Kolumne #kleingartenlife :
Höhere Ziele

In so ein Hochbeet passt ganz schön was rein. Foto: Dmitrij Leltschuk

Wenn der Journalist zum Gärtner wird: Benjamin Laufer ist im Hochbeet-Fieber – und muss sich eingestehen, dass er den Gemüseanbau unterschätzt hat.

Hinz&Kunzt Randnotizen

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Die Sache mit dem Hochbeet hatte ich mir so einfach vorgestellt! Alte Futterkisten mit Erde füllen, Gemüsesamen rein und dann im Herbst fette Ernte einfahren. Und zwar ohne ständig auf allen vieren das Unkraut rausreißen zu müssen, sondern angenehm rückenschonend. Inzwischen gibt es die Dinger ja auch im Discounter. Sogar Altkanzler Schröder hat eins, das kann man auf Instagram bestaunen. Wie schwer kann es also sein, ein Hochbeet zu bewirtschaften?

Sie ahnen bereits: Einfach ist es nicht. Denn ein Hochbeet ist viel mehr als nur ein höhergelegtes konventionelles Gemüsebeet. Das hätte ich natürlich wissen können, bevor ich die schicken Holzkisten bestellt habe. Ob ich unbewusst einem Vintage-Hochbeet-Trend hinterherlaufe? Wäre mir zwar peinlich, ist aber leider nicht auszuschließen.

Doch sich mit dem Hochbeet-Wesen auseinanderzusetzen, lohnt sich. Man braucht zunächst ein komplexes Mehrschichtsystem im Beet, zu dem ein Fachmann mir riet: Auf die unterste Schicht aus dicken und dünneren Ästen folgt eine aus Grassoden, die verhindern, dass feinerer Grünschnitt nach unten durchrutscht. Dann kommt eine Lage Kompost vom Recyclinghof und ganz oben eine Mischung aus Kompost und Mutterboden (alternativ geht auch Pflanzerde aus dem Baumarkt, aber bitte ohne Torf). Der Hochbeet-Trick: Äste und Grünschnitt verrotten nach und nach und setzen so über die Jahre ständig neue Nährstoffe frei. Das Hochbeet düngt sich quasi von selbst – sehr praktisch, wenn man so bequem ist wie ich. 

Natürlich kann man in das fertige Hochbeet nicht einfach reinpflanzen, wonach einem der Sinn steht. Wäre ja noch schöner! Als Erstes gehören sogenannte Starkzehrer ins Beet, die gut mit dem anfänglich hohen Stickstoffgehalt umgehen können: Tomaten, Kartoffeln, Zucchini zum Beispiel. Und es gilt, noch viel mehr Gartenwissen zu pauken: Neben die Karotten pflanzt man etwa Zwiebeln, weil die beiden als gute Nachbarn gelten und sich gegenseitig die Schädlinge vom Hals halten. Das führt wiederum zur Fruchtfolge: Wo in diesem Jahr Kopfkohl oder Sellerie wachsen, dürfen Sie diese Sorten für drei Jahre nicht pflanzen! Sonst könnten die für Weichfäule verantwortlichen Bakterien sich im Beet halten. Das kann ja niemand wollen! Googeln Sie mal „Pflanzplan“ – ich verspreche, Sie werden sich im Wirrwarr der Gemüseregeln anfangs kaum zurechtfinden.

Ich gebe zu, ich bin damit immer noch überfordert, so wie mit vielen anderen Baustellen im Garten (Obstbaumschnitt wäre auch so ein Thema, das immer komplizierter wird, je mehr man sich damit beschäftigt). Doch während ich das hier schreibe, schiele ich rüber zur halben Süßkartoffel, die auf meiner Fensterbank fleißig Wurzeln im Wasserglas schlägt. Gleich darf sie ins Hochbeet umziehen, wo sie hoffentlich von der Wärme profitiert, die beim ständigen Zersetzungsprozess in der unteren Etage entsteht. Spätestens bei der Ernte im Herbst hat sich der ganze Theoriekram endlich gelohnt.

Autor:in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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