Bowling-Turnier für Hinz&Kunzt : Ex-Hinz&Künztler sammelt Spenden

Vom "schwarzen Schaf" zum Spender: Richard Edel hilft jetzt Hinz&Kunzt. Foto: Mauricio Bustamante

Richard Edel verkaufte viele Jahre Hinz&Kunzt und war schwer drogenkrank. Inzwischen ist er clean, hat einen Job – und hat für uns ein Bowling-Benefizturnier organisiert.

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Tiefe Lachfalten sind Richard Edels Markenzeichen. Heute sind sie besonders ausgeprägt, denn der schlanke 52-Jährige hat gute Nachrichten. „250 Euro sind bei meinem Bowling-Turnier zusammengekommen“, verkündet er stolz und schwenkt ein gut gefülltes Hinz&Kunzt-Spendenhäuschen. Wir sind überrascht. Und irgendwie auch gerührt, weil die Spende von einem kommt, der viele Jahre als Verkäufer nur negativ aufgefallen ist.

„Ja, ich weiß, ich war ein schwarzes Schaf“, sagt der frühere Hinz&Künztler, der jahrelang auf der Straße gelebt hat und schwer drogenkrank war. Das ­Straßenmagazin hat er damals verkauft, wo und wann er wollte. Und sich auch sonst an keine Regel gehalten. Sogar im Knast ist er gelandet: Insgesamt sechs Jahre hat Richard wegen Scheckbetrug, Verstoß gegen das Betäubungsmittel­gesetz und Schwarzfahren im Gefängnis verbracht. „Ich war froh, meine Drogensucht durch den Magazinverkauf decken zu können. Sonst hätte ich sie illegal finanzieren müssen.“

Als hibbeligen Junkie kann man sich Richard heute kaum noch vorstellen. Die dunklen Haare sind akkurat gegelt, Hemd und Jeans könnten in der Waschmittelwerbung bestehen. Dafür hat Richard Edel aber auch einen langen Weg zurückgelegt. „Ich war ganz unten“, sagt er. Geholfen haben ihm schließlich die letzte Entgiftung und Therapie vor rund zehn Jahren. „Ich war so bedürftig und habe so viel verdrängt. Das waren harte Zeiten, aber ich habe sie gut genutzt. Ich bin stolz auf mich.“

„Ich verdanke Hinz&Kunzt so viel und möchte nun im Kleinen etwas zurückgeben.“– Richard Edel

Nach der Therapie ging es aufwärts. Richard zieht in eine Nachsorge-WG, schließlich in eine Wohnung, die ihm von Hinz&Kunzt vermittelt wird. Er macht einen Gabelstapler-Schein, bildet schließlich sogar andere Staplerfahrer aus. Weitere Stapler-Scheine folgen und ein fester Job bei einer Zeitarbeitsfirma. „Alles war super. Aber irgendwann wurde mir langweilig“, erzählt Richard. „Mein Leben bestand nur aus Arbeit, Essen, Schlafen und einmal die Woche in die Sauna.“ Auf der Suche nach Abwechslung entdeckt er vor fünf Jahren das Bowling-Spiel. „Das ist ein mentaler, ein technischer Sport, das mag ich.“ Und er schätzt die Gemeinschaft. „Wir sind eine coole Truppe, in der viel gelacht wird.“

Jetzt hat Richard für uns ein Bene­fiz­turnier organisiert. „Ich verdanke Hinz&Kunzt so viel und möchte nun im Kleinen etwas zurückgeben.“ Das mit dem Kleinen ist auch ganz wörtlich zu verstehen. Damit das Spendenhäuschen nicht ganz so leer aussieht, hat Richard nämlich sein lange gesammeltes Kupfer-Kleingeld quasi als Fundament hineingelegt. „Hat funktioniert“, stellt er fest. Unterstützt wurde er dabei von der US Play Billbar und der Croque Company. Nun ist er auf den Geschmack gekommen. Im Herbst soll es ein weiteres Turnier geben: „Die 250 Euro müssen wir toppen“, sagt er – und grinst.

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Über den Autor
Sybille Arendt
Sybille Arendt
Sybille Arendt ist seit 1999 dabei - in der Öffentlichkeitsarbeit und der Redaktion.

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