Bürgerschaft : CDU fordert neue Studie über Obdachlose in Hamburg

Der Plenarsaal der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: Action Press/Public Address

Die Stadt soll erforschen lassen, wieviele Obdachlose derzeit in Hamburg auf der Straße leben – und warum. Das fordern die Christdemokraten in der Bürgerschaft. Hinz&Kunzt begrüßt den Vorstoß, sieht aber auch Risiken.

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So eine Zählung gab es zuletzt im Jahr 2009. Der damalige Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) hatte eine Studie in Auftrag gegeben, um die Lage der Obdachlosen in Hamburg zu erforschen. Das Ergebnis: 1029 Menschen lebten damals in der Hansestadt auf der Straße. An dieser Zahl hat die Stadt daraufhin ihre Sozialpolitik ausgerichtet.

Seitdem ist viel passiert. Die Anzahl der Obdachlosen ist stark angestiegen, sind sich Experten aus der Wohnungslosenhilfe sicher. Die Diakonie schätzt die Anzahl der Menschen auf der Straße auf 2000 oder mehr. Doch aktuelle offizielle Zahlen gibt es nicht, der rot-grüne Senat verweist immer wieder auf die inzwischen acht Jahre alte Erhebung.

CDU: Ursachen der Obdachlosigkeit werden kaum bekämpft

Die CDU will nun eine neue Studie über die Anzahl der Obdachlosen anfertigen lassen – und über die Gründe, aus denen sie auf der Straße landeten. Hamburg habe zwar viele Beratungsangebote für Obdachlose, die allerdings „kaum die Ursachen der Obdachlosigkeit“ bekämpfen würden, heißt es in einem Antrag der Christdemokraten an die Bürgerschaft: „Die Wahrheit ist nämlich, dass zu wenig über die Häufigkeit und Verteilung der verschiedenen Ursachen bekannt ist.“

Auch der laut CDU „inzwischen hohe Anteil an Osteuropäern“ unter den Obdachlosen soll bei der Studie Berücksichtigung finden: Unter den Forschern sollen nach den Vorstellungen der CDU auch welche sein, die Polnisch, Bulgarisch und Rumänisch sprechen. Mit der Untersuchung soll noch im ersten Halbjahr 2017 begonnen werden.

Hinz&Kunzt: Untersuchung birgt Chancen und Risiken

Hinz&Kunzt sieht einer neuen Untersuchung mit gemischten Gefühlen entgegen. „Man kann den Menschen auf der Straße langfristig nur helfen, wenn man ihre Probleme genau kennt“, sagt Hinz&Kunzt Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer.

„Die neue Untersuchung könnte als Rechtfertigung für die Vertreibung von bestimmten Obdachlosen genutzt werden.“– Stephan Karrenbauer

Allerdings fällt der CDU-Antrag in eine Zeit, in der die Stadt eine Spaltung der Obdachlosen vorantreibt: Während die Unterkünfte für Menschen mit Anspruch auf Sozialleistungen endlich ausgebaut werden, erhalten manche Osteuropäer nicht einmal mehr Zugang zum städtischen Erfrierungsschutz im Winternotprogramm. „Ich fürchte, die neue Untersuchung könnte als Rechtfertigung für die Vertreibung von bestimmten Obdachlosen genutzt werden“, sagt Sozialarbeiter Karrenbauer.

Entscheidung über Studie vertagt

Die Bürgerschaft hat am Mittwoch einstimmig entschieden, den CDU-Antrag in den Sozialausschuss zu überweisen. Dort wollen die Abgeordneten ausführlich darüber debattieren. Mit ähnlichen Anträgen waren zuvor allerdings sowohl die Linksfraktion als auch die AfD an der rot-grünen Mehrheit gescheitert.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

1 Kommentar zu “CDU fordert neue Studie über Obdachlose in Hamburg

  1. Eine alte Idee wird wieder aus dem Gefrierfach geholt. Müßte nicht der Mensch im Vordergrund stehen, der wohnungs- beziehungsweise obdachlos gewurden ist. Klar kann man nach den Ursachen forschen, aber ein Obdachloser bleibt ein Obdachloser. Alle Partein sollten sich doch mal fragen, wie so intressiert ihnen kein Wohnungs – beziehungsweise kein Obdachloser ?? Wenn sich alle politisch einig währen, gäbe es doch keine, oder ?? Bei manchen sollte man vorher schon aktiv werden, bevor einer auf die Strasse landet. Weiter hin ist ja die Frage, wollen das denn die Betroffnen, das sie befragt werden, wie so oder weshalb sie wohnungslos sind ??
    Bei ihnen zählt doch nur eins, man soll ihnen helfen, das sie wieder ein Dach über dem Kopf haben, nicht mehr und nicht weniger !!
    Eine schnelle Hilfe für Obdach – so wie Wohnungslose wird es so schnell nicht geben. Denn diese Freie und Hansestadt Hamburg hat doch gar nicht die Mittel, geschweige noch die Unterkünfte. Klar ist eine Studie wichtig, aber was ist denn nach der letzten passiert, und was passiert nach der neuen Studie ??
    Es gibt mehr fragen an die Politik, als Antworten, und die lassen immer zu wünschen übrig. Mir währe es viel lieber, es gäbe ein
    politisches verbindliches Programm, wie diese Stadt Hamburg
    mit Wohnungslose umgehen will, und möchte.
    So lange es dies nicht gibt, nützt uns nicht mal die beste Studie.

    In diesem nachdenklichen Sinn,
    Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

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