Gegen Leerstand : Büros werden zu Unterkünften

Eine langjährige Forderung der Obdachlosenhilfe und Hinz&Kunzt wird wahr: Die Stadt will nun endlich auch leerstehende Büros als Wohnraum nutzen. Unterbringung für Flüchtlinge und Obdachlose gefordert.

Rund 1,2 Millionen Quadratmeter Büros stehen leer. (Foto: Peter Stamm/ action press.)
Rund 1,2 Millionen Quadratmeter Büros stehen leer. (Foto: Peter Stamm/ action press.)

Lange schien es unmöglich sein – nun geht es doch: Die Stadt sucht gezielt nach ungenutzten Bürogebäuden, um darin öffentliche Unterkünfte einzurichten. Geprüft werde, „ob und wie viele Flüchtlinge im jeweiligen Gebäude untergebracht werden können“, so Oliver Kleßmann von der Sozialbehörde.

Im Albert-Einstein-Ring in Bahrenfeld haben Asylbewerber bereits ein leeres Bürogebäude bezogen. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte kürzlich von 120.000 Quadratmeter Leerstand berichtet, die für die öffentliche Unterbringung genutzt werden könnten. Diese Zahl wollte die Sozialbehörde nicht bestätigen, sprach aber davon, dass „Verhandlungen über Anmietung oder Kauf weiterer Gebäude laufen.“

Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller: „Wir freuen uns, dass die Stadt jetzt endlich leerstehende Bürogebäude als Wohnraum nutzen will, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Das fordert die gesamte Obdachlosenhilfe und Hinz&Kunzt seit Jahren. Bisher sind wir mit dieser Forderung bei den Behörden aber immer auf Granit gestoßen.“

Tenor der Behörden bislang: Eine Nutzung von Büros als Wohnraum sei nicht möglich, weil Sanitäranlagen und Kochmöglichkeiten fehlen und der Brandschutz nicht ausreiche. „Zum Teil muss da nachgerüstet werden“, heißt es nun dazu aus der Sozialbehörde. Birgit Müller: „Wir fordern, dass die Unterbringung für alle ermöglicht wird – für Flüchtlinge und für Obdachlose.“

Laut Schätzungen gibt es in Hamburg derzeit rund 1,2 Millionen Quadratmeter leerstehende Büroflächen. Seit Anfang Oktober kann die Stadt leerstehende Büro- und Wohnimmobilien beschlagnahmen – auch gegen den Willen des Eigentümers. Grundlage hierfür ist das neue „Gesetz zur Sicherung der Flüchtlingsunterbringung in Einrichtungen“. Grund: Die Stadt weiß nicht mehr, wo sie die steigende Zahl der Flüchtlinge unterbringen soll.

Text: BELA/SIM
Foo: Peter Stamm/action press

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