Winternotprogramm : Behörde will Beratungsangebot ausbauen

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) mit ihrem Sprecher Marcel Schweitzer bei der Vorstellung der Pläne im Rathaus. Bild: BELA.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard hat im Rathaus die Pläne für das Winternotprogramm für Obdachlose vorgestellt. Das Beratungsangebot soll verbessert werden. Eine ganztägige Öffnung lehnt Leonhard jedoch weiterhin ab. 

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Die Sozialbehörde will in diesem Jahr die Beratungsangebote für Obdachlose im Winternotprogramm verbessern. „Wir werden anders als in den Vorjahren auch in den Abend- und Nachtstunden Sozialberater vor Ort haben“, sagte Leonhard am Dienstag bei der Vorstellung des Winternotprogramms im Rathaus. Sie sollen den Obdachlosen bei der Eingliederung ins staatliche Hilfssystem behilflich sein. „Das Hamburger Winternotprogramm hat sich für viele Menschen als Ankerpunkt bewährt, aus dem heraus sie einen Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit finden können“, sagte die Senatorin. Im vergangenen Jahr hätten so 135 Wohnungslose in eine Unterkunft oder Wohnung vermittelt werden können.

Beratungen im Winternotprogramm
Bekommt jeder Obdachlose eine Unterkunft, Frau Leonhard?

Ziel der Sozialbehörde sei es, „deutlich mehr als 100 Personen“ aus dem Winternotprogramm in öffentlich-rechtliche Unterkünfte zu vermitteln. Die Senatorin ließ allerdings offen, ob tatsächlich jeder Nutzer des Winternotprogramms mit rechtlichem Anspruch durch die Beratungen eine städtische Unterkunft bekommen wird. „Jeder der will und einen Anspruch hat wird so beraten, dass für ihn eine Perspektive entwickelt wird“, sagte sie dazu.

Obdachlosen aus Osteuropa, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfe hätten, würde im Rahmen der Beratung dazu geraten, in ihr Heimatland zurück zu reisen.

Kommentar Winternotprogramm
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Wie schon im vergangenen Jahr öffnet die Sozialbehörde zum 1. November im Münzviertel sowie in der Neustadt Notunterkünfte mit 760 Plätzen für Obdachlose. „Sollte es über die Dauer des Winters erforderlich sein, können wir dieses Angebot auch noch aufstocken“, sagte die Senatorin. Zusätzlich stehen ab November 130 Plätze in Wohncontainern bei Kirchengemeinden, bei der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und bei der Evangelischen Hochschule für Sozialpädagogik beim Rauhen Haus zur Verfügung. Die Nutzung des Erfrierungsschutzes sei weiterhin anonym möglich, betonte Leonhard: „Es muss in Hamburg keiner seinen Ausweis vorzeigen, um ins Winternotprogramm zu kommen.“

Rathaus
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Keine ganztägige Öffnung

Eine erneute Absage erteilte Leonhard der Forderung der Wohlfahrtsverbände, das Winternotprogramm ganztags zu öffnen. Wie bisher werden die Unterkünfte in der Münzstraße und im Schaarsteinweg nur von 17 Uhr abends bis 9 Uhr morgens geöffnet sein. „Das Ziel des Winternotprogramms ist nicht die Verfestigung des Aufenthalts, sondern den Menschen aus dem Winternotprogramm heraus eine Perspektive zu bieten“, begründete die Senatorin dies. Dafür sei der „Anstoss“ notwendig, die Unterkünfte tagsüber zu schließen, damit die Obdachlosen in dieser Zeit Beratungsstellen aufsuchen könnten.

Immerhin: Für die Zeit des Winternotprogramms wird die Behörde an den Wochenenden eine zusätzliche Wärmestube mit 100 Plätzen in der Hinrichsenstraße öffnen.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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