Hinz&Künztler Gheorghe : „Ich vermisse meine Heimat“

Gheorghe verkauft Hinz&Kunzt vor Edeka in Schwarzenbek. Am liebsten würde er zurück in sein Heimatland Rumänien gehen. Doch dort sieht er für sich und seine Familie keine Perspektive.

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Gheorghe könnte zufrieden sein. Er ist glücklich in seiner Beziehung. Seinen beiden Kindern geht es gut. Und nach schwierigem Start hat er für seine Familie inzwischen eine Wohnung gefunden. Die ist winzig, aber das notwendige Geld für Miete und den Alltag verdient sich der 31-Jährige mit dem Verkauf von Hinz&Kunzt. „Aber ich vermisse meine Heimat“, sagt der gebürtige Rumäne.

Doch eine Rückkehr in sein Land ist für Gheorghe derzeit nicht möglich. Er hat dort keine Aussicht auf Arbeit. Es gibt noch nicht mal Gelegenheitsjobs und somit keine Perspektive für ihn und seine Familie. In Hamburg hingegen konnte Gheorghe am Anfang zumindest Flaschen sammeln; er hofft, dass er ­irgendwo eine Anstellung als Reinigungskraft oder Lagerarbeiter erhält.

Seit sieben Jahren bei Hinz&Kunzt

Gefunden hat er bisher solch einen Job nicht. Dafür wurde er Hinz&Kunzt-Verkäufer, als er vor sieben Jahren erst einmal allein nach Hamburg kam. Damals gab es so gut wie keine rumänischen Zeitungsverkäufer. „Ich bin Nummer 2“, sagt Gheorghe nicht ohne Stolz. Anfänglich schlief er bei Bekannten oder mietete sich teuer in Hostels ein. Seine Frau zog nach, ihre heute neunjährige Tochter Rebecka blieb damals in Rumänien bei der Großmutter. Erst vor vier Jahren änderte sich die Situation, als die Eltern ihre erste Wohnung fanden. Als sie Rebecka abholten, war es der bis heute letzte Besuch in der Heimat.

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Direkt in der Nachbarschaft besucht Rebecka seitdem die Grundschule. Sie spricht inzwischen fließend deutsch und kann bei komplizierten Fragen für ihren Vater übersetzen. Aber auch sie vermisst ihr altes Zuhause. „Alle meine Freunde sind dort“, sagt sie.

Überbelegung, überhöhte Miete, mangelhafte Instandhaltung

Die Wohnung in Hamburg findet sie „doof“. Dabei ist es ein wunderschöner Altbau. Von außen. Drinnen bröckelt der Putz von den Wänden. Die Fenster klemmen. Die Heizung ist außer Betrieb. Damit die Familie und besonders sein kleiner Sohn nicht frieren, hat Gheorge auf eigene Kosten eine Elektroheizung angeschafft. Die frisst Unmengen an Strom. Ihm ist es egal. Er zahlt pauschal 500 Euro. Für ein Zimmer. Küche und Bad teilt sich die Familie mit weiteren Rumänen. Es sind Zustände wie in der Seehafenstraße. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Hinz&Kunzt über die ausbeuterischen Verhältnisse in dem Wohnhaus in Heimfeld berichtet.

„Tochter ist traurig. Aber wie soll ich Wohnung finden?“– Gheorghe

Gheorghe hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen: Überbelegung, überhöhte Miete, mangelhafte Instandhaltung und leider auch eine Kakerlaken-Plage. Als Mopo, Hinz&Kunzt und andere darüber berichteten, keimte bei Gheorghe die Hoffnung auf Verbesserung auf. Doch der Vermieter kümmert sich weiterhin nicht um sein Haus. Und als Rumäne wiederum hat Gheorghe keine Chance auf dem Wohnungsmarkt. „Tochter ist traurig“, sagt Gheorghe in gebrochenem Deutsch. „Aber wie soll ich Wohnung finden?“

Wenn er schon keine Wohnung findet, warum mindert er dann nicht wenigstens seine Miete, könnte man sich fragen. Aber der junge Rumäne hat Angst, seine Wohnung zu verlieren. Deswegen hat Gheorghe Anfang Januar wie immer pünktlich seine Miete bezahlt. Bar. ­Ohne Beleg. Hauptsache, es gibt keine Probleme, denn für die Familie ist Obdachlosigkeit die größte Gefahr.

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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