Containern : Lebensmittelretten bleibt strafbar

Lebensmittel zu retten gilt laut Gesetz als Diebstahl. Justizsenator Till Steffen wollte das Containern entkriminalisieren. Foto: Lena Maja Wöhler

Die Justizminister der Länder haben den Vorschlag von Hamburgs Justizsenator Till Steffen abgelehnt, Containern zu erlauben. Stattdessen wollen sie es Supermärkten erleichtern, Lebensmittel zu spenden. Hinz&Kunzt schlägt Lebensmittelschränke vor den Filialen vor.

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Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) ist mit seinem Vorstoß, das sogenannte Containern zu legalisieren, gescheitert. Er hatte vorgeschlagen, das Strafgesetzbuch oder den Eigentumsbegriff zu überarbeiten, sodass es künftig erlaubt wäre, weggeschmissene Lebensmittel aus Mülltonnen zu retten. Doch seine Idee bekam auf der Justizministerkonferenz in Travemünde am Donnerstag keine Mehrheit. „Leider konnten wir die Ministerinnen und Minister von der Union nicht überzeugen, weil sie unbedingt an der Strafverfolgung festhalten wollen“, sagte Steffen nach der Sitzung.

Trotzdem hat sein Vorstoß etwas in Bewegung gebracht: In einem Beschluss der Minister heißt es, Straf- und Zivilrecht böten keinen Ansatz, das Problem der Lebensmittelverschwendung zu lösen: „Vielmehr ist die Verschwendung noch verwertbarer Lebensmittel von vornherein zu vermeiden.“ Um dieses Ziel zu erreichen, bitten die Minister die Bundesregierung „alternative Abgabeformen von Lebensmitteln zu entwickeln, die es insbesondere großen Lebensmittelanbietern ermöglichen, Lebensmittel freiwillig und ohne Nachteile an Dritte, etwa die Tafeln für Bedürftige, abzugeben.“ Dazu sollen alle relevanten rechtlichen Vorschriften untersucht werden, die durch so eine Regel betroffen wären, so die Bitte der Länderminister.

Hinz&Kunzt schlägt Lebensmittelschränke vor Supermärkten vor

Hinz&Kunzt hat einen konkreten Vorschlag für so eine „alternative Abgabeform“: „Es wäre für Supermärkte ein großer Imagegewinn, wenn sie in öffentlichen Schränken Lebensmittel an Bedürftige ausgeben würden, statt sie wegzuschmeißen“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Daraus könnte man sogar ein Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose machen, findet er: Sie könnten für Reinigung und Instandhaltung der Lebensmittelschränke zuständig sein.

Karrenbauer könnte sich sogar Hinz&Kunzt als Kooperationspartner für so ein Projekt vorstellen. „Wir haben bereits jahrelange Erfahrung, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zusammenzubringen: Bei Spende dein Pfand am Hamburger Flughafen und den BrotRettern in Bergedorf.“ In unserem Kooperationsprojekt mit der Bäckerei Junge verkaufen Hinz&Künztler Backwaren vom Vortag zum kleinen Preis. Dem Umsatz in den anderen Filialen tat das übrigens keinen Abbruch.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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