Zwangsvermietung : Leerstand in Hamm bald beendet

Noch laufen die Sanierungsarbeiten in der Ohlendorffstraße. Foto: Jonas Füllner

Weil ein Hausbesitzer seine Wohnungen in Hamm jahrelang leerstehen ließ, lässt der Bezirk Mitte sie zwangsweise vermieten. Im Oktober können endlich die ersten Mieter einziehen.

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Gerade sind noch die Maler in den leerstehenden Wohnungen der Ohlendorffstraße am Werke, doch dann können nach jahrelangem Leerstand endlich wieder Mieter einziehen. Weil der Eigentümer sich geweigert hatte, die sechs Wohnungen zu vermieten, hatte das Bezirksamt Mitte im Februar eine Hausverwaltung als Treuhänder eingesetzt.

Und die hat erstmal saniert: Das Dach wurde neu gedeckt, neue Fenster eingesetzt und Sanitäreinrichtungen erneuert. Durch den jahrelangen Wohnungsleerstand war die Abwasseranlage im Keller defekt und musste aufwendig repariert werden. Die Rechnung für all das muss der Eigentümer bezahlen.

Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) geht erstmals in letzer Konsequenz gegen Leerstand vor. Foto: Lena Maja Wöhler

Das Hamburgische Wohnraumschutzgesetz verbietet es Immobilienbesitzern, ihre Wohnungen ohne guten Grund leerstehen zu lassen. Als letztes Mittel hat die Stadt die Möglichkeit, sie über einen Treuhänder zwangsweise zu vermieten.

Nach jahrelangem Hin und Her hat Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) diese Möglichkeit nun erstmals ausgeschöpft. Weil der Eigentümer des Hauses in der Ohlendorffstraße das Amt immer wieder hinhalten wollte: „Verarschen lasse ich mich nicht“, sagte Droßmann der Hamburger Morgenpost.

Damit greift erstmals ein Bezirk gegen grassierenden Leerstand durch. Wohnungssuchende haben es in Hamburg äußerst schwer, während viele Immobilienbesitzer ihre Wohnungen einfach leerstehen lassen. Nach Angaben des Bezirks haben sich mehr als 100 Interessenten auf die Annoncen des Treuhänders gemeldet. Ende des Monats sollen nach Hinz&Kunzt-Informationen Besichtigungstermine stattfinden. Die ersten Mieter könnten dann vermutlich im Oktober einziehen.

„Erfahrungen für ähnliche Fälle sammeln“

Die Zwangsvermietung in Hamm wird auch von anderen Bezirksämtern mit Interesse verfolgt. Wahrscheinlich ist es nicht das letzte Mal, dass die Stadt mit so harten Bandagen gegen Vermieter vorgeht: „Wir wollen das einmal ordentlich zum Abschluss bringen, um Erfahrungen für ähnliche Fälle zu sammeln“, sagt Bezirkssprecherin Sorina Weiland gegenüber Hinz&Kunzt.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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