Neueröffnung in Ottensen : Das Sonnenschein Café zieht um

Anwohner und Obdachlose können wieder im Sonnenschein Café zusammenkommen. Statt in der Schanze, jetzt aber in Ottensen. Foto: Mauricio Bustamante

Das Sonnenschein Café hat ein neues Zuhause gefunden! Mitten in Ottensen dient es von nun an wieder jeden Sonntag als Anlaufstelle für Obdachlose und Nachbarn.

Ein Café, in dem Obdachlose und Nachbarn gemeinsam ihren Sonntag verbringen. Das ist die Idee hinter dem Sonnenschein Café. Bislang war der Treffpunkt in der Hamburger Botschaft im Schanzenviertel untergebracht. Dort ging es aber im Mai 2019 nicht mehr weiter, weil die Hamburger Botschaft ihren Betrieb eingestellt hat. Seitdem war das Team des Sonnenschein Café auf der Suche nach einer geeigneten Ausweichmöglichkeit.

Nach einem Aufruf der Hilfsorganisation Hanseatic Help ist dann kürzlich der Kontakt zum Besitzer der Mathilde Bar in Ottensen entstanden, berichtet Gülay Ulas, die zum ehrenamtlichen Organisationsteam gehört. Dort war Sonntag bisher eigentlich Ruhetag. Seit Anfang September ist damit aber Schluss und die Bar wird von 13 bis 17 Uhr zum Treffpunkt von Obdachlosen und Nachbarn.

„Wir freuen uns auf die neue Nachbarschaft in Ottensen.“– Gülay Ulas vom Organisationsteam

Als Hinz&Kunzt am zweiten Sonntag nach der Wiedereröffnung vorbeischaut, sind die Räumlichkeiten gut gefüllt mit Freiwilligen und Besuchern – und die Erwartungen der Veranstalter um den Verein Clubkinder sind erfüllt. Es sei schon deutlich voller als in der Woche zuvor Woche, erzählen etwa Saskia, Maria und Henning, ebenso Teil des Teams wie Gülay, die meint: „Wir freuen uns auf die neue Nachbarschaft in Ottensen.“

Um das Angebot in der neuen Gegend noch bekannter zu machen, wollen sie in den nächsten Wochen gezielt Obdachlose rund um den Altonaer Bahnhof ansprechen, in der Hoffnung, dass die genauso in das Café kommen werden, wie die Besucher in der Schanze.

Teilweise tun sie das aber auch jetzt schon. Hinz&Künztler Holger zum Beispiel ist das erste Mal hier: „Ich wurde von meinem Kumpel mitgenommen“, sagt er. In der Schanze hat er das Cafe nicht besucht, „weil das nicht meine Ecke ist.“ In Ottensen fühlt er sich wohler und sitzt mit einem Stück Kuchen in der Sonne vor dem wiedereröffneten Café.

In Ottensen füllt das Sonnenschein Café eine Lücke: Vergleichbare Angebote, die Obdachlosen eine Anlaufstelle bieten aber eben auch Kontakt zur Nachbarschaft herstellen, gab es hier bislang nicht.

Zu den Besuchern, die auch schon in der Schanze dabei waren, gehört Biggy, die ebenfalls sichtlich zufrieden mit den neuen Räumlichkeiten ist: „In der Schanze war bisschen mehr Turnhallenfeeling, hier ist es noch gemütlicher“, findet sie.

Allerdings sind die neuen Räume etwas kleiner als die alten, sodass keine Kleiderkammer mehr angeboten werden kann. Dafür fehlen Lagermöglichkeiten. Andere Aktionen, etwa dass ein Friseur vorbeikommt, um den Obdachlosen die Haare zu schneiden oder dass das Krankenmobil die Besucher medizinisch versorgt, soll es aber auch in Zukunft wieder geben.

Damit die alten Besucher vom Umzug in die neuen Räumlichkeiten erfahren, hat das Team bei Facebook informiert und eine Telefonkette gestartet. Und um die Neuigkeiten auch an Besucher ohne Telefon oder Internet zu bringen, gibt es Helfer wie Hinz&Künztler Thomas: „Wenn ich von Leuten weiß, die kein Telefon oder Facebook haben, erzähle ich ihnen auf der Straße, was es Neues gibt.“

Das Sonnenschein Café hat jeden Sonntag zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. Zu finden ist es in den Räumen der Mathilde Bar Ottensen in der Kleinen Rainstraße 11.

Über den Autor
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit September 2019 Volontär in der Hinz&Kunzt-Redaktion.

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