Die Stadt reagiert auf die verschärfte Flüchtlingssituation und hat am Mittwoch die Pläne für neue Unterkünfte konkretisiert. Alle Bezirke haben bereits infrage kommende Flächen vorgeschlagen. 5600 neue Wohneinheiten bis Ende 2016 geplant.

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5600 Wohnheinheiten sollen jetzt schnell hochgezogen werden.

„Wir stehen vor einer enormen Herausforderung“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Mittwoch im Rathaus. Stapelfeldt bezog sich auf die Flüchtlingssituation: Allein im September suchten mehr als 10.000 Menschen Schutz in Hamburg. Mittelfristiges Ziel sei es, „Menschen mit Bleibeperspektive mehr als ein Zelt oder eine Baumarkthalle“ zu bieten, so Stapelfeldt.

Die Pläne:
Bis Weihnachten 2016 sollen daher in allen sieben Bezirken insgesamt 5600 zusätzliche Wohneinheiten entstehen (Hinz&Kunzt berichtete). Dabei handelt es sich nicht um Erstaufnahmestellen, sondern ausschließlich um Folgeunterkünfte „im Standard des sozialen Wohnungsbaus“. Die Wohnungen sollen für 15 Jahre ausschließlich als öffentliche Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt werden. Betreiber ist fördern & wohnen. Danach sollen die Wohnungen auf den freien Wohnungsmarkt kommen.

Die Flächen:
Matthias Kock, Staatsrat der Stadtentwicklungsbehörde (BSW) stellte die bislang vorgeschlagenen und von der BSW geprüften Flächen vor, die für den Neubau infrage kommen. Diese sind im

  • Bezirk Altona: Suurheid/Rissen
  • Bezirk Eimsbüttel: Duvenacker/Eidelstedt und Ellerbeker Weg/Schnelsen, weitere Flächen werden geprüft
  • Bezirk HH-Nord: Osterfeldstraße/Eppendorf
  • Bezirk Mitte: zwei Flächen östlich Haferblöcken am Öjendorfer See (noch unter Vorbehalt)
  • Bezirk Wandsbek: Rehagen/Hummelsbüttel und Glashütter Landstraße/Hummelsbüttel und Ohlendieck, Poppenbüttler Berg/Poppenbüttel sowie Elfsaal/Jenfeld
  • Bezirk Harburg: „Sandbek-West“/Neugraben-Fischbek
  • Bezirk Bergedorf: Mittlerer Landweg/Billwerder

Baubeginn ist voraussichtlich in Bergedorf. Denn vor allem Eimsbüttel und HH-Nord haben aufgrund ihrer bereits stark verdichteten Bauweise Probleme, geeignete Flächen zu finden. Zudem sind einige der Flächen derzeit noch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen – Proteste von Umweltschützern scheinen programmiert. „Ich bin sicher, dass wir und mit allen Beteiligten einigen können“, zeigte sich Stapelfeldt jedoch optimistisch.

Obwohl durch die neuen Unterkünfte verhindert werden soll, dass Flüchtlinge obdachlos werden, hilft die Maßnahme den rund 2.000 Obdachlosen, die bereits jetzt in Hamburg auf der Straße leben, zunächst nicht. Stapelfeldt verwies in diesem Zusammenhang auf die gesetzlichen Grundlagen für das „einmalige Programm“, das sich allein auf den Ausbau von Unterkünften für Flüchtlinge und Asylsuchende beschränke (Hinz&Kunzt berichtete). Genehmigt werden die Flüchtlingsunterkünfte auf Grundlage von planungsrechtlichen Erleichterungen im Baugesetzbuch. Noch sind jedoch keine Verträge mit den Bauherren unterschrieben, so Staatsrat Kock. Am Fertigstellungsplan Weihnachten 2016 soll trotzdem nicht gerüttelt werden.

„Es ist gut, wenn diese Wohnungen jetzt schnell gebaut werden“, sagt Gabi Brasch, zuständiger Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg. „Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass alle, die wohnungslos sind ein Dach über dem Kopf haben; egal ob es sich um einen syrischen Flüchtling oder eine Hamburger Obdachlose handelt. Warum werden neben dem Bau von Wohnungen für Flüchtlinge nicht endlich die Freistellungsgebiete aufgehoben, dass bringt ohne weitere Kosten jährlich rund 600 Wohnungen für Wohnungslose. Warum vermietet die SAGA GWG im Rahmen der normalen Fluktuation nicht viel mehr Wohnungen vorrangig an Wohnungslose? Das könnten noch einmal bis zu 4000 Wohnungen sein.“

Text: SIM
Foto: lichtkunst.73/pixelio.de

 

 

1 Kommentar zu “„Mehr als ein Zelt bieten“

  1. Wie arm müssen wir eigendlich noch sein, das wir uns das so gefallen lassen, das diese Flüchtlinge in eine Art Getto leben werden ?? Würden wir das gut heißen, wenn es ein Wohngebiet mit nur 4000 Wohnungslosen geben würde ??

    Ich bestimmt nicht, diese Menschen sollen unter uns leben und wohnen, und nicht in ihrem Stadtteil vor sich hin leben !!

    Ich verstehe gar nichts mehr, ich als (wir) HINZ&KÜNZLER- (innen), können so etwas gar nicht gut heißen. Wir wissen doch wo so etwas hinführen kann, oder haben wir schon Billbrookdeich vergessen ??

    Auch wenn viele behaupten, das so etwas nie wieder passieren wird, wo ist die Garantie da für ?? Sie können uns keine Garantie da für geben, haben sie selbst gesagt. Ich bin ja da für, das wir diese Menschen auf nehmen, aber nicht unter solchen menschenunwürdigen Bedingungen !! Anstatt uns alle mit zu nehmen, wird hier selektiert, die einen bekommen etwas, die anderen läßt man außen vor, auch wenn einige sagen werden: „Das man das nicht mit ein ander vergleichen sollte !!“

    Ich habe auch da für Verständnis wenn das hier so nicht stehen bleibt, was ich gescdhrieben habe. Ich bin da gegen, das es ein Stadtteil geben soll, wo 5600 Menschen leben sollen, die mal geflüchtet sind !! So etwas braucht diese Stadt bestimmt nicht mehr, aber wer mit dem Rücken zur Wand stehet, kann nur so handeln !!

    Mal abwarten, wie das weiter gehen soll, wenn die ersten hinter der Ecke vor kommen, die so etwas nicht tollerieren werden, weil es undemokratisch ist . Ich hoffe, das sie nicht gleich als fremdenfeindlich betitelt werden !!

    E. Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

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