Kommt ja gar nicht in die Tüte!

Asli, Tom und Leon testen für Hinz&Kunzt, Abc-Schützen und andere Kids

(aus Hinz&Kunzt 162/August 2006)

Schokolade, Wackelpudding und Kaugummi essen Asli (8), Tom (10) und Leon (8) am liebsten. Mit Süßigkeiten kennen sie sich aus. Für Hinz&Kunzt vergleichen sie zwei Schultüten, eine gefüllt mit Produkten aus fairem Handel, die andere mit herkömmlichen Süßigkeiten und Spielzeug.

Von Piraten und Vampiren

Ludwig von Otting, Geschäftsführer des Thalia Theaters, hat eine Piratengeschichte geschrieben – unter Pseudonym. Das Buch gilt als Geheimtipp in der Kinderbuchszene

(aus Hinz&Kunzt 162/August 2006)

Mit „Der Schrecken der Meere“ hat Kinderbuchautor Ludwig von Otting ein furioses Debüt hingelegt, allerdings unter Pseudonym. Der Geschäftsführer des Thalia Theaters erfand sich unter dem Alias Leuw von Katzenstein ein anderes Aussehen, eine neue Identität. Dabei ist die Lebensgeschichte von Ottings mindestens genauso spannend wie die seines erfundenen skurrilen Autors Katzenstein. Hinz&Kunzt sprach mit beiden, dem realen und dem fiktiven Autor.

„Mit diesem Erfolg hat niemand gerechnet!“

Clean, nur durch kontrollierten Umgang mit der Sucht? Ein Pilotprojekt der Drogenhilfeeinrichtung Palette verläuft erstaunlich erfolgreich.

(aus Hinz&Kunzt 162/August 2006)

Seit Timo mit 20 Jahren das erste Mal Heroin spritzte, baute er sein Leben um Drogen herum auf. Der 41-Jährige lebte jahrelang auf der Straße in der offenen Drogenszene. Oft versuchte er aufzuhören, machte Entgiftungen, bekam die Heroin-Ersatzstoffe Polamidon und Subutex. Nichts funktionierte, immer wieder wurde er rückfällig.

Hartzer Käse

Die Zwischenbilanz der Arbeitsmarktreform fällt verheerend aus. Ein Überblick

(aus Hinz&Kunzt 155/Januar 2006)

Der Behörde fehlt das versprochene Personal. Ursprünglich sollte ein ARGE-Berater für 150 Arbeitslose zuständig sein. Bei unter 25-Jährigen sollte der Betreuungsschlüssel bei 1 zu 75 liegen. Tatsächlich muss sich ein Mitarbeiter um 300 bis 400 Fälle gleichzeitig kümmern.

„Ich sehe was, was du nicht siehst“

Phantasie braucht kein Licht: Wie der blinde Student Jan Twesten (28) Hamburg erlebt

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

Hamburg. Das ist die geilste Stadt überhaupt. Hier bin ich aufgewachsen, hier will ich bleiben. Doch gesehen habe ich meine Stadt noch nie. Dafür höre ich sie täglich, fühle, rieche und schmecke sie – und das wohl intensiver als viele andere.

Brücke zu den Sternen

Hamburgs Kinder-Hospiz – ein Ort, um in Würde Abschied zu nehmen

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

In Hamburg gibt es einen Ort, an dem Kinder und Jugendliche, die unheilbar krank sind, in Frieden sterben können: das Kinder-Hospiz Sternenbrücke. Dass dort nicht nur Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung herrschen, habe ich bei einem Besuch selbst erlebt.

Der Verein wurde 1999 gegründet, das Haus 2003 eröffnet. Schwerkranke Kinder, die eine begrenzte Lebenserwartung haben, können dort mit ihren Familien die letzten Tage verbringen oder auch „Urlaub vom Krankenhaus“ machen.

Zu Hause können die Kinder aus medizinischen Gründen meist nicht mehr gepflegt werden, oft gibt es auch noch Geschwister-kinder, die versorgt werden müssen. Und ein Aufenthalt im Krankenhaus ist weder für die Kinder noch für die Angehörigen schön: weiße Wände, Hektik, das Ziel, Leben auch um den Preis der Würde zu erhalten, und das ständige Gefühl, nicht da zu sein, wo das Leben spielt, machen ein würdevolles Sterben und Abschiednehmen fast unmöglich. Allerdings ist gerade das wichtig für die Angehörigen, um irgendwann weitermachen zu können.

Das Kinder-Hospiz ist anders: Schon die Umgebung der alten Villa im Hamburger Westen, die komplett umgebaut und liebevoll eingerichtet ist, strahlt Ruhe aus. Zwischen hohen alten Bäumen in einem Park steht das große, weiße Gebäude. Zum Interview-Termin werden wir nett begrüßt. Am Eingang fallen gleich die Sterne mit Namen auf, die an die Wand gemalt sind. Es sind die Namen der jungen Patienten, die hier schon einmal zu Besuch waren. Die Wände und die Einrichtung sind ganz in warmem Gelb und Blau gehalten. Nichts lässt hier an Krankenhaus denken.

Wir sprechen mit Uwe Sanneck, Trauerbegleiter, Pädagoge und Gründungsmitglied des Fördervereins Sternenbrücke. Alle, die im Hospiz arbeiten, müssen sich vorher in einem Kurs darauf vorbereiten, erklärt Sanneck. Um die Erlebnisse zu verarbeiten und auch um die Angehörigen möglichst gut unterstützen zu können, dürften sie ihre Trauer, ihre Gefühle niemals verstecken oder herunterschlucken. Denn „jede nicht geweinte Träne schlingt sich um das Herz, und irgendwann zerplatzt es“, sagt Sanneck.

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze des Kinder-Hospizes: helfen durch Offenheit und Gespräche. Denn, wie Sanneck sagt, der Abschied von einem geliebten Menschen könne nicht erleichtert, er könne nur ermöglicht und „gelebt“ werden. Es soll den Hinterbliebenen gezeigt werden, dass sie die Erinnerung an ihr Kind und an den Tod ihres Kindes nicht loslassen, sondern in ihr weiteres Leben integrieren müssen. Er spricht vom „Brücken bauen“, Brücken zu Abschied, Trauer oder tiefer Verzweiflung. Man merkt, dass er nicht nur davon spricht, sondern es tut, hier in der Sternenbrücke.

Im Hospiz sollen die Patienten, hier die Kinder und Jugendlichen, in Würde sterben. Für Uwe Sanneck bedeutet Würde: „bewusst“ sterben, sich nicht vor dem Tod verstecken. Die Patienten sollen möglichst schmerzfrei sterben, und man tut alles dafür, dass die Sterbenden über das, was für sie wichtig ist, bestimmen können und Dinge und Menschen um sich haben, die ihnen lieb sind.

Beim Rundgang durch das Gebäude ist es schon dunkel und das ganze Haus still. Die Zimmer der Kinder sind um einen großen Innenhof angeordnet, der von großen bunten Leuchtkugeln erhellt ist. So entsteht eine Atmosphäre der Zusammengehörigkeit und Ruhe.

Eines der Zimmer gehört David Rudolph. Er ist zehn und leidet an einer Stoffwechselkrankheit. Er kann nicht mehr sehen und nicht mehr sprechen, doch er nimmt seine Umgebung über Geräusche, Gerüche und Berührungen trotzdem genau wahr. Seine Mutter wohnt nicht mit im Kinder-Hospiz, da sie hochschwan-ger ist. Prinzipiell gibt es aber auch Platz für die Familien der jungen Patienten.

Für Eltern ist es der größte Albtraum, gesagt zu bekommen, dass ihr Kind in absehbarer Zeit sterben wird. Solch eine Nachricht zerrüttet die ganze Familienstruktur. Und die Fragen nach dem „Warum“ kann keiner beantworten. Die Menschen reagieren schockiert, hilflos und meist auch wütend auf Gott oder das Schicksal.

Auch für Angehörige, Bekannte und Freunde ist die Situation nicht leicht. Wie soll man mit jemandem umgehen, der weiß, dass er nicht mehr die Möglichkeit hat, sein Leben nach seiner Vorstellung zu gestalten? Doch der Tod eines Kindes, so Sanneck, sei immer auch eine Botschaft. Das Leben der Angehörigen bekommt eine ganz neue Bedeutung, die Wertvorstellungen ändern sich. Auf einmal ist es nicht mehr so wichtig, materiellen Reichtum zu besitzen. Es wird wichtiger, sein Leben zu genießen und sich seines Wertes bewusst zu sein.

Lea Frehse

Fremdgänger

Ausländische Jugendliche über ihr Leben mit den Deutschen

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

Barbaras Blick ist schüchtern und stark zugleich, eine Spur fragend aus dunklen Augen. José grinst breit und guckt sein Gegenüber direkt an, eindringlich und intensiv. Die beiden würden auf die Oberstufe eines Gymnasiums passen oder in einen Uni-Kurs. Sie tragen Strickpullis gegen die unfreund-liche Winter-Nässe und schieben sich die blonden Haare aus dem Gesicht. Beide sind 18, sie kommen aus Eldorado Misiones, einer Stadt im argentinischen Urwald. Ihre Vorfah-en waren deutsche Einwanderer.

Alles PISA!

Die Schülerschule Pinneberg funktioniert ohne Noten, ohne verbeamtete Lehrer und ohne Stundenplan – und das mit Erfolg

(aus Hinz&Kunzt 145/März 2005)

Marie-Laura wundert sich: „Es gibt hier Mädchen, die mir Hallo und Tschüs sagen.“ Das hat sie lange nicht erlebt. An ihrer alten Schule war Marie-Laura nur „die Schlampe“, weil sie sich mit Jungens besser versteht als mit Mädchen. Sie hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, ist schon zweimal sitzen geblieben und hatte Angst vor jedem Morgen. Jetzt probiert sie die Schülerschule in Pinneberg aus.

Hamburg braucht Underground!

Warum ein kleiner Club an der Elbe erhalten bleiben muss

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

Wir haben uns verlaufen. Eine dunkle, menschenleere Straße unten am Hafen. Edle Restaurants für den Tagesbetrieb. Ein exklusives Möbelgeschäft, das für heute schon geschlossen hat. Unsere Schritte hallen von den Wänden hanseatisch-moderner Bürobauten wider. Der Kiez liegt längst hinter uns, doch wir hören bereits wieder leise Bässe. Wir folgen ihnen und gelangen so zu unserem Ziel: dem Hafenklang.

Jugendredaktion 2005

Die Jugendredaktion stellt sich vor

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

Uff! Was für ein Thema sich da ankündigt! Es ist das vierte Treffen der Jugendredaktion, und auf einmal schlägt jemand vor, „Deutsche und Patriotismus“ zum Schwerpunkt des Heftes zu machen. Doch der Reihe nach. Wie jedes Jahr sollte auch 2005 eine Hinz & Kunzt-Ausgabe er-scheinen, die ausschließlich von Jugendlichen zusammengestellt wird. Hier können Jugendliche völlig ungezwungen über ihre Themen schrei-ben und dabei auch ein soziales Projekt kennen lernen. Die Aufgabe von uns beiden war es, dieses Projekt zu leiten. Das bedeutete zu-nächst: Leute zwischen 15 und 24 finden, die Spaß am Schreiben haben, einen Zeitplan erstellen, das erste Treffen organisieren.

Ende September quetschten sich dann 18 Personen um den Tisch im Besprechungsraum. Und ziemlich bald fingen wir an, mit Themenvorschlägen um uns zu werfen: Ein Bericht über eine Clownschule sollte ins Heft, eine Glosse über eine Hassliebe zu Hamburg, ein Porträt des Jugendprojekts „Zirkus Willibald“.

Und schließlich kam jemand auf die Idee mit dem Schwerpunkt. Anlass waren zunehmend nationale Töne in der Popmusik. Plötzlich fingen wir an, kontrovers über das Thema zu diskutieren. Wann wird Patriotismus gefährlich? Ist es überhaupt sinnvoll, Patriot zu sein? Die gesamte Jugendredaktion war von der Debatte ergriffen. Wir entschieden uns für ein moderiertes Gespräch; Auszüge haben wir in dieser Ausgabe abgedruckt. Wenn täglich Songs im Radio zu hören sind, in denen Bands von ihren Gefühlen gegenüber Deutschland erzählen, dann ist das auch ein Thema, mit dem wir Jugendlichen uns auseinander setzen müssen.

Über dem Titelthema sollen all die anderen Artikel nicht vergessen werden. In der Rubrik „Perspektive“ berichten verschiedene Jugendredakteure über Jugendliche mit ungewöhnlichen Lebensweisen und Plänen, in „Initiative“ geht es vor allem um Engagement: Wo setzen sich Jugendliche für andere ein, und wer setzt sich für Jugendliche ein? Auch ein Kulturteil durfte auf keinen Fall fehlen.

Doch genug der Worte – wir hoffen, dass beim Lesen rüberkommt, wie viel Spaß wir beim Organisieren, Recherchieren und Schreiben hatten!

Robert Heuer und Philipp Ratfisch

Das Who is Who der Jugendredaktion: Sarah Stoffers, Pamela Perschnick, Imke Wendt, Robert Heuer, Olivia Bayer, Thekla Ahrens, Lea Frehse, Johanna Langmaack, Philipp Ratfisch, Martin Miotk, Hanning Voigts, Rebecca Ntim, Jana Kischkat und Jonas Goebel.