Jungfernstieg : Mahnwache erinnert an verstorbene Obdachlose

Open the Hotels: Obdachlose sollten während der Pandemie in Hotelzimmern untergebracht werden. Foto: BELA

Mit einer Mahnwache haben am Mittwoch Sozialarbeiter an die fünf Obdachlosen erinnert, die seit Silvester in Hamburg gestorben sind. Ihre Forderung an den Senat: Hotelzimmer für Obdachlose!

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Fünf tote Obdachlose binnen weniger Tage – das gab es in Hamburg noch nie. Deshalb haben Sozialarbeiter von Hinz&Kunzt und der Diakonie am Mittwoch zu einer Mahnwache am Jungfernstieg aufgerufen. Und zwar in Sichtweite zum Rathaus, in dem gleichzeitig die Hamburgische Bürgerschaft tagte.

„Wir haben große Sorge, dass noch mehr Menschen auf der Straße sterben, wenn es richtig kalt wird“, sagte Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer am Rande der Versammlung. „Ich glaube, dass die Hamburger Bevölkerung auf unserer Seite ist und auch findet, dass der Senat mehr tun muss!“ Viele hätten Verständnis dafür, dass zahlreiche Obdachlose Angst vor den Großunterkünften mit ihren Mehrbettzimmern hätten – gerade in Zeiten der Pandemie. „Der Maßstab sollte sein, was die Menschen brauchen, um zur Ruhe zu kommen“, so Karrenbauer.

„Wir brauchen jetzt kurzfristige Lösungen, weil die Menschen nicht in die Massenunterkünfte gehen“, sagte auch Johan Grasshof, Straßensozialarbeiter bei der Diakonie. Corona habe die Lage auf der Straße noch einmal verschärft: „Die Leute sind verzweifelt, müde und geschwächt und suchen den ganzen Tag nach Möglichkeiten, sich auszuruhen.“

Das Sterben auf Hamburgs Straßen geht weiter
Weiterer Todesfall 
Das Sterben auf Hamburgs Straßen geht weiter

Zwischen Silvester und dem 8. Januar waren in Hamburg fünf Obdachlose auf der Straße verstorben. Unter den Oppositionsfraktionen in der Bürgerschaft hatte das für viel Kritik am Senat gesorgt. CDU und Linkspartei forderten erneut, die Obdachlosen in Hotels unterzubringen, die während der Pandemie die Großunterkünfte des Winternotprogramms meiden und auf den Straßen verelenden. Bislang lehnt der Senat das ab. Stattdessen haben zivilgesellschaftliche Organisationen mehr als 120 Obdachlose in Hotels untergebracht – mit Spendengeldern.

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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