Sozialwohnungen : Diese Berufsgruppen sollen bevorzugt werden

Sozialwohnungen in der Flüchtlingssiedlung am Gleisdreieck. Foto: Dmitrij Leltschuk

Bei der Vergabe von 2000 Sozialwohnungen will der Senat bestimmte Gruppen bevorzugen – „in Einzelfällen“ auch dann, wenn sie eigentlich kein Anrecht auf eine geförderte Wohnung hätten.

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Nicht nur Zöllner und Studierende sollen bei der Vergabe von Sozialwohnungen bevorzugt werden. Auch Angestellten der Hochbahn, Pflege- und Krankenhauspersonal, Polizeianwärtern, Anwärtern der Steuerverwaltung und dem „allgemeinen Verwaltungsnachwuchs“ will die Stadtentwicklungsbehörde ein Vorrecht bei der Vergabe geförderter Wohnungen einräumen. Das hat nun eine Senatsantwort auf eine kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann (Linke) ergeben.

Hinz&Kunzt hatte berichtet, dass dabei auch „in Einzelfällen“ die Einkommensgrenzen außer Kraft gesetzt werden sollen, die eigentlich für den Bezug dieser Wohnungen gelten. Dies diene der „Umsetzung des Ziels der Durchmischung und Stabilisierung der neuen Quartiere“, heißt es nun vom Senat. Dabei geht es um die bis zu 2000 Wohnungen in den Flüchtlingsunterkünften des Projekts „Perspektive Wohnen“, die nach und nach dem Wohnungsmarkt geöffnet werden sollen.

„Soziale Kompetenz, ein guter Umgang mit den Mitmenschen ist keine Frage des Berufs.“– Heike Sudmann (Linke)

Die Begründung des Senats stößt bei der Abgeordneten Sudmann auf Unverständnis. Dass Angehörige bestimmter Berufsgruppen „als sozial verträglichere Menschen bevorzugt werden“ sollen sei eine „unverschämte Beleidigung“ für  Menschen mit wenig Einkommen: „Soziale Kompetenz, ein guter Umgang mit den Mitmenschen ist keine Frage des Geldes oder Berufs“, sagt Sudmann gegenüber Hinz&Kunzt. Die Konkurrenz um preisgünstige Wohnungen werde durch das Vorgehen weiter verschärft.

Am Ende verlieren Obdachlose

„Wir wüssten auch eine Bedarfsgruppe, die dringend günstigen Wohnraum benötigt: Obdachlose“, sagt Hinz&Kunzt Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Würden Sozialwohnungen auch an Besserverdienende vergeben, hätten am Ende Obdachlose bei der Wohnungssuche das Nachsehen. „In 2000 Sozialwohnungen könnten wir auf einen Schlag alle Obdachlosen der Stadt unterbringen“, sagt Karrenbauer. „Aber das ist offensichtlich nicht gewollt.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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