Trotz Wohnungsbau : Immer weniger Sozialwohnungen in Hamburg

10.674 Wohnungen wurden in Hamburg im vergangenen Jahr fertiggestellt. Nicht einmal jede vierte war eine Sozialwohnung. Foto: Actionpress / Christina Czybik

Keine andere deutsche Stadt baut so viel wie Hamburg. Trotzdem schrumpft die Zahl der Sozialwohnungen weiter zusammen. Aktuell gibt es in Hamburg weniger als 80.000 Sozialwohnungen.

Erstmal ist es eine gute Nachricht: Niemand baut so viele Wohnungen wie Hamburg, bescheinigte das Institut der deutschen Wirtschaft der Hansestadt jüngst in einer neuen Studie. Auf 10.000 Einwohner kamen hier im vergangenen Jahr 58 neue Wohnungen – die höchste Zahl unter den sieben deutschen Großstädten mit mehr als 600.000 Einwohnern. Damit liegt Hamburg deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 35 neuen Wohnungen. Klar, dass dieses Zeugnis im Hamburger Rathaus für Freude sorgte. Applaus kam auch von einem Genossen aus Berlin: „So geht gutes Regieren“, twitterte euphorisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs aus dem Wahlkreis Hamburg-Mitte.

Insgesamt wurden in Hamburg 2018 insgesamt 10.674 Wohnungen fertiggestellt. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren: Ähnlich hoch war das Bauvolumen zuletzt vor mehr als 20 Jahren. Allerdings: nicht einmal jede vierte der jetzt fertiggestellten Wohnungen ist eine Sozialwohnung. Betrachtet man statt der Anzahl der Wohnungen die Summe der neugebauten Quadratmeter, ist das Verhältnis noch dramatischer: Nur 20,76 Prozent waren dann staatlich gefördert und damit bezahlbar.

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Unter dem Strich nahm deshalb trotz massivem Neubau die Zahl der Sozialwohnungen in der Stadt wie in den Vorjahren weiter ab. Denn allein im vergangenen Jahr fielen 3118 Sozialwohnungen aus der Preisbindung und können nun teurer vermietet werden. Der Neubau von 2466 geförderten – also für eine bestimmte Zeit preisgebundenen – Wohnungen konnte den Verlust nicht ausgleichen.

Hamburg braucht neue Rekorde beim Wohnungsbau

Anfang des Jahres gab es daher nur noch 77.362 Sozialwohnungen in Hamburg. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 118.000. Allein zum vergangenen Jahreswechsel waren 2914 alte Sozialwohnungen aus der Preisbindung gefallen. Um ein dauerhaftes Absinken der unter die 80.000er-Marke zu verhindern, müssten jetzt neue Rekorde beim Wohnungsbau aufgestellt werden.

Senat und Saga versuchen gegenzusteuern. Das städtische Wohnungsunternehmen will künftig mit dem Bau von jährlich 2000 preiswerten Wohnungen pro Jahr beginnen. Der Senat wiederum stellt Bauherren inzwischen Förderbeträge für jährlich 3000 Sozialwohnungen zur Verfügung. Vorgesehen sind in diesem Jahr 138 Millionen Euro. 2018 waren es knapp 100 Millionen Euro. Und als Hamburg noch von CDU und Grünen (2008 bis 2010) regiert wurde, waren es nur rund 80 Millionen, die jährlich bereitstanden.

Über den Autor
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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