Studie des Paritätischen Gesamtverbands : Hartz-IV-Empfänger*innen werden immer ärmer

Die Diakonie und der Paritätische Gesamtverband fordern als Soforthilfe die sofortige Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV und Altersgrundsicherung um 100 Euro pro Kopf und Monat. Foto: Knut F. Domrik / pixelio.de

Wer Hartz IV bezieht, kann sich nicht gesund ernähren und nicht wie andere am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die Situation spitzt sich von Jahr zu Jahr weiter zu, zeigt eine neue Studie des Paritätischen Gesamtverbands.

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Um gerade einmal sieben Euro will die Bundesregierung zum kommenden Jahr den Regelsatz für Hilfeempfänger erhöhen – 439 Euro pro Monat erhöhen. Viel zu wenig, bemängeln unisono die Wohlfahrtsverbände.

Aus einer jetzt vorliegenden Studie des Paritätischen Gesamtverbands geht hervor, dass vor allem für eine gesunde Ernährung das Geld nicht ausreicht. Arbeitslosen Single-Haushalten stehen aktuell rechnerisch 150,60 Euro pro Monat für Essen zur Verfügung. Die Diskrepanz ist gewaltig zu dem, was Bundesbürger für angemessene Ausgaben für eine gesunde und ausgewogene Ernährung erachten. Die Angaben einer repräsentativen forsa-Untersuchung für das, was gebraucht wird, liegen demnach bei 300 Euro pro Erwachsenen. Die Folge: Der Geldmangel führt zu deutlich niedrigeren Standards bei der Ernährung.

„Hartz IV schützt nicht vor Armut, sondern manifestiert sie“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. „Millionen Menschen sind von der gesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung abgekoppelt, ausgegrenzt und werden immer weiter abgehängt.“ Als Beleg für soziale Isolierung führt Schneider an, dass mehr als ein Viertel aller Single-Haushalte im Hilfebezug sich nicht einmal einen Internetanschluss leisten können.

Untersucht wurde in der Studie zugleich das Ausmaß der Armut. Bei 1035 Euro lag 2018 die sogenannte Armutsschwelle in Deutschland, unterhalb derer der Erwerb aller lebensnotwendigen Ressourcen nicht mehr möglich ist, also Armut einsetzt. Während Singles im Hilfebezug 2010 nur 192 Euro unter der damaligen Grenze lagen, beträgt der Unterschied jetzt schon 265 Euro.

„Leistungsbeziehende werden immer ärmer. Was für ein menschenwürdiges Leben nötig ist, findet sich im Regelsatz nicht wieder“, kritisiert daher auch Maria Loheide. Das Vorstandsmitglied für Sozialpolitik der Diakonie Deutschland fordert: „In der Corona-Krise hat sich die Situation weiter verschärft. Darum sind mindestens 100 Euro mehr pro Monat als Soforthilfe für Menschen mit Grundsicherung dringend nötig.“

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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