Hamburg : 1500 neue Unterkünfte für Wohnungslose

Es gibt viel zu tun: 1500 neue Unterkunftsplätze will die Stadt für Wohnungslose in diesem Jahr schaffen. Foto: Dmitrij Leltschuk.

Hamburg plant einen massiven Ausbau der Unterkunftsplätze für Wohnungslose. Zu den bestehenden 3319 Plätzen sollen im Laufe des Jahres 1500 hinzu kommen, kündigte der Senat an. So viele neue Plätze gab es seit Jahren nicht mehr.

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„Endlich tut sich etwas für die Wohnungslosen in Hamburg!“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Es war längst überfällig, dass etwas passiert.“ Die Stadt will in diesem Jahr für sie 1500 neue Unterkunftsplätze errichten. Im Vorjahr waren es nur 411 – obwohl der Bedarf viel größer ist. Zuletzt war die Zahl der Obdachlosen in Hamburg nach Schätzungen der Wohlfahrtsverbände auf 2000 angestiegen.

Auch die Diakonie Hamburg begrüßt daher den geplanten Ausbau der Unterkünfte für Wohnungslose. Dirk Hauer, Leiter des Fachbereichs Migration und Existenzsicherung, sagt: „Wir freuen uns, dass die Stadt einen wichtigen Schritt gemacht hat, endlich mehr Unterkünfte für die zu schaffen, die ihn am dringendsten brauchen.“

Karrenbauer erwartet, dass die Obdachlosen aus dem Winternotprogramm nicht wieder auf die Straße müssen, sondern gleich in eine Unterkunft ziehen können. Und dass die Menschen, die draußen Platte machen, bald ein Dach über dem Kopf haben. Sie sollten auch nach den Vorstellungen der Diakonie bei der Vergabe zuerst berücksichtigt werden.

Kältetod
Zwei weitere Obdachlose vermutlich erfroren
In Hamburg und Gießen sind zwei Obdachlose mutmaßlich erfroren. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnunglosenhilfe prüft in zehn weiteren Fällen, ob die Kälte für den Tod von Obdachlosen verantwortlich war.

Schließlich ist Obdachlosigkeit deutlich lebensverkürzend, wie eine Hamburger Studie nachwies. In diesem Winter sind schon drei Obdachlose auf der Straße gestorben. „Die meisten Obdachlosen sind gesundheitlich so angeschlagen, dass ihnen die Nässe und Kälte extrem zusetzt“, so Karrenbauer. Dazu müssten die Temperaturen nicht mal unter Null liegen.

Bald 4800 Plätze für Wohnungslose?

Insgesamt gibt es derzeit Platz für 3319 Wohnungslose in Hamburgs öffentlichen Unterkünften. Ende des Jahres könnten es 4800 sein. Hoffnung für die vielen Menschen, die auf einen Platz warten. 200 Wohnungslosen hatte die Stadt zum Jahreswechsel ein Zimmer in einem Hotel angemietet. Und bei den Fachstellen für Wohnungsnotfälle gibt es Wartelisten. Allerdings kann die Sozialbehörde nicht sagen, wie lang sie sind. Fest steht aber: Bislang ist ein Platz in einer Unterkunft keine Selbstverständlichkeit – auch wenn man darauf einen Rechtsanspruch hat.

Weil es in Hamburg trotz des verstärkten Wohnungsbaus zu wenige Sozialwohnungen gibt, haben Wohnungslose auf dem Wohnungsmarkt häufig das Nachsehen. Auch deswegen stieg die Zahl der Wohnungslosen in den städtischen Unterkünften in den vergangenen zwei Jahren um etwa 800 an. „Wir brauchen deswegen ein Wohnungsbauprogramm gezielt für wohnungslose Menschen“, sagt Karrenbauer.

 

Über die Autoren
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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