Waschen ist Würde : Duschbus für Obdachlose startet

Dominik Bloh (links) und Chris Poelmann von der gemeinnützigen GoBanyo GmbH freuen sich: In einem ehemaligen Linienbus der Hochbahn können von nun an Obdachlose duschen. Foto: Mauricio Bustamante.

Am heutigen Freitag wurde der Hamburger Duschbus für Obdachlose vorgestellt, am Wochenende bricht er zur ersten Tour auf. Seit dem Frühjahr lief dafür eine Crowdfunding Kampagne. Damit stehen für die mindestens 2000 Obdachlosen in Hamburg wenigstens 20 Duschen bereit.

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Duschen in voll ausgestatteten Badezimmern bietet der neue Duschbus für Obdach­lose, der ab diesem Monat durch die Stadt fahren wird. Weil das hygienische Angebot für Menschen auf der Straße – 17 Duschen – vorne und hinten nicht reicht, startete die Initiative „Gobanyo“ im Frühjahr ein Crowdfunding – mit großem Erfolg:
Knapp 3500 Menschen spendeten fast 170.000 Euro.

„Sehr schnell vermeidet man es, sich anderen Menschen zu nähern – weil man Angst hat, den Ekel in ihren Augen zu sehen“, schildert Dominik Bloh die Perspektive von Obdachlosen. Der 30-Jährige ist der Initiator des Duschbusses. Weil er zehn Jahre seines Lebens immer wieder auf der Straße gelebt hat, weiß Bloh, was der Mangel an Waschmöglichkeiten mit Menschen macht: „Wenn man immer dreckig ist, wenn man als Dreck wahrgenommen wird, dann fühlt man sich irgendwann wie Dreck.“

Der umgebaute ehemalige Hochbahn-Bus fährt an vier Tagen die Woche (Montag, Donnerstag, Samstag und Sonntag) zunächst drei Standorte an: den Harald-Stender-Platz vor dem Millerntorstadion, den Fischmarkt und den Steintorplatz (Ecke Brockestraße) vor dem Museum für Kunst und Gewerbe. Die Benutzung ist kostenlos, den Betrieb sichern zwei Festangestellte sowie ehrenamtliche Helfer. „Waschen ist Würde“, sagt Dominik Bloh. „Jeder sollte das Recht auf eine Dusche haben.“

„Wir wollen vor allem die Menschen erreichen, die gar keinen Anschluss haben.“– Gülay Ulas, Mitgründerin

Eine kleine Kleiderkammer im Bus bietet zudem frische Unterwäsche und Notfall­kleidung. Ein Vorzelt soll Wartende nicht nur vor Regen und Kälte schützen, sondern auch vor Blicken Neugieriger. Das Projekt verstehe sich nicht als Lösung aller Probleme, sondern als Brücke zu bestehenden Hilfsangeboten, sagt Mitgründerin Gülay Ulas: „Wir wollen vor allem die Menschen erreichen, die gar keinen Anschluss haben. Die so sehr in der Obdachlosigkeit stecken, dass sie den nächsten Schritt noch gar nicht gehen können.“

Damit stehen in Hamburg nun 20 Duschen für die mindestens 2000 Obdachlosen bereit, die auf Hamburgs Straßen leben. 17 befinden sich in den Tagesaufenthalts­stätten, so der Senat. In der Antwort auf eine Bürgerschaftsanfrage der Linken teilte er zum hygienischen Versorgungsangebot zuletzt mit, man werte Ergebnisse eines Fachtages aus, „um Handlungsempfehlungen abzuleiten“.

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Über den Autor
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit September 2019 Volontär in der Hinz&Kunzt-Redaktion.

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