Sternbrücke wird abgerissen : Der Senat will die Monsterbrücke wirklich bauen

So soll die Sternbrücke nach dem Abriss aussehen. Visualisierung: DB Netz AG/Vössing Ingenieursgesellschaft

Auch nach erneuter Prüfung von Alternativvorschlägen will der Senat die Sternbrücke in Altona abreißen und durch einen gigantischen Neubau ersetzen lassen. Opposition und NGOs protestieren.

Die Initiative Sternbrücke hat wirklich alles versucht, um den Abriss der Sternbrücke und den Bau der „Monsterbrücke“ zu verhindern. Erst am Wochenende protestierten Anwohner*innen und Denkmalschützer*innen noch für den Erhalt der Straßenbäume, die bei einem Abriss der historischen Brücke in Altona gefällt werden müssten. Gerade ältere Straßenbäume seien „in Zeiten des Klimawandels überlebenswichtig, weil sie die Temperaturen in den Städten deutlich senken und damit das Risiko von Hitzetoden senken“, hieß es. Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club hatte die Initiative noch im Juni die Verkehrswende als Argument gegen den geplanten Abriss ins Feld geführt, schließlich war ein Argument dafür immer der zunehmende Verkehr unter der Brücke gewesen. Der müsse eben reduziert werden, wenn es auf der Straße zu eng werde, so die Forderung damals.

Doch es nützte nichts. Zwar hatten die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen im Sommer eine Prüfung von kleineren Alternativen zum gigantischen Neubauentwurf in Auftrag gegeben – ein Lichtblick für seine Gegner*innen, denn eigentlich war die „Monsterbrücke“ bereits beschlossene Sache. Das war kurz nachdem der Grüne Anjes Tjarks den Posten des Verkehrssenators übernommen hatte. Doch ausgerechnet der bekräftigt nach der Prüfung nun die Pläne – und argumentiert eben mit dem zunehmenden Verkehr. „Man muss leider feststellen, dass die aktuelle Sternbrücke ein Hemmschuh für die Mobilitätswende in Hamburg ist“, zitiert die taz den Senator. Für eine zusätzliche Bus- und Radspur auf der Stresemannstraße brauche es mehr Platz unter dem Bauwerk. Deswegen soll die „Monsterbrücke“ kommen, ohne störende Stützpfeiler darunter – obwohl die Straße den Raum für zusätzliche Spuren wegen zu enger Bebauung ein Stück weiter gar nicht hergibt.

Kritik von Denkmalverein, Architektenkammer und Opposition

Die Kritik an der Entscheidung kam postwendend. Von einem „städtebaulichen Desaster“ spricht etwa der Denkmalverein, der eng mit der Initiative Sternbrücke verbunden ist, in einer Stellungnahme. Die Architektenkammer bemängelt, dass städtebauliche und architektonische Kriterien unberücksichtigt geblieben wären. „Bei einem Projekt dieser Bedeutung für das Quartier wie auch für die gesamte Stadt ist es unerlässlich, maximal transparent zu agieren, in einem Wettbewerbsverfahren unterschiedliche Varianten entwickeln zu lassen und die für die Stadt beste und verträglichste Lösung zu finden“, sagte die Präsidentin Karin Loosen.

„An dieser Stelle wird sehenden Auges ein Stadtquartier ruiniert!“– Anke Frieling, CDU

Auch die Opposition in der Bürgerschaft spart nicht mit Kritik. Die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion sprach von einer Provokation. Die geplante Brücke widerspreche allen Ideen für eine autoarme Innenstadt, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Heike Sudmann. „Sie wird zum Symbol für die Nicht-Bürgerbeteiligung in Hamburg. Sie treibt die seit Jahren anhaltende Luftverschmutzung von Altona voran. Sie verschandelt den Stadtteil“, so Sudmann. Die CDU erinnerte an die Kollateralschäden eines Neubaus: Häuser müssten abgerissen werden, Menschen müssten umziehen, Clubs und Restaurants bräuchten neue Räume. „Jetzt wird nicht mehr ‚gut regiert‘, sondern brachial durchregiert“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Anke Frieling. „Schade – an dieser Stelle wird sehenden Auges ein Stadtquartier ruiniert!“

Die Initiative Sternbrücke will indes noch nicht aufgeben und hat angekündigt, weiter gegen den Abriss  vorzugehen. „Wir rechnen mit weiteren Protesten im Viertel, wir werden unsere Rechte im Rahmen der öffentlichen Auslegung und Anhörung zur Planung wahren, Klagen gegen den Brückenbau sind in Vorbereitung“, hieß es in einer ersten Stellungnahme.

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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